Bund lässt immer noch Häuser vergammeln

Mieterfrust, feuchte Keller und stückwerk bei der Renovierung: In vielen Häusern des Bundesunternehmens BImA gibt es einen Sanierungsstau. Mieter bemängeln, dass das Unternehmen für sie nicht erreichbar sei und Schäden nicht repariert werden. Foto: grm

Lüneburg. „Seit Oktober 2019 steht das Nachbarhaus leer“, ist die Anwohnerin der Gorch-Fock-Straße fassungslos. Im Lüneburger Stadtteil Moorfeld gibt es viele ähnliche Fälle – und viel Ärger über den Vermieter, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).
Seit mehreren Jahren sind die Sorgen der Anwohner ein Thema. Zentrale Vorwürfe: Die BImA kümmere sich nicht um die Häuser und sei für die Mieter nicht erreichbar. Schon 2015 griff die Lünepost das Thema auf, 2021 dann erneut. Da hatte die Bundesanstalt die Verwaltung gerade wieder selbst übernommen, nachdem es zuvor mit einem beauftragten Unternehmen nicht geklappt hatte.

Es hat sich nichts getan

Geändert hat sich nichts: 2023 sind Ärger und Probleme immer noch groß. „Vor einem Jahr haben wir zuletzt von der Hausverwaltung gehört. Dort geht niemand ans Telefon, auch per E-Mail gibt es keine Antwort“, klagt Mieter Nils Brandl. „Manchmal heißt es auch: ‚Der Sachbearbeiter arbeitet nicht mehr hier.‘” Brandl ist frustriert: „Ich will einen Sichtschutzzaun bauen, kriege aber keine Rückmeldung. Die BImA sagt, der Zaun soll für die ganze Häuserreihe einheitlich werden – aber nichts passiert!“ Damit nicht genug: „Der Sturm hat bei Nachbarn einen Baum umkippen lassen, seitdem gibt es gar keinen Zaun mehr. Und der Maschendrahtzaun fällt schon auf den Gehweg …“

Auch anderswo gibt es Kritik bei den Anwohnern: „Fast alle haben Wasser an den Fenstern und Feuchtigkeit in den Kellern.“ Von ihrem Vermieter fühlen sich die Mieter im Stich gelassen: „Wir hören nur Gerüchte.“ Aktuell im Umlauf: „Angeblich sollen die Kellereingänge verschlossen werden. Aber dann kriegt man keine Waschmaschine und andere Sachen mehr rein oder raus“, sorgt sich Mieter Nils Brandl.

Politiker schaltet sich ein

Dass trotz vieler Anfragen nichts passiert, ärgert auch Bundestagsmitglied Jakob Blankenburg. „Ich war schon 2021 vor Ort, seitdem hat sich nichts verbessert.“ Was ihn empört: „In Lüneburg gibt es massive Wohnungsnot und die Preise steigen ins Unermessliche. Da kann es nicht sein, dass ausgerechnet die öffentliche Hand 50 Immobilien leer stehen lässt!“ Er kritisiert: „Die Politik macht den privaten Vermietern gern Vorschriften, aber unser eigenes Unternehmen ist kein Vorbild.“ Der SPD-Politiker fordert: „Die BImA muss ein vorbildlicher Vermieter und Garant für gutes Wohnen sein!“

BImA-Vertreter sollen Rede und Antwort stehen

Blankenburg hatte sich im Herbst 2022 an die BImA gewandt, beim Unternehmen mit Sitz in Bonn erneut Druck gemacht. Wie weit die vom Unternehmen schon 2021 zugesicherten Maßnahmen vorangekommen seien, wollte er wissen.
Dr. Christoph Krupp, Sprecher des BImA-Vorstands, räumte in seiner Antwort ein: „Der Gebäudebestand weist weiterhin einen signifikanten Sanierungsstau auf.“ Aber: Derzeit werde an 30 Projekten in Lüneburg gearbeitet. So würden in der Klaus-Groth-Straße drei große Blöcke komplett saniert. Das bestätigen die Anwohner nur in Teilen: „An einem Haus wird seit neun Monaten gearbeitet. Immer mal wieder sind Handwerker kurz da, aber auch schnell wieder weg“, sagt Nils Brandl.

Bald soll es weitergehen

Vorstand Krupp räumte gegenüber Blankenburg Probleme ein: „Bei der Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen ergeben sich aufgrund der aktuellen Marktlage und Besonderheiten in der Bausubstanz immer wieder Verzögerungen.“ Ziel der BImA: Bis Februar sollen sechs Häuser neu vermietet werden können, außerdem „zwölf Wohnungen in der Klaus-Groth-Straße fertiggestellt und neu bezogen“ werden. Zwei Wochen bleiben der Bundesanstalt noch.
Jakob Blankenburg: „Ich habe die BImA-Vertreter jetzt nach Lüneburg eingeladen. Sie sollen sich dem Gespräch mit den Anwohnern stellen.“ „Die können gern herkommen“, sagt Mieter Brandl. Er hat resigniert: „Ich will einfach nur ein Okay für einen Sichtschutzzaun, bezahle ihn auch selbst …“

Immerhin: Als die Lünepost vor Ort ist, wird an einem Eckhaus gearbeitet. Handwerker haben eine Terrasse neu angelegt, dichten einen Keller ab. „Es liegt nicht an uns, nicht an der BImA“, sagt ein Mitarbeiter der ausführenden Firma – „es fehlen schlicht die Handwerker, um solche Projekte umzusetzen.“ Zumindest ein wenig Hoffnung macht er den Mietern: „Wenn das Frühjahr kommt, können wir uns die Häuser mit mehr Kollegen vornehmen, dann schaffen wir auch fünf, sechs in kurzer Zeit.“

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