Abgelenkt am Lenkrad

Erwischt: Oberkommissar Andreas Schulz verwarnt an der Hamburger Straße in Lüneburg einen Verkehrssünder. Foto: sst

Lüneburg. Mit dem Smartphone in der Hand steuerte ein Mann am Donnerstag, 20. September, um kurz nach 12.30 Uhr sein Auto in Lüneburg stadteinwärts über die Hamburger Straße. Dabei fuhr er an einem Pärchen vorbei, das am Straßen stand. Er dachte sich nichts dabei. Was er nicht wusste: Bei dem Pärchen handelte es sich um Polizisten in Zivil.

Bundesweit gab es am Donnerstag Kontrollen. Dabei hatten die Ordnungshüter vor allem ein Auge auf abgelenkte Autofahrer – und in Lüneburg schon nach wenigen Minuten den ersten erwischt. Die zivilen Beamten funkten ihre uniformierten Kollegen an, die den Autofahrer in Höhe des Autohauses B&K aus dem Verkehr zogen. 100 Euro musste er zahlen.

Immerhin: Er war sich seiner Schuld bewusst und einsichtig. „Das geschieht mir recht“, brummte er.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, sagt Verkehrssicherheitsberater Martin Schwanitz von der Polizei, „und einige Menschen denken leider erst darüber nach, wenn sie empfindlich bestraft worden sind.“ Der erste Sünder bleibt bei dieser Kontrolle nicht der einzige. Manche telefonieren mit dem Handy in der Hand, andere tippen. Sie alle werden von den Ordnungshütern zur Kasse gebeten.

„Das Unfall-Risiko durch abgelenkte Autofahrer ist extrem hoch“, weiß Schwanitz, „aber auch viele Radfahrer unterschätzen die Gefahr von Ablenkung.“

Insgesamt zählte die Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen an diesem Tag 48 Verstöße. Dazu ahndeten die Beamten 85 Ordnungswidrigkeiten – vor allem Gurtmuffel gingen der Polizei ins Netz. Eine Sünderin versuchte in der Hamburger Straße noch, sich im letzten Moment anzuschnallen. Das war allerdings schwierig mit einer Zigarette in der einen und einem Kaffee in der anderen Hand. Der Kaffee flog durchs Auto und um die Strafe kam die Frau trotz allem nicht herum.

Bereits am Dienstag konnten Schüler der Berufsbildenden Schulen Lüneburg einmal die Erfahrung machen, wie schwer es ist, sich gleichzeitig auf die Straße und aufs Handy zu konzentrieren.

Mit einem Kettcar sollten sie einen Parcours absolvieren, während sie ein Handy in der Hand halten. „Das Fazit der Schüler, die mitgemacht haben und später den Rundkurs noch einmal ohne Handy ausprobierten: Das geht viel besser“, weiß Polizeisprecherin Antje Freudenberg.

Die aktuellen Kontrollen im Rahmen der Aktion „sicher.mobil.leben“ waren angekündigt. Die Polizei wird in Zukunft aber auch unangekündigt kontrollieren.