Neue Pfleger braucht das Land

Pfleger mit Herz gesucht: Dagmar Gensch (oben, 2., v. r.) sucht händeringend neue Kollegen und Kolleginnen für ihr Team. Doch die Nachfrage nach Jobs in der Pflege und das Angebot an verfügbaren Kräften ist gering. Foto: rm

Landkreis. Stell Dir vor, Du bist krank oder alt und keiner ist da, um Dich zu pflegen. Diese provokante These könnte vielleicht schon bald real werden. Denn: „Der Markt an Pflegekräften ist leergefegt“, sagt Dagmar Gensch. Sie betreibt seit gut 20 Jahren den ambulanten Pflegedienst „Lüneburger Haus- und Familienpflege“ in Mechtersen.

Acht Mitarbeiter sind bei ihr als Alten- und Krankenpfleger beschäftigt. „Wir suchen aktuell wieder neue Mitarbeiter, aber es kommt keine Bewerbung“, so Dagmar Gensch.

Auch andere ambulante Pflegedienste sowie Senioren- und Pflegeheime machen diese Erfahrung. So etwa „Ihr Pflegeteam“ in Adendorf. Pflegedienstleitung Katja Hartfuß weist darauf hin, dass es gravierenede Folgen haben könnte, falls es keine neuen Pflegekräfte mehr gibt: „Bei bestimmten Versorgungsarten könnte es passieren, dass wir Klienten nicht mehr annehmen können“, so Hartfuß.

Beim DRK-Ortsverein Lüneburg konnten bislang zwar alle Stellen besetzt werden, aber auch hier macht Geschäftsführerin Sabine Reckermann die Erfahrung: „Es wird immer schwieriger, Personal zu finden.“

Im Domicil Seniorenpflegeheim in Lüneburg ist die Situation noch nicht ganz so dramatisch, sagt Einrichtungsleiterin Katja Putensen: „Hier in Lüneburg bekommen wir sogar Initiativbewerbungen, aber unsere Einrichtungen in den Großstädten suchen auch immer wieder Personal.“

In ganz Niedersachsen, so erfuhr diese Woche die Lüneburger Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden, sollen mehr als 4000 Pflegerinnen und Pfleger fehlen.

1172 offene Stellen gebe es aktuell im Krankenpflegebereich, sogar 2855 in der Altenpflege. Das ergab eine Anfrage Verlindens an die Bundesregierung.

„Diese Zahl halte ich für viel zu niedrig“, beurteilt Dagmar Gensch. Der Plan, deutschlandweit 8000 neue Pfleger einzustellen, reiche lange nicht aus, das sei allerhöchstens ein winziges Tröpfchen auf einem viel zu heißen Stein. Die Bundestagsgrünen sehen es ähnlich. Sie haben zwei Pflege-Sofortprogramme in den Bundestag eingebracht, in denen sie zusätzlich insgesamt 50.000 Pflegefachkräfte für die Alten- und Krankenpflege fordern.

Doch die Nachfrage nach Pflegestellen ist überschaubar, wie Dr. Julia Verlinden außerdem erfahren hat. Mehr zum Thema steht in der LÜNEPOST vom
12./13. Mai 2018.