Lüneburg. Der Kreisverband Lüneburg der CDU lädt am morgigen Donnerstag ab 19 Uhr zum Kreisparteitag ins Sporthotel Adendorf (Scharnebecker Weg) ein. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Wahlen des kompletten Vorstandes und der Delegierten für die Parteitage. Der Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols tritt als neuer Kreisvorsitzender an, denn Dr. Bernd Althusmann zieht sich nach zehn Amtsjahren zurück. Die Lünepost sprach mit Althusmann über die Gründe seines Rückzugs aus der Kommunalpolitik, über Probleme in seiner CDU und über Strategien für eine bessere Zukunft der Partei in Stadt und Landkreis Lüneburg. Lünepost: Herr Althusmann, warum geben Sie den Kreisvorsitz ab?
Althusmann: „Ich lege die Verantwortung in neue Hände, weil ich in Hannover so stark eingebunden bin, dass es nicht verantwortungsvoll wäre, so weiterzuarbeiten. Mein Schwerpunkt ist jetzt als Staatssekretär die Leitung des Kultusministeriums.
Das ist ein Fulltime-Job, damit ist der Kreisvorsitz nicht zu vereinbaren – zumal ich jeden Tag dreieinhalb Stunden von Lüneburg nach Hannover pendele.“ Denken Sie an einen Umzug nach Hannover? Althusmann: „Nein, ich lebe hier mit meiner Patchwork-Familie mit vier Kindern, die gehen hier zur Schule. Ich bleibe mit Leib und Seele Lüneburger.“ Ist es denkbar, dass Sie am Donnerstag ein anderes, weniger zeitaufwändiges Amt im Kreisvorstand übernehmen? Althusmann: „Nein, auf keinen Fall.“ Ziehen Sie sich also völlig aus der Kommunalpolitik zurück? Althusmann: „Ich werde nicht mehr im Vordergrund, aber im Hintergrund beratend zur Verfügung stehen – wenn es gewünscht wird. Ich habe mir früher, als Franz Fietz und andere abgetreten sind, auch Rat von denen geholt. Da gab es immer Gespräche. Aber es ist ein gutes Signal, wenn der Vorsitzende nach zehn Jahren mal loslässt und andere agieren lässt.“ Hat die hiesige CDU geeignete Nachfolger? Althusmann: „Mit Eckhard Pols haben wir einen hervorragenden Kandidaten, der die Fäden in Stadt und Landkreis mit Blick auf die Kommunalwahl 2011 zusammenführen kann. Das ist eine große Aufgabe.“ Wie sieht es in der zweiten Reihe aus? Dr. Stefan Porwol hat erklärt, dass er nicht wieder als Stellvertreter antritt. Gibt es Kandidaten für die vier Stellvertreter-Posten? Althusmann: „Ja, wir haben sogar mehr Kandidaten als zu besetzende Plätze. Unser Kreisfraktionsvorsitzender Alexander Blume tritt an – das ist wirklich ein politisches Gewicht! André Feit aus Hohnstorf, Ingrid Dziuba-Busch aus Lüneburg, Ralf Makagon aus Neuhaus und Joachim Braun aus Vögelsen kandidieren ebenfalls.“
Welche Aufgaben muss der neue Vorstand meistern? Sie haben in der Presse von „schwierigen Zeiten“ für die CDU gesprochen. Althusmann: „Das bezog sich auf die Bundes-CDU. Aus Sicht der CDU vor Ort fordern wir mehr Geschlossenheit, was die bundespolitische Lage betrifft. CDU/CSU und FDP – das ist meine Wunschkoalition, weil sie als einzige in der Lage ist, die Probleme in Deutschland zu lösen. Aber sie hat sich leider an einigen Stellen verhakt. Das ist für viele nicht nachvollziehbar. Wir wünschen uns, dass mehr hinter verschlossenen Türen und weniger in Mikrofone gesprochen wird.“ Und welche Probleme hat die CDU hier vor Ort? Althusmann: „Ich mahne schon länger, dass wird uns personell breit aufstellen müssen, damit wir bei der Kommunalwahl 2011 die Mehrheiten in Stadt und Landkreis zugunsten der CDU kippen. Dazu brauchen wir eine Menge Mitarbeiter. Und wir brauchen gute Kandidaten, eine Mischung aus Alt und Jung, aus vielen Berufsgruppen. Und wir müssen uns besser profilieren gegenüber der SPD.“
Aber ist das nicht schwierig, weil CDU und SPD sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag in einer Gruppe zusammenarbeiten? Althusmann: „Natürlich ist es schwer, wenn man mit der SPD in einer Gruppe ist und genau weiß, dass man am Ende in den Wettbewerb treten muss.
Grundsätzlich gilt, dass in der Gruppe zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger gearbeitet werden muss – das wird auch getan. Ich gehe davon aus, dass die Gruppen zusammenbleiben, auch wenn das einige bei uns kritisch sehen. Nur: Wir müssen darauf achten, dass wir sehr viel Eigenständigkeit bewahren und mit eigenen Initiativen deutlich machen, wo wir 2011 hinwollen, wofür wir eine Mehrheit haben wollen.“ Bei welchen Themen wollen Sie denn konkret ein eigenes Profil entwickeln? Althusmann: „Die infrastrukturelle Entwicklung des Ostens unseres Landkreises ist mir Herzenangelegenheit. Da müssen wir uns eine Strategie angesichts des demografischen Wandels überlegen – bei den Schulstrukturen und bei der landkreisübergreifenden Zusammenarbeit. Wir müssen stärker in Richtung Lüchow-Dannenberg denken. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kreis Harburg ist wichtig. Das ist ein starker Landkreis, davon können wir nur profitieren, gemeinsam Projekte voranschieben wie das Reitsportzentrum Luhmühlen, wie Verkehrswege und Baugebiete. Aber die Fusion kann man nicht aufzwingen wollen, wie es passiert ist.
Man muss dort mit den Mehrheiten reden. Und wir müssen ein Verkehrskonzept für den gesamten Landkreis finden, auch für die boomenden Bereiche im Westen. Und natürlich ist die Haushaltskonsolidierung in Stadt und Landkreis ein wichtiger Punkt. In diesen Fragen müssen wir Schwerpunkte setzen, wenn wir uns profilieren wollen.“ Ist die hiesige CDU für diese Herausforderungen gewappnet? Althusmann: „Ja, wir wollen unsere 1200 Mitglieder noch stärker einbinden, wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln! Wir werden offene Bürgerforen veranstalten. Dafür werden wir viel Zeit investieren. Ich stehe dabei mit Rat und Tat beiseite, denn das ist meine CDU in der Region, bei der ich gerne bin und mit der ich 2011 hier in Stadt und Landkreis Lüneburg gewinnen will!“ Herr Althusmann, vielen Dank für das Gespräch.










