Bardowicker Faustballerin trotz Verletzung im WM-Kader

Voll fokussiert: Eine Knochenabsplitterung zog sich Michaela Grzywatz beim Nominierungslehrgang zur Faustball-WM zu. Einen Platz im Kader hat sie dennoch ergattert. Foto: DFBL/Schönwandt

Bardowick. Faustballerin Michaela Grzywatz hat eine ziemlich heftige Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich. Die Bundesligaspielerin vom TSV Bardowick war von Bundestrainerin Silke Eber zum Nominierungslehrgang der Nationalmannschaft ins hessische Langen eingeladen – doch schon am ersten Tag schien ihr Traum von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu platzen.

Ein falscher Schritt, ein stechender Schmerz – es passierte in der ersten Trainingseinheit: „Da habe mich bei einer simplen Ballannahme verletzt“, berichtet Grzywatz, „ich muss beim Rückwärtslaufen in ein Loch getreten sein und bin gestürzt.“

Ans Aufstehen war nicht zu denken: „Mein Kreislauf ging in den Keller, unsere Physiotherapeutin kam angerannt. Da dachte ich gleich, das war‘s! Erste Trainingseinheit und gleich eliminiert.“ Im Krankenhaus folgte die bittere Diagnose: „Absprengung am Mittelfußknochen. Ich muss zwei Wochen einen Spezialschuh tragen.“

Geknickt reiste Michaela Grzywatz zurück nach Bardowick. Doch die Laune besserte sich deutlich, als am Dienstag eine E-Mail von Bundestrainerin Silke Eber in ihrem Postfach landete:

„Als ich da meinen Namen auf der Nominierungsliste gesehen habe, da war ich schon geplättet.“ Dass die Trainerin des Titelverteidigers die Bardowickerin trotz ihrer Verletzung den Konkurrentinnen vorzog, kam total überraschend: „Alle Mädels haben beim Lehrgang tolle Leistungen gezeigt und jede hätte es verdient gehabt, zur WM zu fahren“, sagt die TSV-Faustballerin, die mit der Teamchefin nun in ständigem Kontakt steht.

„Man weiß noch nicht genau, wie lange es dauern wird – aber ich habe noch sieben Wochen bis zur WM, um wieder fit zu werden“, gibt sich die 24-Jährige kämpferisch. Und wenn nicht? „Falls es nicht klappt, dann werde ich der Bundestrainerin rechtzeitig Bescheid geben, damit sie jemanden nachnominieren kann.“

Vier Wochen haben die beiden miteinander verabredet. „Falls ich dann nicht fit bin, übernimmt meinen Platz im Kader Sarah Reinecke aus Ahlhorn.“

Erst einmal wird Michaela Grzywatz nun aber alles dransetzen, dass es klappt mit ihrer ersten WM-Teilnahme. Schließlich geht es nicht nur darum, im österreichischen Linz den Titel zu verteidigen, sondern auch darum, Teil des bisher größten Events in der Geschichte des Frauenfaustballs zu sein.

Erstmals werden 14 Nationen von vier Kontinenten um Plätze und Medaillen spielen. Extra für die WM wird ein Stadion mit 2500 Plätzen aus dem Boden gestampft, tausende Tickets für die fünf Turniertage sind schon verkauft, das TV überträgt live.

„Die WM wird super-organisiert sein“, ist Michaela Grzywatz sicher, „das wird eine riesige Veranstaltung mit vielen Ländern, in denen der Faustballsport bisher noch nicht so groß ist.“ Neuseeland, Polen und Belgien sind erstmals dabei. „Gerade mit denen wird vor und nach den Spielen das Familiäre, das ja den Faustball auszeichnet, im Vordergrund stehen“, glaubt die Bardowickern.

Die 24-Jährige sagt aber auch: „Wir wollen natürlich Spaß haben, legen den Fokus aber ganz klar auf die Titelverteidigung. Wir wollen das Triple schaffen!“ Wer den Ehrgeiz von Michaela Grzywatz kennt, der kann sicher sein, dass sie alles dafür geben wird, um schnell gesund zu werden und in Österreich mit auf dem Siegertreppchen zu stehen …