Bardowick. Europapokal – im Fußball elektrisiert allein der Begriff. Eine Nummer kleiner ist der Wettbewerb aber auch im Faustball ein attraktives Ziel für jeden Sportler. Entsprechend groß ist die Freude bei Mats Hermanns: Für den 13-jährigen Spieler des TSV Bardowick geht es am Wochenende zum Jugend-Europapokal in die Schweiz.
Dort trifft er mit Niedersachsens U14-Team auf andere Regionalauswahlen. Sachsen und Schwaben stellen zwei weitere deutsche Vertreter, dazu kommen Mannschaften aus der Schweiz, Österreich und Italien.

Hermanns ist Teil einer Familie mit viel Faustball-Leidenschaft: Die Eltern spielten in Erst- und Zweitliga-Teams, ein Onkel war Nationalspieler. „Ich bin eigentlich auf dem Faustballplatz aufgewachsen”, sagt er lachend. Im Alter von vier Jahren begann er selbst mit der Sportart, 2019 wurde er mit der U12 des TSV Bardowick deutscher Vizemeister.
Danach stand er auch bei Bundestrainer Hartmut Maus auf dem Notizzettel: „Ich war schon für den Bundeslehrgang im vergangenen Jahr nominiert. Dort geht es um die fünf Plätze im Jugend-Nationalkader. Der Lehrgang ist dann leider wegen Corona ausgefallen.”
Jetzt also der Start mit der Niedersachsen-Auswahl in der Schweiz. Nach einem Lehrgang in Düdenbüttel nahe Stade kam von den Landestrainern Merlin Sommer und Holger Harnack die frohe Botschaft in Form der Nominierung. „Dort waren die besten Spieler aus Niedersachsen. Deshalb habe ich mich natürlich gefreut, dass ich zur Auswahl zähle und in der Schweiz dabei sein darf.” Was die Trainer überzeugte? „Ich spiele ja schon sehr lange und habe die Technik früh gelernt. Der Trainer hat gesagt, dass er mich auf eine Position stellt, wo man diese Technik gut einsetzen kann.” Zur Erfahrung kommt auch eine variable Einsetzbarkeit: „Im Verein spiele ich meist im Angriff, beim Lehrgang war ich in der Abwehr. Der Trainer wusste also, dass ich auch in den Angriff rücken kann, wenn dort jemand ausfällt.”

Für Hermanns ist der Start in der Schweiz etwas Neues: „Das ist mein bislang größtes Turnier. Gegen andere internationale Mannschaften zu spielen, ist ein besonderer Ansporn.” Während die Stärke der deutschen Teams – auch aufgrund der regelmäßigen Erfolge bei den Europa- und Weltmeisterschaften in der U18 und bei den Erwachsenen – gut einzuschätzen ist, wartet mit den Teams aus der Schweiz und Österreich Neuland: „In der Jugend weiß man nicht, ob die Teams aus diesen Ländern anders spielen oder ob sie den gleichen Spielstil haben”, ist Hermanns gespannt.

Auch sonst wird das Turnier eine völlig neue Erfahrung. Bislang waren Turniere um die Deutsche Meisterschaft Hermanns hochkarätigste Erfahrung. „Dort spielt man mit dem eigenen Verein und den Jungs, mit denen man schon jahrelang eingespielt ist. In der Auswahl gab es jetzt nur ein Training beim Lehrgang”, blickt er auf das neu zusammengestellte Team. Dazu kommt der ungewohnte Aufwand. 840 Kilometer sind es von Lüneburg bis ins schweizerische Elgg, wo das Turnier am Samstagvormittag startet. „Europapokal ist einfach etwas Besonderes. Mir macht es Spaß, weit zu fahren und dann dort zu spielen”, schreckt ihn die Tour nicht ab. Auch der Rahmen verspricht internationales Flair: „Bisher waren die Turniere meist nicht so weit entfernt, dass man hätte übernachten müssen. Und wenn doch, dann waren wir meist in Schulen oder Jugendherbergen untergebracht. In der Schweiz übernachten wir in einem Hotel in der nahegelegenen Stadt Winterthur”, freut sich Hermanns. Die Rückkehr ist für den frühen Montagmorgen geplant – machbar nur dank einer Freistellung in der Schule.

Und vielleicht gibt’s dann ja auch noch trainingsfrei. Denn der Montag ist für Hermanns meist ein sehr sportlicher Tag – im doppelten Sinn: Erst gibt’s in der Schule eine Doppelstunde Sport, dann geht es zum Faustball-Training. Und gleich danach folgen für den 13-Jährigen noch eine Trainingseinheit mit seinem Fußballteam des Ochtmisser SV, duschen sowie am Ende des Tages ein Stapel Hausaufgaben. Wie beim Faustball trainiert er auch mit den U15-Fußballern zweimal pro Woche. Dazu kommen die Spiele am Wochenende. Hier wird auch ein Unterschied zwischen den Sportarten deutlich: „Im Fußball gibt es viele Mannschaften vor Ort, da geht es höchstens mal bis nach Uelzen. Im Faustball ist der TSV Bardowick der einzige Verein in der Region, die nächsten sind in Walsrode und Stade. Deshalb spielen wir die Spieltage auch in Turnierform mit mehreren Partien an einem Tag.”
Die Sportart mit weniger Aktiven habe damit zwar den Entfernungs-Nachteil, aber: „Im Faustball sind viele Spieler seit der frühen Jugend dabei. Da kennt man sich gut und es gibt eine engere Bindung innerhalb der Sportart.” Und noch einen Vorteil sieht Hermanns beim weniger verbreiteten Faustball: „Dadurch ist es einfacher als beispielsweise im Fußball, sportliche Erfolge zu erreichen.”

Solche Erfolge hat der junge Ochtmisser weiter im Blick: „Mit der Mannschaft des TSV wollen wir wieder dahin kommen, wo wir mal waren. Dazu, wieder um den Meistertitel mitzuspielen, fehlt uns derzeit einiges. Ich selbst möchte mich gern weiter in der Auswahl behaupten, um nächstes Jahr wieder dabei zu sein.” Das Turnier in der Schweiz ist dafür eine gute Ausgangsbasis: Auch der Bundestrainer wird zuschauen. „Er hat mich ja noch von der Nominierung vor zwei Jahren auf dem Zettel”, hofft Hermanns darauf, auch diesmal einen guten Eindruck zu hinterlassen.