Lüneburg. Diese Schwestern prägten die Neue Deutsche Welle! Während Annette Humpe, damals Sängerin der Band Ideal („Deine blauen Augen“), heute mit Adel Tawil als „Ich + Ich“ die Charts stürmt, ist Inga Humpe, damals als Sängerin der Neonbabies und von DÖF („Codo – Ich düse, düse im Sauseschritt“), seit mittlerweile zehn Jahren mit ihrem Lebensgefährten Tommi Eckart als 2raumwohnung erfolgreich. Am Mittwoch, 3. März, macht das Duo von 2raumwohnung auf seiner „Lasso“-Tour in Lüneburg halt, spielt ab 20 Uhr im Vamos. Die Lünepost sprach vorab mit Inga Humpe:
Lünepost: Am 3. März spielt Ihr in Lüneburg. Das erste Mal für Euch …
Inga Humpe: Ja, das stimmt. Es ist in Lüneburg sozusagen unser Jungfernauftritt. Und solch ein Erlebnis hat man in meinem Alter nicht mehr oft. (lacht) Aber das ist natürlich auch immer spannend.
Eure Tour und Euer aktuelles Album heißen „Lasso“. Warum gerade dieser Titel?
Inga Humpe: Wir wollten einen Begriff, den jeder kennt. Und das Lasso hat eine starke Symbolik. Es hat etwas von „eingefangen werden“. Außerdem geht es auch um das musikalische Geräusch, das das Lasso macht.
Also wollt Ihr mit „Lasso“ neue Fans einfangen und die alten aufs Neue fesseln?
Inga Humpe: Das macht die Musik schon von ganz alleine. Dabei geht es weniger um uns, denke ich.
Ihr habt auf Eurem neuen Album einige neue Elemente eingebaut, es gibt aber auch Teile, die an Eure bekannten Hits wie „36 Grad“ oder „Besser geht‘s nicht“ erinnern.
Inga Humpe: Ja. Einige Songs wie „Lasso“ selbst sind elektronischer. Andere wie die neue Single „Rette mich später“ sind eher Popsongs. Insgesamt spielen auf dem neuen Album Trommeln eine größere Rolle.
Ihr übertretet mit Euren Liedern ohnehin gern die Grenzen zu verschiedenen Musikrichtungen.
Inga Humpe: Wir experimentieren und forschen gerne. So weiß man nie, was am Ende kommt. Das ist für uns beim Schreiben und ich denke, auch für die Fans beim Hören ganz spannend. Wir sind eben lieber am unbefestigten Ufer als auf der großen Hauptstraße unterwegs.
Eins ist aber immer gleich geblieben: Ihr singt auf Deutsch. Warum ist Euch das so wichtig?
Inga Humpe: Das ist einfach der Stil von 2raumwohnung. Es ist aber auch einfacher, in der Muttersprache Emotionen zu transportieren als in einer Fremdsprache. Außerdem ist es doch toll, mit dem Publikum in einer gemeinsamen Sprache zu singen.
2raumwohnung gehört ja auch zu den Bands, die eine neue Neue Deutsche Welle ausgelöst haben, plötzlich haben wieder viel mehr Bands deutsch gesungen …
Inga Humpe: Bis vor fünf oder sechs Jahren war das echt gut, aber mittlerweile ist es schon wieder weniger. Wir finden das eigentlich sehr schade, dass es nur noch so einen geringen Prozentsatz an deutscher Musik z. B. im Radio gibt. Umso mehr freut es uns natürlich, dass wir zu den fünf oder zehn Bands gehören, die noch regelmäßig gespielt werden.
Ein Grund dafür könnte auch sein, dass alle Eurer letzten Alben in den Top Ten der Charts gelandet sind. Woher nehmt Ihr die Kreativität, immer wieder so erfolgreiche Musik zu machen?
Inga Humpe: Vielleicht liegt es daran, dass wir nach unseren eigenen Bedürfnissen gehen. Wir machen das, was uns interessiert und gut gefällt. Damit wollen wir die Fans überraschen und ihnen eine Freude machen.
Tommi und Du, Ihr seid auch privat ein Paar. Hilft das beim Arbeiten, wenn man weiß, wie der andere tickt?
Inga Humpe: Das hilft bestimmt. Aber ich denke nicht, dass es so etwas Besonderes ist. Viele Paare arbeiten zusammen. Das war auch bei meinen Eltern so – und bei Tommys Eltern auch. Es funktioniert einfach super.
2raumwohnung feiert in diesem Jahr 10. Geburtstag. Wie sieht Dein Rückblick auf die letzten Jahre aus?
Inga Humpe: Überwiegend großartig! Es gab immer wieder Momente bei Live-Auftritten, die einfach bewegend waren, aber auch im Studio bei den Aufnahmen, wenn man merkte, dass etwas richtig gut klingt. Was ich auch nie vergessen werde, sind unsere Auftritte in der Schweiz. Die Schweizer machen immer so komische Geräusche, wenn sie eine Zugabe wollen. (lacht)
Und Dein Blick in die Zukunft?
Inga Humpe: Vielleicht machen wir zum 10. Geburtstag ein Best-of-Album. So etwas gibt es von uns noch nicht.
Vielleicht auch ein gemeinsames Projekt mit Deiner Schwester Annette?
Inga Humpe: Wir verstehen uns privat sehr gut, aber wir haben auch viel mit unseren eigenen Projekten zu tun – ich mit 2raumwohnung und sie mit „Ich + Ich“. Annette hat bei dem Song „Und ich dreh‘“ auf unserem aktuellen Album mitgeschrieben. Aber das private Band ist uns viel wichtiger. Wir müssen das nicht noch kommerzialisieren.
Wir freuen uns jedenfalls auf Euer Konzert in Lüneburg.
Inga Humpe: Danke, wir freuen uns auch schon. Und ich hoffe, dass wir ganz viele Lünepost-Leser dort sehen.
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