Brutale Prügelei auf Video

In Handschellen: Der Angeklagte Ramadan A. sitzt seit Sommer 2018 in Untersuchungshaft. Die ihm vorgeworfene Tat ist auf einem Überwachungsvideo zu sehen – unklar ist jedoch, warum es dazu kam. Foto: be

Lüneburg. Es sind brutale Szenen, die am Mittwoch, 6. Februar, über den Flatscreen in Saal 21 des Lüneburger Land­gerichtes flimmern. Auf Bildern von Überwachungskameras ist am Bildrand zu erkennen, wie eine blonde Frau mit einer Männergruppe diskutiert.

Dann, aus dem Blickwinkel einer zweiten Kamera, fliegt ein dunkelhäutiger Mann über einen Metallbügel.

Als er am Boden liegt, wird er von einem anderen, der Hautfarbe nach ein Deutscher, mehrfach und brutal mit Fäusten ins Gesicht geschlagen. Regungslos bleibt das Opfer liegen.

Dann, ganz plötzlich, kommt ein weiterer Dunkelhäutiger mit Baseball-Cap ins Bild, der dem mittlerweile selbst zu Boden gegangenen Schläger etwas ins Gesicht schleudert. Auch ein anderer, kräftiger Mann wird von etwas getroffen, anschließend schleudert der Werfer einen Gegenstand gegen ein Schaufenster. Danach verschwindet die Männergruppe, teils torkelnd.

Der dünne Deutsche liegt ohnmächtig auf dem Boden, sein dicker Begleiter irrt ziellos umher – und die Blondine vom Anfang kümmert sich um den Verletzten.

Gut ein halbes Jahr nach dem Vorfall sitzt die Frau am Mittwoch, 6. Februar, im Zeugenstand vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts um Richter Franz Kompisch.

Angeklagt ist Ramadan A.. Er soll bei dem Streit Pflastersteine geworfen und einen Kontrahenten schwer verletzt haben (LÜNEPOST berichtete).

Die im Video noch langen blonden Haare von Sabine R. sind mittlerweile dunkel gefärbt. Gefragt nach dem Auslöser und nach Details der Ausein­andersetzung sagt sie immer wieder einen Satz: „Daran kann ich mich nicht erinnern.“

Richter Kompisch und die Verteidigerinnen Gabriele Heinecke und Fenna Busmann wollen ihr das nicht abkaufen: „Da passiert ihnen so etwas – und sie wissen nicht mehr, was gesagt wurde oder warum es zum Streit kam?“, fragen sie immer wieder ungläubig.

Es wird ein langer Prozess. Mehr dazu steht in der LP-Ausgabe vom 9./10. Februar 2019.