Bleckede. „Letztes Jahr traf ich eine Lehrerin in der Cafeteria, sie kaufte massenhaft Essen“, erzählt Marina Ahrend. Auf die Frage, wofür die junge Lehrkraft das alles brauchte, antwortete diese: „Für meine Fünftklässler, ich kann nicht mit ansehen, wie hungrig sie sind.“ Das gab den Anstoß für die Bleckeder Hauptschullehrerin: Sie rief unter dem Dach des Fördervereins des Schulzentrums die Aktion „Voller Teller“ ins Leben. Das Ziel: Kinder, deren Eltern sich das regelmäßige Mensa-Essen nicht leisten können, zu unterstützen. Und zwar mit Spenden von möglichst vielen Paten.
Die Schüler in Bleckede haben an zwei Tagen in der Woche Ganztagsunterricht, sind bis 16 Uhr in der Schule. Sie dürfen aber mittags das Gelände nicht verlassen. Bekommen sie nichts zum Essen mit, sind sie auf die Schulmensa angewiesen. Doch die kostet. „Eine Umfrage in der Hauptschule hat ergeben, dass die Schmerzgrenze bei den meisten Eltern bei zwei Euro pro Essen liegt“, erzählt Hauptschul-Leiterin Birgit Farley.
Das Abo mit zwei Essen pro Woche kostet im Monat 22,90 Euro. Da dieser Beitrag auch in den Ferien fällig wird, kommt man auf einen Preis von etwa 3,50 Euro pro Essen. „Hartz-IV- oder ALG II-Empfänger bekommen auf Antrag einen Zuschuss von insgesamt ca. 1,50 Euro pro Essen vom Land und vom Landkreis“, erklärt die Vorsitzende des Fördervereins, Birgit Neumann. Leider würden viele Zuschussberechtigte keinen Antrag stellen. „50 Prozent der Fünftklässler in der Hauptschule könnten Zuschüssse bekommen“, macht Birgit Farley deutlich. Außerdem reichen einigen die 1,50 Euro nicht. Hier will der „Volle Teller“ zusätzlich unterstützen, auch bei denen, die nicht zuschussberechtigt sind, deren Geld aber trotzdem knapp ist, könnte er einspringen. Marina Ahrend hat die Abwicklung übernommen, eine zeitaufwändige Angelegenheit. Sie regelt alles über ein spezielles Konto, auf das Spenden und Zuschüsse eingehen. Von dort zahlt sie die Essens-Abos direkt an den Caterer. „Dadurch kann ich garantieren, dass wirklich jeder Cent direkt in die Essen wandert“, sagt sie. Verstärkt gehen die Initiatoren zur Zeit auf die Fünfklässler zu, deren Eltern sie auch direkt bei der Schulanmeldung angesprochen haben. Mit Erfolg: Ein großer Teil isst in der Mensa, die Klassen werden zum Essen vom Lehrer begleitet. Möglich war der Start der Aktion durch die Anschubfinanzierung des Kinder- und Jugendfonds Bleckede. „Wir finden das eine wichtige Sache,“ steht der Vorsitzende Ralf-Peter Oelsner hinter dem „Vollen Teller“. Von den gespendeten 2500 Euro wurden 1500 für die ersten elf Schüler genutzt. „Sonst hätten wir gar nicht starten können“, betont Ahrend. Die Aktion ist jedoch weiter dringend auf Spenden angewiesen. 140 Euro für eine Patenschaft pro Jahr sind ein Durchschnittswert, jeder Fall wird einzeln bewertet, jede Familie hat einen anderen Bedarf. „Wir hatten auch schon eine Mutter, die anrief, sie brauche jetzt keine Unterstützung mehr, weil ihr Mann wieder Arbeit hätte“, erzählt Oelsner.
„Natürlich kann jeder spenden, was er möchte“, ist Marina Ahrend wichtig. Und jeder Pate wird einmal in die Mensa zum Essen eingeladen, um zu sehen, wie sein Geld verwendet wird. Derzeit wird die Aktion nur an der Hauptschule durchgeführt. Realschul-Reaktor, Rolf Parlow: „Das Ganze ist sehr zeitaufwändig. Das können wir gar nicht leisten. Es ist sinnvoll, die Aktion erstmal in einer Schulform auszuprobieren.“ Am Angebot in der freundlichen Mensa kann die insgesamt noch zu geringe Beteiligung nicht liegen. Die Kinder können sich beliebig oft vom Salat-, Nudel- und Pizzabuffet Nachschlag holen, dazu gibt‘s wechselnde Hauptgerichte und Desserts. Schmeckt‘s denn auch?
„Sehr lecker“, meint der elfjährige Daniel aus der Fünften. Bei ihm und seinem Klassenkamerad Adrian ist Pizza der Favorit, „Margherita und Salami, aber wenn es was mit Fleisch gibt, mag ich das auch.“ Das ist zu sehen – die Kinder langen ordentlich zu. Bleibt zu hoffen, dass das in Zukunft für alle möglich ist. Denn: „Es sind immer dieselben, die draußen bleiben“, haben die Initiatoren beobachtet.










