Lüneburg/Soltau. Noch in diesem Jahr eröffnet das umstrittene Designer-Outlet-Center (DOC) in Soltau. Lediglich sechs solcher Center gibt es bisher in Deutschland, es wird daher eine Attraktion und wohl auch ein Besuchermagnet werden – zu Lasten des „Kaufhauses Lüneburg“, befürchten viele. Doch der Lüneburger Einzelhandel entwickelt Strategien, um Lüneburg zu stärken. Schon von der A 7 aus ist zu erkennen: Das neue DOC wächst und gedeiht. Etwa 100 Bauarbeiter setzen alles daran, die Fertigstellungstermine einzuhalten. Fünf der acht Heidehäuschen sind im Rohbau fertig, bei fünf der zehn großen Gebäude sind die Fertigteilkonstruktionen abgeschlossen, die ersten Außenfassaden sind bereits zu sehen. Bis Mitte Februar sollen bereits alle Rohbauten abgeschlossen sein. Im Vorfeld versuchten viele Interessensgruppen, die Ansiedlung des 13.500 qm großen Einkaufstempels mit rund 70 Shops zu verhindern – vergeblich. Dazu Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburg Citymanagements (LCM):
„Wir werden aber alles dafür tun, dass das DOC nicht später Stück für Stück erweitert wird – das ist nämlich immer der Fall bei diesen Centern.“ Natürlich sehe er Umsatzeinbußen auf die Lüneburger Händler zukommen, zumindest in den ersten zwei Jahren, dann würden die Kunden merken, dass es dort nur Ware vom Vorjahr gebe. „Dass das auch wirklich eingehalten wird, werden wir ganz genau überprüfen“, verspricht Meyer. „Wir richten uns noch stärker nach Hamburg aus, das ist unser Zukunftsmarkt“, erklärt Heiko Meyer eine der Strategien, um neue Kunden in die Hansestadt zu locken. Auch das „Kaufhaus Lüneburg“ solle gestärkt werden: „Ich möchte nicht mehr das Wort ‚Randlage‘ hören, die gibt es nicht mehr. Egal ob ‚Am Berge‘ oder Heiligengeisstraße, alles gehört zum ‚Kaufhaus Lüneburg‘“, erklärt der LCM-Mann. Genau das sei die Stärke Lüneburgs: Die vielen kleinen, besonderen Geschäfte, dazu die schöne Kulisse. „Lüneburg ist als Einkaufsstadt unschlagbar“, findet Heiko Meyer. Das werde man, in Zusammenarbeit mit der Lüneburg Marketing, noch besser bekannt machen.
Welche Maßnahmen genau beschlossen werden, könne er noch nicht sagen: „Das muss teilweise erst noch beschlossen werden.“ Ins gleiche Horn bläst Stefan Pruschwitz, Geschäftsführer der Lüneburg Marketing: „Wir müssen unsere Stärken, das tolle Ambiente und das besondere Sortiment im ‚Kaufhaus Lüneburg‘ bekannt machen. Dafür sind Werbekampagnen nötig, für die wir jetzt Budgets aufbauen müssen.“ Als Zielgebiet hebt er neben Hamburg und unserer Region auch den Einzugsbereich Uelzen hervor. Der Branchenmix des DOC Soltau ist festgelegt: 49% der Verkaufsfläche wird Mode (Bekleidung und Wäsche) ausmachen, 20% sind für Sport und Outdoor reserviert, der Bereich Schuhe/Leder soll 11% betragen. Den Rest teilen sich Wohnen (8%), Accessoires (5%), Gastronomie (4%) und Kinderbekleidung (3%). Es sind also nicht alle Branchen betroffen, so wird es z. B. keine Elektroartikel im neuen DOC geben. Andere in Lüneburg vorhandene Branchen, besonders Mode, Sport und Schuhe, trifft es jedoch stark. Wie sehen deren Vertreter den neuen Konsumtempel? Roland Riecken, Inhaber des Schuhhauses Wolterstädt, ist verärgert: „Ich habe angefragt, ob wir uns dort auch präsentieren können, um zu erwartende Umsatzeinbußen aufzufangen oder sogar neue Kunden für das Lüneburger Geschäft zu gewinnen“, erzählt er, „aber die wollen gar keine örtlichen Händler, sie haben ihr eigenes Portefeuille an Firmen, mit denen sie in allen Centern zusammenarbeiten.“ Das bestätigt DOC-Betreiber Thomas Reichenauer: „Unsere Partner sind nicht einzelne Händler, sondern die Hersteller von bestimmten Marken. Die Darstellung einzelner örtlicher Händler würde nicht ins Konzept passen.“ Der Geschäftsführer glaubt jedoch, dass es zu einem poblemlosen Nebeneinander von DOC und „Kaufhaus Lüneburg“ kommen werde.
„Lüneburg ist ja eine sehr attraktive Stadt, dort ist das Einkaufserlebnis ein anderes als in einem Outlet-Center. Außerdem“, so der Centerleiter, „wird es im DOC nie die gleiche Ware wie beim Händler geben.“ Lediglich Ware aus der vorigen Saison oder B-Ware mit kleinen Fehlern werde präsentiert. „Wir weisen darauf auch im DOC hin, verweisen sogar auf die örtlichen Händler“, sagt Rheinauer. Die in Soltau, versteht sich. Die Möglichkeit, sich im DOC zu präsentieren, hätte Heiko Westermann mit seiner Modemarke Roy Robson wohl gehabt. „Nein, wir gehen nicht nach Soltau, wir bleiben Lüneburg treu“, sagt der Geschäftsmann, „wir haben hier unseren Fabrikverkauf, werden mit unserem neuen Geschäft am Markt noch die Präsenz in der Hansestadt vertiefen.“ Er bedauert die Tatsache, dass Lüneburg nicht die Chance auf ein eigenes Outlet-Center ergriffen hat. „Die Schlieffenkaserne wäre ein geeigneter Standpunkt gewesen.“ Westermann ist überzeugt, dass sich Händler und Outlet „gegenseitig befruchtet hätten. Aber der Zug ist ja nun abgefahren“. Für seine Marke befürchtet er keinen spürbaren Einbruch: „Wir haben unsere Fangemeinde, die wird uns treu bleiben.“Rund 20% Verkaufsfläche werden in Soltau für Sport und Outdoor genutzt werden. „Ja, aber dort wird überwiegend Altware verkauft“, sagt Jens Reinhardt, Inhaber von Sport AS in Lüneburg, „die verkaufen wir zu genauso günstigen Preisen.“ Und die Angebote, die er bei der Ausrüstung von Vereinen, bei Sammelbestellungen, mache, seien genauso attraktiv. „Natürlich wird das DOC zumindest am Anfang spürbar sein, aber wir konzentrieren uns darauf, dass unser Geschäft hier in Lüneburg attraktiv bleibt, mehr können wir nicht tun.“ Oberbürgermeister Ulrich Mädge, hat seine strikte Ablehnung gegen das DOC stets deutlich formuliert. Nun, da es nicht mehr zu verhindern ist, fordert er den Einzelhandel „einmal mehr auf, die Herausforderung offensiv anzunehmen und den Wettbewerb nicht zu scheuen. Wir stehen zu unserem Kaufhaus Lüneburg“. Stefan Pruschwitz fasst die Stimmung zusammen: „In Lüneburg werden nicht die Lichter ausgehen. Aber wir sind gewarnt!“










