Amelinghausen. Während im Osten des Landkreises viel über eine Fusion gesprochen und gestritten wird, ist man im Westen schon einen Schritt weiter – ohne dabei das Wort Fusion auch nur in den Mund zu nehmen. Unter dem Projekttitel „Interkommunale Zusammenarbeit“ (IKZ) wollen die Verwaltungschefs aus Amelinghausen, Ilmenau und Gellersen künftig enger zusammenarbeiten. Warum wollen die drei Samtgemeinden jetzt gemeinsame Sache machen? Das erklärten die drei Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker (Amelinghausen), Josef Röttgers (Gellersen) und Jürgen Stebani (Ilmenau) im Amelinghausener Rathaus in einem Gespräch mit der Lünepost.
„Wir prüfen derzeit, ob und wie wir in verschiedenen Bereichen die Verwaltungsarbeit zusammenlegen können“, erklärt Röttgers. Jürgen Stebani ergänzt: „Es geht nicht darum, Stellen abzubauen, sondern Spezialisten besser einzusetzen und die Arbeitskräfte zu entlasten.“ Wenn es in Amelinghausen einen Fachmann z. B. für Tiefbau gebe, könne man den auch in Gellersen einsetzen. Dafür könne ein Hochbau-Experte aus der Samtgemeinde Ilmenau sein Know-how in Amelinghausen einbringen, nennt Stebani ein Beispiel. Man stehe zwar nicht unter finanziellem Druck, so Amelinghausens Bürgermeister Völker, aber das könne sich in den nächsten Jahren ändern.
„Außerdem gehen unsere Einwohnerzahlen derzeit zurück“, weiß er. Das bedeutet: „Wenn der Standard in unserer Samtgemeinde bleiben soll und die Einwohner weniger werden, dann muss jeder einzelne später über Steuern finanziell mehr tragen.“ Dem könne man mit einer Zusammenarbeit mit Gellersen und Ilmenau vorbeugen, weil man zu dritt einen größeren Handlungsspielraum habe. So habe man auch bessere Möglichkeiten, sich um Fördermittel zu bewerben. „Wir treten dann als große Gemeinde für 30.000 Bürger an und nicht mehr allein für 8.000“, fügt Völker an. Die Zusammenarbeit nimmt bereits erste konkrete Formen an. Arbeitsgruppen mit Mitgliedern aus den drei Rathäusern sind gebildet und sollen fünf Themenschwerpunkte bearbeiten: Ein gemeinsames Image- und Marketingkonzept, die Zusammenlegung der Standesamtsbezirke sowie der Anlagenbuchhaltung, eine gemeinsame Stelle für teuerangelegenheiten und die Frage, welche Aufgaben künftig Gemeinden, Samtgemeinden und Kreis übernehmen sollen, werden jetzt geprüft. „Für den Bürger ist doch egal, woher sein Steuerbescheid kommt. Hauptsache, er hat seinen Ansprechpartner vor Ort“, meint Helmut Völker. Das ist allen drei Bürgermeistern ein besonders Anliegen: „Es soll für alle Bürger weiterhin Anlaufstellen vor Ort geben“, sind sie sich einig. So behalte z. B. jede Samtgemeinde ihre Standesbeamten. Also keine Fusion mit einer zentralen Verwaltung? „Wir befinden uns in einem Prozess“, so der Gellerser Verwaltungschef Röttgers. Der sei völlig ergebnisoffen. Er würde es aber begrüßen, wenn auch darüber diskutiert wird, sollte das Thema im Laufe der Zeit ins Gespräch kommen. „Aber im Moment ist es die entfernteste Möglichkeit“, so Jürgen Stebani. Auch wenn das Konstrukt, unter dem man zusammenarbeitet, nicht vorgegeben sei. „Wir stehen nicht unter Druck und müssen nicht mit Gewalt etwas finden“, sagt er. Das Projekt IKZ ist zunächst auf ein Jahr bis Ende 2010 angelegt.
Danach soll es aber keinen Abschluss, „sondern einen Zwischenstand geben“, so Röttgers. Doch bereits in dieser Findungsphase sollen erste Punkte in die Praxis umgesetzt werden. „Das betrifft vor allem die internen Verwaltungsaufgaben“, verrät Ilmenau-Bürgermeister Stebani. Man wolle sich bewusst die Zeit nehmen und das Unternehmen IKZ langsam wachsen lassen, „weil wir keine böse Überraschung wie im Ostkreis erleben wollen“. Dort war die eigentlich schon als sicher geltende Fusion zwischen Bleckede, Dahlenburg und Amt Neuhaus vor Kurzem geplatzt (Lünepost berichtete). Im Westen wolle man nun eine andere gute Lösung auf den Weg bringen, bevor man aus Hannover wegen der niedersächsischen Gebietsreform eine aufgedrückt bekomme. Unterstützt wird das 50.000 Euro teure Projekt vom Land Niedersachsen (18.500 Euro) und dem Landkreis Lüneburg (16.500 Euro) – und von Klaus Drögemüller. Er ist Experte auf diesem Gebiet, nennt sich Kommunalmanager und Dorfdenker, will aber „nicht Besserwisser oder Gutachter sein, sondern Praktiker“, wie er selbst sagt. Er treffe hier auf ein gutes Team. „Wir fangen nicht bei Null an“, ist Drögemüller zufrieden. Er greife nur ein, wo ein externer Blick nötig sei. „Zu 90 Prozent bin ich Mut- und Muntermacher. Nur zu zehn Prozent muss ich Zuchtmeister sein“, ergänzt er lächelnd. Nächster Schritt: Bei einem Kommunalforum am Montag, 15. Februar (17 Uhr), in Schencks Gasthaus in Amelinghausen sollen die rund 230 Mitglieder sämtlicher betroffenen Gemeinderäte ausführlich informiert werden, damit sie es zu den Bürgern weitertragen können. Ein offenes Forum, zu dem auch Bürger eingeladen sind, ist bereits geplant.









