Das Lüneburg am
anderen Ende der Welt

Da geht‘s lang: Mitten im südafrikanischen Zulu-Gebiet liegt die 500-Seelen-Gemeinde Lüneburg. Hierhin sind vor über 150 Jahren Mitglieder der Hermannsburger Mission ausgewandert. Bis heute wird in Lüneburg/Afrika deutsch gesprochen. Foto: Obie Oberholzer

Lüneburg. Mit seinen Altstadtgassen, den historischen Giebeln und dem alten Hafen ist Lüneburg einmalig. Dass Lüneburg jedoch nicht das einzige Lüneburg auf der Welt ist, wissen nur wenige. Insgesamt acht Namensvetter gibt‘s auf dem Planeten – neben dem Lüneburg in Deutschland noch viermal in den USA (in Vermont, Massachusetts, Virginia und Arkansas), zweimal in Kanada (in Nova Scotia und Ontario) sowie einmal in Südafrika, in der Provinz Kwazulu-Natal im Osten des Landes.

Von dort hat jetzt der renommierte südafrikanische Fotograf Obie Oberholzer der LÜNEPOST beeindruckende Bilder geschickt.

Die zeigen eine kleine Ortschaft samt Kirche und Schule – und ganz viel Natur. „Inmitten einer Berglandschaft gibt es die kleine Siedlung, die Menschen dort sind mehr als deutsch, viele leben schon in der fünften Generation dort“, berichtet Oberholzer.

Der Fotograf hat ebenfalls eine deutsche Vergangenheit: Vor 40 Jahren besuchte er in München die Fotoschule – und seine Familie wanderte um 1750 aus Süddeutschland nach Afrika aus.

Bei seinem mehrtägigen Lüneburg-Aufenthalt lernte er „urige Typen“ kennen: „Die sind alle sehr familien- und kirchenverbunden, deren Kinder heiraten nur deutschsprechende Leute – und das alles mitten im wilden, tollen, verrückten, dunklen Afrika. Wahnsinn!“, schreibt Oberholzer.

Früher, in den siebziger Jahren, gab es eine innige Freundschaft zwischen dem Lüneburg in der südafrikanischen Provinz Natal und dem in der norddeutschen Tiefebene.

Der ehemalige Lüneburger Oberbürgermeister Alfred Trebchen, dessen Frau aus dem südafrikanischen Lüneburg stammt, hielt auch nach der Jahrtausendwende den Kontakt aufrecht. Er sammelte Spenden für das 500-Seelen-Örtchen, das einst durch Hermannsburger Missionare entstand. Mittlerweile ist der Kontakt allerdings ein wenig eingeschlafen. Stadtsprecherin Suzanne Moenck fand in ihren Akten einen letzten Vermerk aus dem Jahr 2004.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge erinnert sich noch heute gern an seine beiden Reisen ins südafrikanische Lüneburg in den Neunzigern:

„Ich habe immer noch Verbindungen dorthin, privat und über Frau Trebchen. Es gab auch Gegenbesuche hier in der Zwischenzeit. Leider war es in den vergangenen Jahren aber zeitlich immer zu eng für eine erneute Reise. Mal sehen, vielleicht 2016 wieder.“