30 Jahre Looking for freedom

Lüneburg/Los Angeles. Zugegeben: Eigentlich war es nur ein Versuch, an einen der Helden meiner Kindheit heranzukommen. Da schien die anstehende Deutschland-Tour „30 Jahre Looking for freedom“ von David Hasselhoff (65) eine geeignete Gelegenheit. Mit dem sprechenden Auto K.I.T.T. in „Knight Rider“ oder mit roter Badehose und Rettungs­boje in „Baywatch“ hatte „The Hoff“ mich durch meine Jugend begleitet.

Nun kommt er im April u. a. nach Hamburg, Bremen und Braunschweig – da müsste doch etwas zu machen sein … Leider kein Interview möglich, heißt es vom Tourmanager, der Zeitplan sei zu eng gestrickt.

Damit war das Thema für mich (fast) erledigt. Doch die Sache bekam eine Eigendynamik. Ich könnte ja Fragen einschicken, die Hasselhoff per Mail beantworten würde. Zwar nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber immerhin. Kostet nichts und schaden kann es auch nicht.

Mehr als drei Wochen passierte gar nichts, dann ging alles ganz schnell: Am Dienstagmorgen kam eine Mail – aus Amerika! Hasselhoffs PR-Agentin bat um einen Anruf. Am Dienstagabend gab es das Gespräch: Statt eines schriftlichen Interviews wäre es doch besser zu telefonieren, schlug die Agentin vor.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Ganz genau wollte die Frau am anderen Ende der Leitung und der Welt wissen, was die LÜNEPOST sei und welche Fragen ich vorhätte zu stellen. Das Thema „Mauer“ sei wohl zu politisch. Lieber nicht, meinte die Agentin. „Wollen Sie nicht mehr Fragen zur Tour stellen?“ Klar, wollte ich auch. Sie würde jedenfalls versuchen, einen Telefontermin zu koordinieren.

Schon am nächsten Morgen, am Mittwoch, die nächste Mail: Noch an diesem Abend hätte David Hasselhoff Zeit für mich. Wow, das ging schnell. Um 21 Uhr ging der Anruf nach Los Angeles raus. Doch statt der Stimme von David Hasselhoff nur Warteschleifen-Musik. Wie sich hinterher herausstellte, hatte sich die Agentin mit den Zeitzonen vertan und mir einen falschen Termin genannt. Ärgerlich.

Doch am nächsten Tag gab‘s den zweiten Versuch: Um 18.03 Uhr (9.03 Uhr morgens in Los Angeles) stand die Verbindung: „Hallo Stefan, wie geht‘s Dir? Wo bist Du gerade?“, fragt „The Hoff“ – auf Deutsch! Ich bin in Lüneburg …

„Ich war schon oft in Hamburg, aber in Lüneburg leider noch nie“, sagte er – dann geht‘s auf Englisch weiter.

Lünepost: David, wie geht es Dir zwei Monate vor dem
Tourstart?
David Hasselhoff: „Ich bin ziemlich aufgeregt. Zum einen spielen wir in kleineren Hallen. Das bedeutet, es ist auch mehr Interaktion mit dem Publikum möglich. Wir werden zum Beispiel ein Mikrofon durch die Reihen gehen lassen und die Fans können mir Fragen stellen. Außerdem bin ich sehr auf das abgefahrene Bühnenbild mit riesigen LED-Bildschirmen gespannt. Und ich freue mich auf die Live-Band und die Background-Sänger, mit denen wir schon geprobt haben.“

Lünepost: Bereitest Du Dich schon auf die Tour vor?
David Hasselhoff: „Ich bin gerade zurück in Los Angeles, um meine Karriere hier wieder in die Gänge zu bekommen. Das ist meine aktuelle Mission. Da habe ich viele Eisen im Feuer. Aber ich arbeite natürlich auch an der Tour. Ich spreche jeden Tag mit meinem Musikdirektor Marcus Barone über Set, Proben und so. Wir kennen uns schon Jahrzehnte, er ist wie ein Bruder für mich.“

Lünepost: Was kannst Du dem Konzert-Publikum versprechen?
David Hasselhoff: „Ich will natürlich endlich mein neues Material vorstellen. Es ist wie gemacht für Deutschland, weil es auch viel mit meiner Verbindung nach Berlin zu tun hat. Ich habe mit Tyler Bates daran gearbeitet, der seit Jahren Musik für Marilyn Manson schreibt und den ich während der Arbeiten zum Film „The Guardians of the Galaxy 2“ kennengelernt habe. Es wird also bei den Konzerten in Deutschland einen neuen David Hasselhoff geben – plus viel aus 30 Jahren ,Looking for freedom‘. Jedes Konzert ist anders, aber eines kann ich für jeden Abend garantieren: Ich werde immer 110 Prozent geben!“

Lünepost: Der Titel „Looking for freedom“ ist nach 30 Jahren immer noch aktuell …
David Hasselhoff: „Richtig! Überall in der Welt gibt es Menschen, die auf der Suche nach Freiheit sind. Und ich möchte dem Publikum das bewusst machen, aber ich möchte den Fans auch Spaß bringen. Sie werden nach Hause gehen und sagen, dass ich ihnen an diesem Abend ein Stück ihrer Kindheit zurückgebracht habe.“

Lünepost: Wie klingt der neue Hasselhoff?
David Hasselhoff: „Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich auf die Bühne zurückkommen will. Herausgekommen ist ein neuer David Hasselhoff mit mehr Rock ‘n‘ Roll als früher. Ich war wirklich gespannt, wie das beim Publikum ankommt. Voriges Jahr bin ich beim ,Schlagerboom‘ in Köln aufgetreten – und das Publikum ist ausgerastet. (lacht) Stefan, das war völlig verrückt! Und es ist ein guter Kontakt zu Moderator Florian Silbereisen entstanden. Vielleicht machen wir ja sogar mal eine Platte zusammen. Mein neues Material ist cool und ich bin stolz und glücklich, dass die Fans es so annehmen. Es hätte ja auch ein Flop werden können …“

Lünepost: Warum kommst Du so gern nach Deutschland?
David Hasselhoff: „Deutschland ist für mich etwas ganz Besonderes: Ich habe 2017 u. a. in Finnland, Schweden, Holland und in der Slowakei gespielt. Aber dort bin ich der Mann aus dem Fernsehen mit dem One-Hit-Wonder ,Looking for freedom‘. Zu Deutschland und den deutschen Fans habe ich eine Art Liebesbeziehung, vielleicht auch wegen des Auftritts 1989 an der Berliner Mauer. Bei einem Konzert in München haben mir zu der Zeit einmal Kinder und Teenager Blumen gebracht. Es waren bestimmt 500 Stück. Am Ende des Konzerts war die ganze Bühne voll. Die Blumen sind zwar inzwischen verblüht, aber das Gefühl und die Liebe sind immer noch da. Und die Teenager von damals haben heute selbst schon Kinder – aber alle hören immer noch David Hasselhoff! (lacht) Das ist verrückt, aber macht mich echt stolz.“

Lünepost: Gibt es einen Unterschied zwischen deutschem und anderem Publikum?
David Hasselhoff: „Wenn ich singe, sind die Leute überall überrascht. (lacht) Ich habe in Maastricht zusammen mit André Rieu ein Konzert zum 30-Jährigen seines Johann-Strauss-Orchesters gegeben. Im Publikum saßen hauptsächlich ältere Leute und es hat sie umgehauen. Sie waren so überrascht: Hey, der Mann, der das Auto gefahren hat, kann ja singen!“

Lünepost: Worauf freust Du Dich bei der Tour am meisten?
David Hasselhoff: „Der Tour-Auftakt in Berlin und die Konzerte in Norddeutschland, vor allem in Bremen, sind besonders. Aus der Nähe von Bremen kommen schließlich meine Vorfahren …“

Lünepost: David, vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast.
David Hasselhoff: „Wir sehen uns hoffentlich in Hamburg, Stefan!“

Das war er also, der Held meiner Kindheit. Es war ein angenehmes und sympathisches Gespräch. Natürlich habe auch ich nicht vergessen, dass sein Auftritt in der TV-Show Promi-Big-Brother oder das Youtube-Video, in dem er mit freiem Oberkörper und völlig neben der Spur versucht, einen Cheeseburger zu essen, ordentlich am Image von „The Hoff“ gekratzt haben. Er scheint jedoch die Kurve gekriegt zu haben.

Und wer Fan von Hasselhoff war und/oder ist, der sollte die Tour besuchen. Es wird eine Reise – wenn auch nicht mit dem sprechenden Auto K.I.T.T., aber eine in die Vergangenheit …