Lüneburg. Fußballer und Sportwetten – spätestens seit dem Skandal um Ex-Schiri Robert Hoyzer und der Rekordsperre gegen den Ex-Osnabrück-Profi Marcel Schuon ist das bundesweit ein Thema. Für 33 Monate wurde Verteidiger Schuon in dieser Woche gesperrt, weil er sich gegenüber dem Inhaber eines Wettbüros bereit erklärt hatte, die Ergebnisse von vier Zweitligaspielen des VfL in der Saison 2008/09 zugunsten des Gegners zu beeinflussen. Die Wut auf Schuon ist groß, sein damaliger Trainer Claus-Peter Wollitz erklärte in der Presse, dass er seinen Ex-Spieler am liebsten hinter
Gittern sehen würde. Doch nicht nur im Profibereich, auch im hiesigen Fußball sind Sportwetten ganz groß in Mode. Ein Insider aus der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Das zieht sich durch alle Vereine, in der Stadt und auch auf den Dörfern.“ So soll es in einer Lüneburger Fußballkneipe, in der die hiesigen Kicker gerne die Partien der Bundesliga verfolgen, ein ständiges Kommen und Gehen geben: „Die marschieren erst in ein Wettbüro in der Nähe, dort werden hohe Wetten platziert und hinterher schauen sie hier die Spiele“, erzählt der Kenner der hiesigen Szene, „da können aus 50 Euro Einsatz bei einer Kombiwette auch schnell mal 2000 Euro Gewinn werden.“
Doch oft sei der Wetteinsatz auch weg, ein schmerzhafter Verlust z. B. für die Kicker, die noch in der Ausbildung stecken. Gewettet werden kann, in Kombination mit anderen Partien, auch auf Spiele der Oberliga, in der der FC Hansa am Ball ist. Auf die Frage, ob auch Lüneburger Oberliga-Kicker beim Wetten dabei sind, ein Wettskandal möglich wäre, antwortet der Insider vielsagend: „Das sind keine Spieler von Hansa …“ Doch nicht nur bei Sportwetten im Internet und in Wettbüros sollen Kicker gerne zocken. „Es geht hier nicht nur ums Wetten, es geht auch um Pokerspiele untereinander mit hohen Einsätzen oder um Besuche in den Spielhallen“, sagt der Insider. Manch lokale Fußballgröße sehe man regelmäßig vor Daddelautomaten in einer der vielen Lüneburger Spielhallen herumhängen. Darunter einer, der eigentlich eine Profi-Karriere hätte packen können.
Fälle von Kickern, die zocken, sind nicht neu. Schon in den 90ern hatte sich ein spielsüchtiger Fußballer aus Lüneburg so hoch bei Bekannten verschuldet, dass er fluchtartig seine Heimatstadt verließ und nie wieder gesehen wurde. „Ganz vorne dabei ist auch der Trainer eines Teams aus der Region“, erzählt der Kenner, „der steht immer mal wieder bei seinen Spielern in der Kreide. Er geht sogar zusammen mit seinen Kickern in die Daddelhalle.“ Und das soll erst die Spitze des Eisberges sein: „Wenn Ihr diese Geschichte bringt“, sagt der Insider, „stecht Ihr in ein Wespennest.“ Die Lünepost bringt diese Geschichte, weil sie den Betroffenen helfen will. Auswege aus der Spielsucht bietet z. B. die Drobs an – siehe rechts.
„Wenn gelogen wird, ist es meist kritisch“
Bei der Lüneburger Drogenberatungsstelle Drobs ist Holger Komoß der Ansprechpartner bei allen Fragen rund um das Thema Spielsucht. Und der Aufklärungsbedarf wächst, denn seit das Internet immer mehr Spielmöglichkeiten bietet, steigt die Zahl der Beratungen rasant an. „Im Internet gibt es etwa 2500 bis 3000 Anbieter für Spiele“, berichtet der Experte. Das Gefährliche: „Beim Spielen erhöht sich das Suchtpotential mit der Taktung.“ So sei das traditionelle Lotto mit seinen zwei Ausspielungen pro Woche vergleichsweise harmlos.
Anbieter im Internet geben viele verschiedene Wettmöglichkeiten. So kann während eines Fußballspiels nicht nur auf den Sieger oder das Ergebnis gewettet werden. Gegen Geld kann man auch tippen, wer z. B. den ersten Einwurf erhält, wer zuerst wechselt oder welcher Spieler eine gelbe Karte bekommt. Solche Wetten gibt‘s im Minutentakt. Woran erkenne ich, ob ich spielsüchtig bin? Holger Komoß nennt untrügliche Anzeichen: „Wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, ich nicht mehr einkaufen gehe, Kredite nicht mehr bedient werden oder ich mir Geld bei Kollegen leihe.“ Ein klares Indiz sei auch die Heimlichkeit: „Wenn ich z. B. meiner Frau sage, ich muss Überstunden mache, gehe aber in die Spielhalle. Wenn Lügen und Verheimlichen ins Spiel kommen, ist es meist kritisch.“ Seit drei Jahren hat die Drobs extra eine halbe Stelle für Beratungen rund um das Thema Glücksspielsucht eingerichtet. Und die Zahl der Beratungswünsche steigt weiter: „Im Jahr 2009 hatten wir 89 Fälle, dieses Jahr werden es wohl noch mehr werden“, schätzt der Experte.
Wer bei sich Anzeichen einer Spielsucht erkennt, ist bei der Drogenberatungsstelle in den richtigen Händen. Jeden Montag von 10 bis 13 Uhr bietet Holger Komoß bei der Drobs in Lüneburg (Heiligengeiststraße 31) eine Sprechstunde zum Thema Spielsucht an, Termine zu anderen Zeiten sind nach Vereinbarung möglich: (04131) 68 44 60










