Lüneburg. Die Fußball-Oberliga Niedersachsen, die Heimat des Lüneburger SK, gerät zum wiederholten Mal ins Zwielicht. Dass der ehemalige Drittligist Kickers Emden pleite ist, wurde in dieser Woche offiziell und der Schuldenberg auf etwa drei Millionen Euro beziffert.Mit Eintracht Nordhorn hat es nun einen weiteren Pleiteklub erwischt. Auch wenn die offiziellen Bestätigungen vom Amtsgericht und Insolvenzverwalter noch ausstehen, besteht kein Zweifel daran, dass die Nordhorner sich um etwa eine halbe Million verhoben haben und die Lizenz für die Oberliga ab Sommer nicht erteilt wird. Und auch der TuS Heeslingen, 85 Kilometer von Lüneburg entfernt, musste vor drei Monaten strenge Untersuchungen der Steuerfahndung über sich ergehen lassen.Das gleiche Schicksal ereilte in der vorigen Woche den VSK Osterholz-Scharmbeck: Im Bremer Weser-Kurier berichtet ein VSK-Spieler von verschärften Hausdurchsuchungen und einer interessanten Mutmaßung der Steuerfahnder:
„Sie haben mir gesagt, dass Oberliga-Fußballer erfahrungsgemäß zwischen 800 und 2000 Euro im Monat erhalten.“Damit ist ein Stein ins Rollen gebracht worden, der zur gefährlichen Lawine in der Oberliga werden könnte. So gab der VSK-Präsident Jan Mackenberg per Presseerklärung bekannt:„Da man sich in Bezug auf die Entschädigung der Spieler in einer steuerlichen Grauzone bewegt, möchte der Vorstand zunächst eine eindeutige und klare Stellungnahme des Finanzamtes abwarten, um den Ansprüchen des Finanzamtes in punkto Spielerentschädigung gerecht werden zu können.“ Die Steuerfahndung hat damit eine Grundsatzfrage mit Sprengstoff in den Raum gestellt: Sind Oberliga-Fußballer Arbeitnehmer mit entsprechenden steuerlichen Pflichten oder Freizeitsportler? Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, hat die niedersächsische Steuerbehörde die Räumlichkeiten des VSK Osterholz und Privatwohnungen von aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitgliedern und Spielern durchsucht.
Wie ist die Situation in Lüneburg? Matthias Thomas, Manager des Landesligisten Eintracht Lüneburg, der am Saisonende als Zweiter über eine erfolgreiche Relegation in die Oberliga aufsteigen könnte: „Fakt ist, dass es aktuell keine Vertragsamateure bei uns gibt, somit keine Arbeitnehmer. Bei uns werden Aufwandsentschädigungen gezahlt. Vom Sozialversicherungsträger wird geprüft, ob es sich nicht doch um geringfügig Beschäftigte handelt. Bei uns ist alles sauber und korrekt.“Beim Lüneburger Oberligisten LSK Hansa, hervorgegangen aus dem Lüneburger SK, der sich seit elf Jahren in einer Insolvenz befindet, läuft laut Präsident Dietrich Conrad „alles über ein Steuerbüro, und ich rechne nicht damit, dass wir in den Blickwinkel des Finanzamts geraten“. Dennoch: In Heeslingen und Osterholz wundern sich einige – ebenso wie ein langjähriger LSK-Insider: „Unglaublich, dass die Pleite noch immer nicht abgewickelt wurde und der Insolvenzverwalter nicht verwertet, also das LSK-Sportgelände veräußert und die Gläubiger auszahlt.“









