Hannover. In der neuen rot-grünen Landesregierung übernimmt Miriam Staudte aus dem Wahlkreis Elbe das Landwirtschaftsministerium. Die 47-Jährige lebte lange in Scharnebeck und Echem, wohnt mittlerweile auf einem alten Bauernhof im Wendland. Sie will auch der Region eine Stimme verleihen.  Die Lünepost sprach mit der frischgebackenen Ministerin.

Lünepost: Frau Staudte, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt! Was war Ihr erstes Empfinden, als es besiegelt war, dass Sie Agrarministerin werden?
Staudte: „Erleichterung. Wir haben jetzt doch lange darauf hingearbeitet. Es war ja schon ein bisschen länger klar, aber wenn einem dann jemand die Hand gibt und gratuliert – das ist doch noch mal ein anderes Gefühl!“

Lünepost: War das Agrarministerium Ihr Wunschressort?
Staudte: „Auf jeden Fall! Uns Grünen war es von vornherein wichtig, dieses Ministerium zu bekommen. Ich war ja schon die Sprecherin der Fraktion für Landwirtschaftspolitik. Dadurch kenne ich die Verbände, habe viele Kontakte, habe mich bereits tief in die Themen eingearbeitet. “

Lünepost: Und Sie haben ja auch spontan von vielen Landwirten Glückwunsch-Nachrichten bekommen …
Staudte: „Ja, das hat mich auch sehr gefreut. Schon im Vorfeld habe ich oft gehört, dass einige Landwirte gar nicht so unglücklich wären, wenn das Ministerium in grüner Hand wäre. Ich denke, dass es eine gute Zusammenarbeit wird. Natürlich sind nie alle mit allen Maßnahmen zufrieden – aber mit Konfrontationen kann ich umgehen. Dafür bin ich mit 15 Jahren auch schon lange genug im Landtag. Und wer das nicht kann, sollte nicht in die Politik gehen (lacht). “

Lünepost: Ist das Ressort auch ein persönlicher Herzenswunsch von Ihnen?
Staudte: „Das auch. Ich habe schon immer ein Faible für die Landwirtschaft und Umweltpolitik. Ich wurde auch schon von früh auf ‚umweltpolitisch sozialisiert‘ (lacht). Mein Vater war und ist im Nabu aktiv. Außerdem wuchs ich in Geesthacht auf und damit mit der Problematik des Atomkraftwerkes Krümmel.“

Lünepost: Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkte? Was werden Sie als Erstes anpacken?
Staudte: „Ein Schwerpunkt ist auf jeden Fall der ökologische Umbau in der Landwirtschaft. Und auch in Bezug aufs Tierwohl muss einiges getan werden – allein die Seuchenzüge, die in letzter Zeit vermehrt zu verzeichnen waren, mahnen uns, eine andere Form der Tierhaltung voranzutreiben.“

Lünepost: Auf Ihrer Homepage steht, dass Forst, Jagd und Fischerei „Herzensthemen“ sind. Gehen Sie privat auch auf die Jagd?
Staudte (lacht): „Nein, obwohl ich einen Jagdschein habe. Auf der Homepage steht, dass alle Bereiche des Agrarministeriums Herzensthemen sind. Aber es sind mir wichtige Themen, die ja auch in mein Ressort fallen. Wir möchten das Jagdgesetz novellieren – zum Beispiel die Erlaubnis, wildernde Katzen und Hunde abzuschießen. Und auch im Forstbereich muss ja aufgrund des Klimawandels viel getan werden.“

Lünepost: Wie wird es für Sie, nach so vielen Jahren in der Opposition nun in die Regierung zu wechseln?
Staudte (seufzt): „Das war jetzt wirklich notwendig. Ich muss zugeben: Eine weitere Legislaturperiode in der Opposition wäre mir sehr schwer gefallen. Ich möchte jetzt Dinge auf den Weg bringen!“

Lünepost: Nehmen Sie dann auch die Probleme aus unserer Region mit in Ihre Regierungsarbeit?
Staudte: „Als Ministerin bin ich für alle Regionen gleichermaßen zuständig. Aber es ist sicher von Vorteil, dass ich mich im Nordosten Niedersachsens auskenne. Beim Ökolandbau ist die Region Spitzenreiter im Land. Hier kann man gut anknüpfen. Eine Herausforderung ist z. B. der Umgang mit der knappen Ressource Wasser. In der Landwirtschaft sind die sandigen Böden und der geringe Niederschlag echte Probleme für die landwirtschaftlichen Betriebe.“

Lünepost: Was wird sich denn ganz praktisch mit dem neuen Amt für Sie ändern?
Staudte: „Bisher bin ich außer an Sitzungstagen immer abends wieder nach Kröte ins Wendland zurückgefahren. Jetzt gehe ich davon aus, dass ich zumindest von Montag bis Freitag in Hannover sein werde. Oft sicher auch noch am Wochenende, wenn es Termine wahrzunehmen gilt.
Deshalb habe ich jetzt auch eine kleine Wohnung hier in Hannover gemietet. Im Moment bin ich mit der Zusammenstellung meines Teams für das Ministerium befasst.“

Lünepost: Bekommen Sie auch Rückhalt und Unterstützung aus Ihrer Familie?
Staudte: „Ja. Die finden gut, was ich mache. Ich kann sagen, dass jetzt auch genau der richtige Zeitpunkt für mich ist, dieses Amt zu übernehmen. Die fünf Jungs aus meiner Patchworkfamilie sind fast alle erwachsen, wohnen teilweise schon nicht mehr bei uns. Vor fünf Jahren wäre das alles nicht so ideal gewesen.“

Lünepost: Gibt es etwas, wo­rüber Sie sich Sorgen machen im neuen Amt?
Staudte: „Sorgen nicht. Aber ich blicke mit Respekt darauf. So bin ich zum Beispiel gespannt auf den neuen Terminkalender, den ich jetzt übernehme. Gerade bei großen Aufgaben wie der Transformation wird es nötig sein, mit seinen Kräften hauszuhalten.“

Lünepost: Wie schauen Sie überhaupt auf die nächsten Wochen? Was wird Sie in Hannover erwarten?
Staudte: „Am Anfang steht, sich im Ministerium bei möglichst vielen Mitarbeiterinnen vorzustellen. Aber eine ganze Menge Leute kenne ich ja auch schon durch die vergangenen Jahre und ich weiß, dass das hier ein gutes Team ist, mit dem man bestens zusammenarbeiten kann. Insgesamt freue ich mich einfach auf die kommende Zeit.“

Lünepost: Frau Staudte, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg im neuen Amt.

 

Foto: Focke Strangmann/Landtag Niedersachsen