„Casting-Shows? Nichts für mich!“

Ehrgeizig und selbstbewusst: Miss Allie nimmt ihre Musiker-Karriere von Beginn an selbst in die Hand.

Lüneburg. Miss Allie ist längst eine feste Größe in der Lüneburger Musiklandschaft und hat zahlreiche Singer/Songwriter-Wettbewerbe gewonnen. In der kommenden Woche erscheint nun ihre erste CD „This is Why!“. Fragen an eine junge Frau, die weiß, was sie will.

Lünepost: Miss Allie, gerade erscheint Deine erste CD. Was erwartet uns als Zuhörer?
Miss Allie: „Das Album beinhaltet zwölf Songs, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt. Ich war zum Beispiel von 2011 bis 2013 auf Reisen in Australien, Neuseeland und Indonesien – einige Songs handeln von Begegnungen in dieser Zeit. Ich habe viel Arbeit in ‚This is Why!‘ gesteckt und alle Songs darauf sind sehr wichtig für mich. Das ist meine erste Album-Produktion und ich habe viel dabei gelernt. Live bin ich ja meist nur mit meiner Akustikgitarre unterwegs. Auf dem Album gibt es auch andere Instrumente wie Klavier, Percussion oder auch mal Bass und Drums zu hören. Ich bin sehr gespannt, wie es ankommt.“
 
Lünepost: Eine CD in Zeiten von Spotify und iTunes? Lohnt sich das noch?
Miss Allie (lacht): „Ich habe ja meine Masterarbeit über Singer-Songwriter im 21. Jahrhundert geschrieben – das digitale Zeitalter und seine Besonderheiten sind mir also wohlbekannt. Auch wenn digital immer stärker wird: Eine CD, die man in den Händen halten kann, die ein liebevoll gestaltetes Booklet und kleine versteckte Nachrichten enthält, ist für Fans und Musikliebhaber immer noch ein Muss. Für mich ist mein Album auch ein Muss. Ich habe es komplett selbst gestaltet. Das war irre viel Arbeit, hat aber auch mega-viel Spaß gemacht.“
 
Lünepost: Eine junge Kulturwissenschaftlerin macht sich auf den Weg, die Musikwelt zu erobern – und das in Zeiten des Niedergangs der Musikindustrie.
Miss Allie: „Ha! Gerade jetzt ist es eine super Zeit, da raus zu gehen und die Welt zu erobern! Früher hatten Musiker nur wenig Chancen, gehört oder wahrgenommen zu werden. Diese Barrieren weichen jetzt auf. Als unabhängige Künstlerin stehen mir alle Türen offen: Ich mache nicht nur die Musik, sondern auch alles andere selbst. Booking, Website, Werbung, Design, einfach alles. Dazu brauche ich kein großes Musikunternehmen, das mir im schlimmsten Fall die Rechte an meinen eigenen Songs wegnimmt.
Die Plattenindustrie verzeichnet große Einbußen. Jedoch lebt der Live-Sektor gerade richtig auf. Und das ist ja im Grunde das, was ich machen will – wofür ich auf dieser Welt bin: Ich will Konzerte spielen, Menschen berühren, meine Songs singen! Wenn ich keine Musik machen kann, bin ich ein kleiner trauriger Mensch.“

Lünepost: Du hast einige Songwriter-Wettbewerbe gewonnen, aber Castingshows gemieden. Warum?
Miss Allie: „Singer-Songwriter-Slams sind ein tolles Format, um mit eigenen Songs Bühnenerfahrung zu sammeln. Ich kann dort teilnehmen, ohne irgendwelche Verträge zu unterzeichnen. Na klar reizt mich auch die große Bühne – ich will auch gerne ins Fernsehen und träume vom Ruhm und ‚Bling Bling‘ (lacht). Aber ich will nicht irgendetwas unterzeichnen, was am Ende dazu führt, nicht mehr frei entscheiden zu können, was mir meine Rechte wegnimmt, mich erst pusht und dann fallen lässt. Ich gehe lieber meinen ganz eigenen Weg. Für andere, wie den Lüneburger ‚Voice‘-Kandidaten Boris, mögen Casting-Shows aber natürlich genau das Richtige sein.“

Lünepost: Was sind Deine Pläne für das kommende Jahr?
Miss Allie: „2016 habe ich dafür genutzt, mich zu sortieren und vernünftig aufzustellen. In 2017 wird sich zeigen, ob sich mein System bewährt. Ich werde Konzerte spielen – vielleicht auch auf großen Bühnen. Ich werde mich mit Verlagen und Labels auseinandersetzen und genau schauen, wie sie mich konkret unterstützen können. Und ich werde mein deutsches Album „Mein Herz und die Toilette“ produzieren – dazu wird es ein Crowd-Funding geben, wo liebe Menschen mich finanziell unterstützen können.“