
Lüneburg/Hamburg. Wenn der Hamburger Star-Pianist Joja Wendt am Mittwoch, 25. November, in Lüneburg sein Konzert gibt, ist das nicht sein erster Besuch in unserer Hansestadt. Schon mehrfach lockte er Massen an Fans ins Vamos. So soll es auch dieses Mal wieder sein, wenn er dort ab 20 Uhr „Das Beste am Klavier“ spielt. Mit der Lünepost traf er sich vorab bei einem Frühstück im kleinen Hamburger „Café in Stay“.
Zu dem Termin kommt Joja Wendt mit dem Rad, auch sonst ist er sportlich: „Ich bin noch etwas durch den Wind. Gestern Abend saß ich in Berlin am Hauptbahnhof, wartete auf den Zug nach Hamburg. Da klaut mir so ein Bengel mein Handy! Zwei Kilometer bin ich ihm nachgelaufen, bis ihm die Puste ausging – da lohnt es sich, dass ich Marathon laufe“, grinst er. „Aber wir wollten ja über Lüneburg reden“, schiebt er bei belegtem Brötchen und Latte Macchiato hinterher und schwärmt von der Stadt. „Es ist toll da! Die Altstadt mit den vielen Cafés – das ist ein Flair, das man nicht in vielen Städten hat.“
Am Mittwoch, 25. November, bist Du wieder in Lüneburg. Welche Erinnerungen hast Du an das Vamos?
Das Vamos ist doch auf dem Campus, oder? Da habe ich auch immer ein besonderes Publikum. Die Zuschauer sind jünger, Musik-affiner, einfach kulturell interessierter. Sonst kommen die Leute oft in eine Konzert-Situation zu mir – das ist hier anders. Es hat in Lüneburg mehr Event- und Kultur-Charakter. Es war auch zuletzt in Lüneburg immer ausverkauft und eine Super-Stimmung. Lüneburg ist ja eine Studentenstadt mit vielen Kneipen.
Bist Du denn selbst schon in der Lüneburger Innenstadt gewesen?
Na klar! Ich kenne Lüneburg gut. Lüneburg ist superschön. Es gibt ein paar Städte in Deutschland wie Tübingen, Göttingen und eben Lüneburg, wo es eine richtige Studenten-Szene gibt. Da herrscht dann auch ein besonderes Flair. Das finde ich super. Das erinnert mich immer an meine Jugend.
Wie fällt denn der Rückblick auf die eigene Studentenzeit aus?
Es war eine schöne Zeit! Ich habe ja damals in Holland studiert und diese Freiheiten hast Du nie wieder. Natürlich muss man seine Scheine und Prüfungen machen, aber man hat noch nicht die beruflichen und familiären Verpflichtungen wie später. Es ist einfach eine Zeit, in der man noch richtig angefeuert ist.
Dein Programm heißt „Das Beste vom Klavier“. Klavierkonzerte haben oft einen klassischen Anstrich. Das trifft bei Dir ja gar nicht zu.
Bei mir ist es ja generell ein bisschen anders. Aber Du hast völlig Recht: Die Leute haben oft ein Klavierkonzert im herkömmlichen Sinne im Hinterkopf, und wenn sie zu mir kommen sind sie meist positiv überrascht. Denn ich bin auch unterhaltsam und lustig. Es ist nicht so, dass einer vorne am Klavier sitzt und „auf dicke Hose“ macht.
War es schon immer Dein Anspruch, Dich nicht in Herkömmliches einzureihen, sondern was Besonderes zu machen?
Ich bin ja Jazz-Pianist und habe schon früh oft in Clubs gespielt, habe auch Sängerinnen wie Inga Rumpf begleitet. Aber ich bin früher auch immer gerne in Klavierkonzerte gegangen, wenn der Pianist etwas zu den Stücken erzählt und sie nicht nur gespielt hat. Man will ja auch was wissen. Hintergründe und Anekdoten waren immer herrlich. War das nicht der Fall, war es selbst für mich als Musik-Studenten mühsam, dem Konzert zu folgen, wenn es einfach hintereinander weggespielt wurde. Es hat sich aber leider eingebürgert, dass es eher große Gesten sein müssen – ich fand das immer ein bisschen albern. Die Leute durchschauen das auch, ob jemand auf der Bühne er selbst ist oder schauspielert. Ich bin einfach ich selbst und das ist auch gut so. Das macht mich lockerer. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Konzerte, die ich gegeben habe. Ich stand völlig nervös hinter der Bühne und dachte: „Warum hast Du nicht auf deinen Vater gehört und eine Banklehre gemacht?“ Und der schlimmste Moment ist kurz bevor man rausgeht. Dann steht man richtig unter Adrenalin.
Du würdest Dir also auch immer gern selbst beim Konzert zuhören?
Genau! Es muss natürlich Niveau und Substanz haben. Aber ganz wichtig ist, dass es abwechslungsreich bleibt. So ist es auch bei „Das Beste am Klavier“. Eine große Abwechslung – und dabei geht es nicht nur um das, was man so allgemein als „das Beste“ einstufen würde. Es geht vielmehr um die Musik, die mich als Kind, im Studium, einfach in meinem ganzen Leben am meisten fasziniert hat. Das ist genauso klassische Musik wie Jazz, populäre Stücke z. B. von Stevie Wonder. Musik eben, die ich toll finde. Die Lieder ziehen sich also quer durch meine autobiografische Musik-Geschichte, aber trotzdem mit dem nötigen Spannungsbogen. Ich denke, die Leute werden es mögen.
Wenn man Dich spielen hört, hört sich das schon perfekt an. Gibt es für Dich noch eine Steigerung?
Deutlich! Es gibt vor allem immer neue Herausforderungen. Gerade übe ich ein Stück von Vladimir Horowitz, das mich schon als Kind fasziniert hat – eine Carmen-Variation, weil die als unspielbar gilt. Es gibt bislang keinen deutschen Pianisten, der das im Programm hat, weil es wirklich monster-schwierig ist. Und da gibt es ja kein Ende. Es gibt immer wieder schwierige Stücke, für die ich Jahre lang üben muss. Als nächstes will ich unbedingt die Paganini-Variation von Rachmaninov lernen ...
Gibt es überhaupt einen Punkt, an dem man ausgelernt hat?
Nein. Ausgelernt hat man höchstens in dem Sinne, dass man seinen eigenen Stil gefunden hat. Aber bestimmt nicht ausgelernt im Sinne von „man kann alles spielen“. Eher im Gegenteil: Je mehr Du lernst, desto mehr siehst Du auch, was Du alles noch nicht kannst.
In einer NDR-Sendung hast Du die Kandidaten am Klavier begleitet, ohne dass Du wusstest, welches Lied sie singen würden. Da hatte man schon den Eindruck, Du könntest jedes Lied spielen.
Ja, da war es allerdings so, dass es viele Pop- und Schlagerstücke waren. Und die sind alle ziemlich gleich aufgebaut. Da habe ich dann meistens nur die Harmonien gespielt. Ich hab das manchmal auch vergeigt, aber das fällt da dann nicht so auf (lacht). Erst am letzten Wochenende haben wir auf Sylt den Geburtstag eines Freundes gefeiert. Und da stand ein kleines Keyboard und ich hab verschiedene Lieder angestimmt. Da wurde ich dasselbe gefragt. Aber im Grunde ist es ganz einfach: Du hast eine Tonika, einen Grundakkord, die Tonart des Stückes, und alles andere strukturiert sich darum. Das finde ich jetzt nicht so bewundernswert – das können viele.
Hast Du denn so ein perfektes musikalisches Gehör, dass Du die Tonart sofort raushörst?
Ich konnte das schon früher vom Gehör her. Dafür bin ich kein guter Blatt-Leser. Es gibt Leute, die können alle Stücke ganz schnell und unheimlich gut vom Blatt spielen. Ich kann zwar Noten lesen, aber ich habe immer mit dem Gehör gearbeitet. Ich habe Platten gehört, fand das super und habe es dann rausgehört, um es nachzuspielen. Ich bin eher ein auditiver als ein visueller Typ.
Bei Dir hat ja auch in der Familie die Musik eine unheimlich große Rolle gespielt …
Meine Mutter war ja klassische Sängerin und die hat schon unheimlich viel gesungen, als ich noch im Bauch war. Ich glaube, dass so etwas konditioniert – auch schon im Mutterleib. Und Musik war immer ein Thema bei uns. Wir haben uns immer sonntags mit der ganzen Familie – ich bin eines von neun Geschwistern – hingesetzt und jeden Sonntag durfte jemand anders eine Platte auswählen und dann haben wir die bei Kaffee und Kuchen gehört. Das war ein fester Brauch, immer auch eine Art Familienzusammenführung. Dieses Ritual war eine schöne Sache. Auch heute versuchen wir das noch einzuhalten.
Glaubst Du, dass genau das heute in vielen Familien fehlt?
Das denke ich schon. Ich habe ja selber eine Familie mit zwei Kindern. Bevor die in die Schule kamen, haben wir als Familie nochmal eine Weltreise gemacht und waren 24 Stunden am Tag zusammen. Das war eine faszinierende Zeit. Das schweißt einen auch als Familie zusammen. Ich kann jedem nur raten, in der Familie feste Rituale einzuführen.
Viele Kinder sollen heute ein Instrument lernen, haben aber gar keine Lust. Hast Du eine Idee, wie man es denen schmackhafter machen kann?
Das geht nur über Motivation, damit sie merken, warum es sich lohnt, das zu machen. Ich bin gerade in einer TV-Show dabei, in der Kinder zwischen 6 und 16 ihre eigenen Kompositionen einreichen können. Dabei sind ihnen keine Grenzen gesetzt. Es waren an die 5000 Einsendungen, aus denen wir dann die besten 8 ausgewählt haben. Die durften mit einem deutschen Star ihren Song aufnehmen. Wir haben tolle Rückmeldungen von den Eltern bekommen, dass das viel Motivation für Kinder war, sich wieder mehr mit Musik zu beschäftigen. Die haben die Computer-Spiele beiseite gelegt und machen wieder Musik. Musik hat immer ein bisschen Glamour-Effekt: Man steht im Rampenlicht und wird bejubelt. Aber wenn das die Motivation ist, ist das doch super. Die Kids hatten zum Teil richtig geile Ideen. Einer war dabei, der kam aus Wilhelmshaven – also richtig aus der Bronx mit Migrationshintergrund. Du kannst Dir nicht vorstellen, was da los war. Der hatte zwar nicht gewonnen, aber einen Song mit Samy Deluxe aufgenommen. Als er dann nach Hause kam, wurde er mit Straßenumzügen in Wilhelmshaven gefeiert. Der wurde als Held gefeiert, hat dann da seinen einen Song, den er konnte, gespielt. Ein ganz lieber Typ, aber auf der Bühne total der Macker, natürlich ganz cool (lacht). Und die Mädels haben gekreischt…
Ähnlich ist es bei der Lünepost-Karaoke-Show auf dem Lüneburger Marktplatz, wenn die Kandidaten vor ein paar tausend Zuschauern auf der Bühne stehen.
Wie geil ist das denn!? Da siehst Du mal, Musik ist und bleibt ein überregionales, multikulturelles, emotionales Kommunikationsmittel.
Viele Klavier-Lehrer wollen ihren Schülern stattdessen aber eher klassische Stücke beibringen, müsste da nicht auch ein Umdenken zu aktuelleren Stücken stattfinden?
Da hast Du völlig Recht. Ich habe letztens in Bochum in einer Musikschule gespielt, da waren auch Lehrer dabei. Die haben mich gefragt, was sie machen können, damit die Schüler mehr Bock haben. Aber die sind auch gefordert, den Unterricht zeitgemäß und frisch zu gestalten. Ich habe denen geraten, sie sollen sich anhören, was die Kiddies heute hören, sollen sie nach ihren Lieblingsliedern fragen.
In welchem Alter kam bei Dir der Punkt, an dem Du gesagt hast, es macht mir nicht nur Spaß, sondern ich will mit dem Klavier auch Geld verdienen?

Ich bin nie davon ausgegangen, dass ich damit überhaupt Geld verdienen kann. Ich war tatsächlich ein Klavier-Junkie. Wo andere nächtelang vor dem Computer sitzen, hab ich mich nachts in der Schule im Musikraum hinter einem Flügel versteckt. Der Hausmeister hat alles abgeschlossen und das Licht ausgemacht. Mit Butterbroten bewaffnet habe ich das Licht wieder angemacht und die ganze Nacht Klavier geübt. Das war für mich die schönste Zeit. Ich war frei, konnte üben, ich hatte das, was mir Spaß gemacht hat. Ich war schon richtig angefixt. Auch während des Studiums habe ich von morgens bis abends nur Klavier gespielt. Ich wollte dann auch gut werden und wusste immer, dass ich noch nicht gut genug bin. Ich war richtig ehrgeizig. Während des Studiums habe ich in total karge Übungszellen gehockt – und für mich war es trotzdem die große Welt. Die Musik hat für mich Bilder erzeugt! Ich saß in dieser grauen Zelle und hatte dennoch die Welt um mich herum.
In Gedanken saßt Du irgendwo draußen?
Ja. Kann man schlecht erklären. Aber es war schon ein bisschen verrückt. Es war dann sogar so, dass ich mit Ende 20 einen alten Kumpel wiedergetroffen habe und der hat mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte zu einer Party von einem Freund. Da wurde mir erst wieder bewusst, dass es ja auch noch Spaß gibt im Leben (lacht). Das hatte ich ausgeblendet. Man muss echt aufpassen, dass man wieder rauskommt aus dieser Spirale - viele schaffen das nicht. Diese autistischen Züge merkt man dann auch auf der Bühne. Ich bin aber auf die Party gegangen und es war echt lustig. Bei mir war ohnehin die Gefahr gering. Ich habe ja acht Geschwister, da holt einen immer irgendeiner zurück.
… und wenn es der Vater ist, der mit der Banklehre droht...
Mein Vater hatte es nicht so leicht mit mir. Er ist selbst Akademiker und wollte natürlich, dass ich auch etwas mache, mit dem ich später sicher meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Aber ich war nachher der Erste, der kein Geld von ihm brauchte. Auch nicht während des Studiums. Ich habe da immer schon auf Geburtstagen und Hochzeiten gespielt. Und so habe ich 50- oder 100-Mark-weise mein Studium finanziert.
Das hat sich dann verselbständigt, dass Du damit Dein Geld verdient hast?
Naja, wir hatten damals eine Akustik-Band in Hamburg und kamen richtig gut an. Wir hatten eine Auftragslage, da träumst Du von. Wir hätten jeden Abend woanders spielen können. Es gab immer nur wenig Geld, aber das war uns egal. 150 Mark waren damals so viel Geld für uns! Es hat uns einfach Spaß gemacht. Wir haben oft im Sperl gespielt, eine Szene-Kneipe in Hamburg. Für uns war das toll: Die Mädels waren da und es gab Bier umsonst. Das war mein Leben! Das Schöne war, dass das Geldverdienen nicht so im Vordergrund stand. Man brauchte ja nicht so viel. Die Wohnung hatte 35 Quadratmeter, zwei kleine Räume und gerade mal 250 Mark im Monat gekostet. Ich hatte da einen Flügel und ein Bett stehen, mehr passte nicht rein (lacht). Dann haben wir nach und nach mehr Geld verdient, weil wir zum Beispiel auch eine Sängerin begleitet haben.
Und im Sperl wurdest Du von Joe Cocker für seine Deutschland-Tour entdeckt?
Ja, genau! Das Sperl war damals eine Kneipe am Großneumarkt. Da hat sich die ganze Hamburger Szene getroffen. Der Wirt hat den Musikern immer ein Bier hingestellt – umsonst! Und ich dachte nur: „Bier umsonst – das läuft!“ (lacht) Da habe ich jeden Abend gespielt. Otto Waalkes war auch da, Udo Lindenberg habe ich da kennengelernt, Abi Wallenstein und viele mehr. Dadurch, dass die alle da waren, wurde man angefeuert mit Ideen. Man befruchtete sich quasi gegenseitig. Wenn man das Glück hat, sich in solchem Klima zu bewegen, wo viele Leute das Gleiche machen, dann schaukelt sich das gegenseitig hoch. Jeder wollte immer was Geileres bringen und wieder 'ne neue Nummer. Das ist echt 'ne tolle Sache – ich war ja auch noch der Jüngste in dieser Szene, deswegen konnte ich unheimlich viel lernen. Inga Rumpf hat mich damals mitgenommen. Dann war ich plötzlich der Kronprinz in der Szene, dann haben die Leute auch mal angefragt, wenn sie in Hamburg waren: Chuck Berry zum Beispiel oder AC/DC. Mit Angus Young habe ich damals zusammen gejammt – auch in seiner Suite im Hotel. Angus Young treffe ich übrigens heute noch, wenn er mit AC/DC unterwegs ist. Ein kleiner Mann, aber ein geiler Typ! Der hat sich einfach die Western-Gitarre von der Wand geholt und gespielt... Und der hat sich natürlich auch gefreut: Da waren geile Mädels. Einmal hat er eine gehabt, die war so 1,90 Meter und er 1,50 Meter (lacht). Und eines Tages sitze ich am Klavier im Sperl und schaue so zur Seite, da steht tatsächlich Joe Cocker in der Tür. Der hatte sich erkundigt, wo es geile Live-Musik gibt und war ins Sperl gekommen. Der Zufall wollte es, dass ich spielte, als er reinkam. Er setzte sich hin, ich spielte das Stück zu Ende. Dann kam er zu mir, sagte, er spiele am nächsten Tag in Hamburg ein Konzert und sein Vorprogramm sei ausgefallen. Da hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in seinem Vorprogramm zu spielen. Ich hab natürlich zugesagt. Ich habe also mein kleines transportables Klavier mitgenommen. Ich hatte einen VW-Bus, in dem das drin stand. Dann bin ich rauf auf die Bühne in der Alsterdorfer Sporthalle und habe eine halbe Stunde gespielt. Das kam so gut an, die Leute haben so gefeiert. Das kannst Du Dir gar nicht vorstellen. Und Joe Cocker hat das natürlich mitbekommen und gesagt, er wolle mich jetzt auf der ganzen Tour dabei haben. Ich habe nur noch zu Hause angerufen und gesagt: „Ich bin jetzt mit Joe Cocker auf Deutschland-Tour!“ (lacht)
Und wie war da die erste Reaktion?
„Ja, ja – und ich bin der Kaiser von China!“ Aber die haben sich zu Hause natürlich gefreut, ich bin dann natürlich mitgefahren. Das war echt gut: Zum einen das Rock 'n' Roller-Leben, zum anderen haben mich auf einen Schlag tausende Leute gesehen.
Und wie war das Gefühl vorm ersten Auftritt?
Da habe ich richtig Angst gehabt. Ich hatte zwar nichts zu verlieren, aber ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet. Ich hätte ja auch baden gehen können mit dem Auftritt. Aber vielleicht hätte sich die Karriere anders entwickelt. Aber ich habe da gemerkt, dass ich alleine am Klavier tausende Leute unterhalten kann. Und wenn das da geht, geht das auch sonst. Danach konnte ich entsprechend weiterarbeiten. Das war ein irrer Motivationsschub. Da kam die Idee, dass ich eigene Konzerte machen wollte. Jahre später habe ich die Musikhalle in Hamburg gemietet. Die sind mir unheimlich entgegengekommen. Sie haben mir einen guten Frei-Termin rausgesucht und angeboten, dass ich wenig Miete zahlen muss, wenn ich geringe Eintrittspreise nehme. Da mich damals schon viele Menschen auf Hochzeiten und Geburtstagen angesprochen habe, dass ich Bescheid sagen soll, wenn ich mal Konzerte gebe, habe immer Adressen gesammelt, hatte schon 400 oder 500 zusammen. Dann habe ich allen handschriftlich einen Brief geschrieben. Da sind unheimlich viele Leute gekommen. Beim ersten Konzert schon über 1000. Natürlich viele Freunde und Verwandte, aber von da an lief das und die Musikhalle war jedes Jahr ausverkauft.
Damit war dann auch der Vater zufrieden?
Mein Vater hat mir schon früh beigebracht, dass man für solche Glücksmomente einfach gerüstet sein muss. Er hat immer gesagt, ich müsse mein Studium sehr gewissenhaft machen, damit ich etwas in der Hand habe, falls es mit dem Klavier nichts mehr ist. Als ich letztens von André Rieu zum ZDF-Silvesterkonzert eingeladen wurde, habe ich dort Otto wiedergetroffen. Der fragte mich anschließend, ob ich nicht die Film-Musik zu „7 Zwerge“ machen wollte. Ich hatte das noch nie gemacht, aber ich hatte das ja studiert. Also habe ich ihm ein Angebot gemacht, habe in Berlin ein Orchester engagiert. Dann haben wir das eingespielt. Otto war sehr begeistert von dem, was ich ihm dann vorgespielt habe. Aber wenn ich das nicht studiert hätte, hätte ich den Job gar nicht machen können. Ich hatte die Chance, konnte sie aber nur wahrnehmen, weil ich die Voraussetzungen geschaffen hatte. Das kann ich nur jedem empfehlen.
Das ist genau der Punkt, den ich bei vielen Casting-Shows infrage stelle, wo die Kandidaten für die Show z. B. die Schule schmeißen.
Das Problem ist, Schule abbrechen ist scheiße, aber die Leute haben natürlich eine Chance, die sie im Leben nie wieder bekommen. Deswegen kannst Du denen im Grunde keinen Vorwurf machen. Es ist auch immer schwierig, wenn man einmal so hoch gehypt wird. Das ist immer ein Auf und Ab. Im TV ist das besonders gefährlich, weil man sehr schnell sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Da fehlt aber die Nachhaltigkeit. Und wenn du jedes Jahr wieder auf Tour bist und die Leute in die Konzerte kommen, hat das eine andere Nachhaltigkeit. Dann ist man auf Fernsehsender gar nicht so angewiesen. Ich bin immer ganz froh, wenn Medien wie Ihr berichten. Mir ist das viel wichtiger als eine große TV-Sendung.
Ist das auch der Grund, warum Du nicht jeden Samstagabend in einer Show zu sehen bist?
Ich sage ganz viel ab, was das angeht. Promi-Dinner und so etwas kommt für mich gar nicht in Frage. Das ist einfach nicht mein Kerngeschäft. Das hat mit mir nichts zu tun. Die Leute sollen mich als Musiker und Musikfachmann wahrnehmen. Bei „Wetten, dass …?“ war ich zum Beispiel, weil sie einen Musik-Fachmann für eine Wette brauchten. Das fand ich gut und es ist ja auch eine Riesen-Ehre. Ich möchte einfach für mein Instrument stehen und nicht der Aufmerksamkeit wegen meine Nase in irgendeine Kamera halten.
Nächster Termin ist der 25. November, wenn Du im Lüneburger Vamos spielst. Gibt es schon Daten, wann man Dich mit Deinen anderen Projekten sehen kann?
Die große Abschluss-Show der Sendung „Dein Song“, von der ich vorhin erzählte, ist am 20. November abends bei KiKa und wird später noch einmal im ZDF wiederholt.
Und im Juni 2010 ist ja dann wieder Lünepost-Karaoke...
Da bin ich gerne mal dabei! Sehr gerne! Da komme ich gerne vorbei. Nur, wenn es nicht der 6. Juni ist, weil da meine Frau Geburtstag hat (lacht). Vielleicht können wir das ja auch mit einem Auftritt auf dem Stadtfest kombinieren? Das wäre doch lustig... Und super wäre doch, wenn ich da zusammen mit Stefan Gwildis auftauche und wir da spielen...
Das wäre toll. Aber erstmal sehen wir uns am 25. November im Vamos. Vielen Dank für das nette Gespräch.
Ich muss mich bedanken. Es war echt schön. Dann bis bald. Ich freue mich schon drauf.








