Barskamp. Es ist starker Tobak, der am Montag als Pressemitteilung die Lüneburger Redaktionen und damit auch die Lünepost erreichte. Auf offiziellem Papier des Umweltverbandes BUND werden heftige Vorwürfe gegen die Bleckeder Stadtverwaltung um Bürgermeister Dennis Neumann erhoben. „Bebauungsplan mit Geschmäckle – Altlasten im Untergrund?” ist das Schreiben betitelt. Verfasst hat es BUND-Mitglied Bernhard Stilke, verschickt wurde es von der Regionalvorsitzenden Elbe-Heide, Elisabeth Bischoff.

Filetstücke gesichert?

Es geht um das idyllische Baugebiet „Klevergarten” mit 20 Bauplätzen im Ortsteil Barskamp. Die Vorwürfe: Gebaut werden soll laut BUND auf einer alten Mülldeponie aus der Nachkriegszeit. Zwei der Grundstücke soll sich bereits eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gesichert haben, Verfasser Stilke spricht sogar von den „Filetstücken”. Zudem würde Bürgermeister Neumann die Einsicht in die Akten verweigern.

Bürgermeister fassungslos über Vorwürfe

Angesprochen auf die recht krassen Vorwürfe, reagiert Bürgermeister Neumann geradezu fassungslos: „Jemand kann einen einfach mit Mist bewerfen und es bleibt immer etwas hängen, obwohl überhaupt nichts davon wahr ist!“, schimpft er. „Da soll eine Verwaltung mal wieder als korrupt hingestellt werden. Das ist etwas, womit wir nahezu jeden Tag zu kämpfen haben.“

Tatsächlich seien viele der Grundstücke schon länger für jeden zu erwerben gewesen – schon seit 1969 existiere laut Neumann ein entsprechender B-Plan. Jetzt sei nur ein neuer Aufstellungsplan erarbeitet worden, auch, um den geänderten Bedürfnissen von Bauherren gerecht zu werden. Denn riesig sei der Andrang nicht. Neumann: „Hier bei uns ist es nicht so wie in Lüneburg, wo auf jeden Bauplatz viele Bewerber kommen.“ Im Bleckeder Neubaugebiet Neulanden seien z. B. noch immer Plätze frei.
Zur möglichen Vorteilsnahme einer Mitarbeiterin sagt der Verwaltungschef: „Die Grundstücksvergabe ist überhaupt noch gar nicht gestartet, weil der neue aufzustellende Bebauungsplan noch in der Aufstellung ist.” Es lägen für die Flächen, die durch die Stadt von zwei Landwirten und den Zeugen Jehovas angekauft wurden, noch überhaupt keine Reservierungen oder gar Zusagen vor. Und außerdem: „Die Mitarbeiterin hat im südlichen Bereich eine Fläche erworben, die nichts mit den neu angekauften Flächen zu tun hat und die auch einem anderen Eigentümer gehörte.”

War dort früher eine Deponie?

Zum Thema Ex-Deponie sagt Neumann: „Die Fläche ist mit einer Vorbemerkung ‚Altlastenverdachtsfläche’ belegt. Wir stehen dazu in einem guten Austausch mit dem Landkreis und werden bewerten, wie wir mit der Thematik umgehen. Klar wird am Ende sein, dass die Flächenerwerber eine ordnungsgemäße Baufläche übertragen bekommen.”
Und hat er, wie vom BUND geschrieben, Akteneinsicht verhindert? „Jeder, der ein berechtigtes Interesse hat und dieses Interesse nachweisen kann, bekommt Akteneinsicht in die Unterlagen. Das ist geltendes Verwaltungsrecht und darüber kann und will sich niemand hinwegsetzen. So hat der BUND sämtliche Unterlagen für das Verfahren erhalten und sogar als Serviceleistung den Ursprungsbebauungsplan. Insofern ist der Vorwurf nicht gerechtfertigt.” Es gebe aber auch Vorgänge, in die aus bestimmten Gründen, zum Beispiel dem Schutz des Einzelnen, keine Einsicht gewährt werden müsse.

Bürgermeister schaltet Anwalt ein

Für den Bleckeder Rathauschef ist die ganze Angelegenheit ein großes Ärgernis. Er behält sich nun vor, sich mit anwaltlicher Hilfe gegen die Vorwürfe wehren – vor allem auch, um seine vom BUND kritisierte Mitarbeiterin zu schützen.

Beim BUND sieht man dem gelassen entgegen: Auf Nachfrage antwortet die Vorsitzende Elbe-Heide, Elisabeth Bischoff: „Die Fakten haben unsere Ehrenamtlichen vor Ort so recherchiert. Wenn etwas daran falsch sein sollte, kann das der Bürgermeister ja klarstellen.“

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