Lüneburg. „Außer der LNVG kennt keiner unser Angebot für den Betrieb des Hanse-Netzes. Die 15 Millionen, die wir über dem Angebot der Deutschen Bahn liegen sollen, sind nicht wahr“, betont Metronom-Sprecherin Tatjana Festerling gegenüber der Lünepost mit Nachdruck. 2009 hatte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) den Betrieb des Bahnnetzes auf den Strecken Uelzen–Hamburg und Bremen–Hamburg (sogenanntes „Hanse-Netz“) für den Zeitraum 2010 bis 2018 neu ausgeschrieben. Für die Betreiber ist diese Strecke sehr lukrativ, daher hat sich neben dem Metronom u. a. auch die Bahn beworben. Am 8. Januar bekam Metronom den Zuschlag von der LNVG.
Es herrschte große Erleichterung beim Uelzener Unternehmen, denn „für uns wäre es existenzbedrohend, wenn wir den Zuschlag nicht erhalten würden, die Strecke ist unser Hauptgeschäft“, so Festerling. 320 Arbeitsplätze hängen an dieser Entscheidung. Doch am 16. Januar erhob die Deutsche Bahn Einspruch, da ihr Angebot deutlich unter dem von Metronom liegen würde. Und auch der Steuerzahlerbund richtete eine Anfrage an die LNVG: „Dem Vernehmen nach war die Bahn rund 15 Millionen Euro pro Jahr günstiger, das wären für den Steuerzahler ca. 120 Millionen Euro pro Jahr weniger“, rechnete Daniel Kaspar vom Steuerzahlerbund vor, machte so auch die Medien aufmerksam. Wie diese 15 Millionen zustande gekommen sind, kann sich Festerling nur so erklären:
„Die vom Land kalkulierte Summe lag bei 42 Millionen Euro, und das Angebot der Bahn wohl bei 27 Millionen“, sagt die Metronom-Mitarbeiterin. Die Differenz sind besagte 15 Millionen. „Aber wir liegen auch Millionen unter der vom Land errechneten Summe“, stellt Festerling klar. Bundesbahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis wollte sich nicht weiter zum Sachverhalt äußern, denn „das ist ein schwebendes Verfahren, ich darf gar nichts sagen“, meint er. Warum hat die DB eine Absage erhalten? Kerstin Heinemann, Pressesprecherin der LNVG, scheut sich – trotz schwebenden Verfahrens – nicht, das zu erläutern: „Wenn der Preis eines Anbieters entweder 20 Prozent unter der von uns kalkulierten Summe oder 10 Prozent unter dem nächstniedrigsten Gebot liegt, müssen wir ein solches Angebot nach genauen Regeln durchleuchten“, so Heinemann. Beide Vorgaben trafen zu, wobei die LNVG-Mitarbeiterin auch nicht wisse, „wie die DB-Summe von 27 Millionen Euro durchgesichert ist, die Angebote sind eigentlich geheim.“ Für die Prüfung fehlten einige Unterlagen, die von der LNVG im November und nochmals im Dezember angefordert wurden.
„Obwohl viele Unterlagen nachgereicht wurden, fehlten doch die für uns entscheidenden“, erklärt Heinemann. Zudem hätten sie noch formale Fehler entdeckt, und so wurde das Angebot der DB ausgeschlossen. „Wir haben uns wirklich große Mühe mit der DB gemacht“, betont Heinemann. Den Zuschlag bekam dann Metronom, dessen Angebot ebenfalls „deutlich unter der kalkulierten Summe liegt“, so Heinemann. Gerüchte zu den Gründen für das sehr niedrige Angebot der DB – z. B. niedrigere Lohnkosten, weil das Angebot von der DB-Tochter DB-Regio Nahverkehr 1 gemacht wurde, die eventuell nicht tarifgebunden sei, oder dass die DB Gewinne aus anderen Sparten für die Kalkulation einbezogen habe – wollte keiner der Sprecher bestätigen. Zur Zeit wird in der Vergabekammer Lüneburg geprüft, ob die LNVG einen Fehler gemacht hat. Egal, wie die Entscheidung ausfallen wird – jeder der Beteiligten, ob DB, Metronom oder LNVG, erklärte, gegebenenfalls auch in die nächste Instanz zu gehen. Pendler und Metronom-Mitarbeiter müssen sich wohl auf eine längere Wartezeit einstellen.










