Nach der (vorerst) letzten Party wird das Vamos geräumt

Geschäftsführer Klaus Hoppe (l.) und Ulli Zeplien beim Ausräumen der Vamos-Kulturhalle. (Foto: sst)

Lüneburg. 7.19 Uhr am Neujahrsmorgen: Ein allerletztes Mal schwenkt Lünepost-Partyfotograf Nico Rauchfuß mit seiner Kamera durch die Vamos-Kulturhalle auf dem Lüneburger Uni-Campus. Sein Video zeigt die wortwörtlich letzten Zuckungen auf dem Tanzparkett der Location. Mitarbeiter, Security und die letzten Gäste liegen sich in den Armen, tanzen zum Hit „Whatever it takes“ von den Imagine Dragons.

„Sie wollten einfach nicht gehen“, erzählt der LP-Mitarbeiter. Rund 1000 Besucher waren zur Silvesterparty in die Partylocation gekommen, die mit dem Jahreswechsel für immer ihre Pforten schloss. Eine letzte lange Nacht lang feierten sie sich, das beginnende neue Jahr und einen rauschenden Abschied.

Bekanntlich hatten sich die Vamos-Betreiber um Klaus Hoppe, Geschäftsführer von Campus Management, und Vermieter Leuphana-Universität nicht auf eine erneute Verlängerung des Mietvertrages für die ehemalige Uni-Sporthalle einigen können.

Nach über 20 Jahren, mehr als 500 Kulturveranstaltungen und gut 2500 Partys begannen bereits wenige Stunden nach dem letzten Tanz die Ausräumarbeiten. Sound-, Licht und Zapfanlagen, Tresen- und Bühnenausstattung, Bestuhlung, Garderoben – alles muss bis zum 15. Januar raus. „Dann übergeben wir die Halle besenrein an die Leuphana“, erzählt Hoppe beim gemeinsamen Gang durch die Halle. Das Equipment wird u. a. in einer Halle an der alten Ziegelei in Rettmer eingelagert, bis eine neue Location gefunden ist. „Wir sind weiterhin auf der Suche nach geeigneten Räumen. Gerade erst habe ich zwei neue Immobilien angeboten bekommen“, sagt der Campus-Chef, der seit den Anfangstagen des Vamos‘ dabei ist.

Für Lüneburgs Nachtschwärmer brechen aber erst einmal karge Zeiten an: Denn mit dem Salon Hansen in der Altstadt und der Musiklocation Garage in der Goseburg bleiben eigentlich nur noch zwei echte Discotheken. Bitter für eine Stadt, die einst für ihr Nachtleben und ihre Kneipendichte fast schon weltberühmt war.

Und: Wie zuletzt berichtet, steht mittlerweile wohl auch ein dickes Fragezeichen hinter der Zukunft der „Garage“. Investor Jürgen Sallier hat die Immobilie gekauft, er soll dort wohl Wohnbebauung planen. Der von Sallier übernommene Pachtvertrag mit der „Garage“ soll nur noch bis 2019 laufen.

Das Vamos-Team wird weitermachen, vorerst mit einem erweiterten Programm in der Zweitlocation Ritterakademie: „Wir haben schon 80 Veranstaltungen für 2018 geplant“, berichtet der zuständige Bereichsleiter Ulli Zeplien. Doch ein echter Ersatz ist die Halle am Graalwall nicht. Dort passen maximal 600 Besucher und damit nicht einmal halb so viele wie ins nun geschlossene Vamos. Beliebte Partyreihen wie die „Decades“ (12. Januar), „The Illest“ (13. Januar) und die 40up-Feten (20. Januar) bleiben bestehen.

Weniger Besucher bedeuten auch weniger Personal. So hat Campus das Team um rund ein Viertel reduziert: „Viele Aushilfen und Studenten haben die Situation zum Anlass genommen, sich neu zu orientieren“, sagt Zeplien. Für den einen oder anderen könnte es auch nur ein Aus auf Zeit sein, denn Klaus Hoppe bleibt bei seinem Plan: „Noch in diesem Jahr werden wir einen neuen Veranstaltungsort finden“, ist er sicher.

Das dürfte die vielen Gäste freuen, die sich in den vergangenen Tagen persönlich vom Vamos verabschiedeten: „Wir hatten bei den letzten zehn Veranstaltungen noch mal 10.000 Besucher. Das zeigt doch, dass Lüneburg eine Location wie unsere braucht“, sagen Hoppe und Zeplien stolz.

Die in der alkoholgeschwängerten Silvesternacht gemachte Ankündigung, die Ausräumarbeiten der Kulturhalle zu blockieren, machten einige Vamos-Fans am Dienstag dann aber doch nicht wahr …