Seit November 1978 lebe ich in Lüneburg und habe hier als ersten Winter somit die legendäre Schneekatastrophe 1978/79 erlebt. Dagegen sind die paar Flocken heutzutage zwar so gut wie nichts, aber der mediale (Schnee-)Sturm darüber kann sich trotzdem damit messen. Mit Freude habe ich vernommen, dass sogar die 1988 gekaufte Schneefräse nun nach 22 Jahren Wartungszeit erstmals zum Einsatz kam.
Eine dolle Kaufentscheidung kann das also damals nicht gewesen sein, denn in der Innenstadt kann man ja schlecht die Häuser damit beschießen und für Radwege ist das Gerät zu klein. Muss ja auch nicht sein: Der LZ entnahm ich, dass Lüneburg-Marketing-Chef Jürgen Wolf und LCM-Chef Heiko Meyer selbst handgreiflich wurden und die Innenstadt von dem geschäftsschädigenden Schnee befreien wollen. Das LZ-Foto vorigen Samstag zeigte die beiden gar beim eigenhändigen Schippen. Aber, Jungs, mal ganz unter uns: Wie lange habt ihr beide denn noch geschaufelt, nachdem der Fotograf weg war?
Freuen tun sich jedenfalls die Taxifahrer, denn die haben bei solchen Verhältnissen deutlich mehr zu tun als sonst. Und auch ich hab‘ mir ein Zubrot geschaffen: Ich lauf‘ durch die Gegend, schau, wo der Gehweg nicht gefegt ist, lass mich dort kräftig hinfallen und klingele dann beim Hausbesitzer mit der Forderung nach Schadensersatz. Demnach würde mir bei der St. Johanniskirche gar der ganze Opferstock gehören. Genau wie beim MTV die nächsten Spieleinnahmen.
Eine interessante Einnahmequelle meint auch der Lüneburger grüne Ratsherr Ulrich Blanck gefunden zu haben. Wir wissen, dass der Mwst-Satz für Hotelübernachtungen bundesweit von 19 auf 7 Prozent reduziert wurde. 5 der 7 Prozent sollen nach Blancks kommender Anfrage nun an die Stadt fließen.
Quasi als Bettensteuer oder als städtische Kurtaxe, mit der kulturelle Ausgaben bezahlt werden sollen. Langschläfer, Beischläfer und Schlafmützen könnten mit einer zusätzlichen Erhöhung rechnen, Schlaftablettenhersteller werden dafür subventioniert und Penner bekommen Sozialrabatt.
Ein nettes Erlebnis hatte ich auch im KVG-Bus: Ein Herr stieg vor mir ein und reichte dem Fahrer statt Fahrschein ein Papier. Darauf der Fahrer: „Was soll das? Das ist ja ein Schülerausweis!“ Trocken antwortete der ca. 50-jährige Herr: „Was kann ich denn für ihre Verspätungen?“ Ein kleiner Scherz am Rande, aber nicht für Stadtkoppel- & Goseburg-Bewohner. Die bekommen jetzt sogar ein Extra-Faltblatt, wie sie wo besser umsteigen, wenn sie nicht wie gewohnt mit Linie 5010 zum Bahnhof, sondern in die Innenstadt wollen: Bis 14 Uhr in die Linien 5009 oder 5013 steigen, ab Sande für die Weiterfahrt in die Goseburg ab 14 Uhr Linie 5005 bzw. 5003 oder 5200 nutzen, ansonsten 0815 rufen, einem Taxi 50x 10 Cent bieten oder Dr. Kawaschimas Gehirntraining nutzen.
Oder auf Kawasaki umsteigen. Denn noch eine Sau wurde durchs Dorf bzw. durch das verschneite Lüneburg getrieben: Die Harley-Davidson-Tage („Harley Days“) fallen dieses Jahr in Hamburg aus, eine alternative Anfrage der Veranstalter für deren Durchführung in Lüneburg wird nun geprüft. Doch wo sollen denn rund 70.000 Motorräder hin? Auf die dafür zu kleinen Sülzwiesen? Ich hör den BUND schon quengeln, dass nebenan im Sommer die weltweit einzige bemooste Schraubenlerche brütet. Und den Nachbarn des Flugplatzes sind ja jetzt schon die paar Starts und Landungen zu viel. Sollen da zu den Doppeldeckern nun auch noch Zweiräder kommen? Ein klares NEIN, der Mensch muss weg. Erst dann „is a Ruh“!
Ich bin nach meiner (Schlüsselbein-)Bruchlandung nur kurz über verschneite Wege in die Nachbarschaft, weil dort die Band Neugierig im MTV-Heim aufspielte. War ein schöner heißer Gig, leider mit etwas zu wenig Besuchern, aber mit eisiger Eisbar & Grill. Und weil die Location so gut passt, wird das Ganze sicher noch ein „Nachspiel“ haben. Die nächste Live-Band kommt bestimmt!








