Lüneburg. Seit Herbst 2021 schwelt ein Streit zwischen dem Altenheimbetreiber Dorea Familie und der Hansestadt Lüneburg. Damals hatte die Stadt eklatante Mängel beim Brandschutz im Wohnpark Alte Saline festgestellt. Ein Großteil der knapp 100 Bewohner mussten ausziehen. Es kam sogar zu Handgreiflichkeiten zwischen Angehörigen und Vertretern des Berliner Betreibers (LP berichtete).

Nun zündet Dorea die nächste Eskalationsstufe: „Es ist kein Ende der Bauarbeiten abzusehen, die im Haus durch den Eigentümer durchgeführt werden“, klagt Geschäftsführer Stephan Demmerle. „Wir haben uns daher entschieden, den Pachtvertrag zu Ende August 2022 außerordentlich zu kündigen.“ In rund acht Wochen müssen dann auch die verbliebenen Bewohner ihre Zimmer geräumt haben. Laut Betreiber sind es überwiegend Demenzerkrankte.

„Als Pächter und Betreiber haben wir seit acht Monaten das Nachsehen“, bittet Demmerle um Verständnis, „eine Senioreneinrichtung mit nur 35 Bewohnern lässt sich nicht wirtschaftlich führen. Monatlich verbucht der Wohnpark hohe finanzielle Verluste.“ Zudem sei auch die Räumung des derzeit noch bewohnten Erdgeschosses nicht mehr auszuschließen gewesen. Den Mitarbeitern im Wohnpark Alte Saline wurden am Montag „berufliche Alternativen in der Dorea-Familie“ angebotenen. „Auch die Änderungskündigungen lagen schon parat“, sagt eine Betroffene gegenüber der LP. Die verbliebenen Senioren will man bei der Suche nach einem alternativen Pflegeplatz unterstützen, sagt Dorea.

Im Rathaus hat man kein Verständnis für das Verhalten des Pflegeunternehmens: „Für die Bewohner und ihre Angehörigen ist diese Entscheidung des Unternehmens wirklich tragisch“, sagt Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. „Ich kann die Betreiberin nur auffordern, alle Vorgaben für eine ordentliche Kündigung zu erfüllen und ihren Pflichten im Sinne der ihr anvertrauten Menschen nachzukommen.“

Edda Hermann-Lichtenberg von der städtischen Heimaufsicht: „Um eine ordnungsgemäße Abwicklung sicherzustellen, benötigen wir unverzüglich einen entsprechenden Maßnahmenplan, der die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner bis zur Einstellung des Heimbetriebs sicherstellt. Bisher haben wir dazu keine Informationen erhalten.“