Adendorf/Bad Bramstedt. 120 Kilometer entfernt vom Adendorfer Walter-Maack-Eisstadion startet das Jahr mit Daumendrücken. Denn im südlichen Schleswig-Holstein hofft der Kern der „AEC-Supporters Bad Bramstedt” auf ein erfolgreiches Hauptrunden-Finale und eine möglichst lange Playoff-Teilnahme.

Dass sich Fans fernab ihres Klubs zusammentun, ist bei Fußball-Bundesligisten durchaus üblich. Bei einem eher „kleinen” Eishockey-Klub überrascht es aber – zumal es mit den Beach Devils Timmendorf, den Crocodiles Hamburg oder dem HSV sprichwörtlich näher liegende Adressen gäbe. Doch die AEC-Leidenschaft von Sascha Petersen hat ihre Wurzeln in der Region: Der gebürtige Lüneburger wuchs in Garstedt nahe Winsen auf. Ende der 1990er Jahre erlebte er die Hochzeit des Adendorfer Eishockeys bis in die damalige 1. Eishockey-Liga, die zweithöchste deutsche Spielklasse, mit. „Die Halle immer voll, tolle Sponsoren, dazu Spieler wie Luigi Calce, Sven Rampf, Lumir Mikesz, …”, hat er einige Cracks der damaligen Zeit auf Anhieb parat. „Eine tolle Zeit”, gerät Petersen immer noch ins Schwärmen. „Ein Spiel bei den Crocodiles lief sogar mal live auf Hamburg1. Eine Aufzeichnung davon suche ich bis heute …” Bis Anfang 2003 blieb der heute 47-Jährige in der Region, absolvierte unter anderem eine erste Ausbildung als Industriekaufmann. Dann rückten Familie und der Umzug nach Bad Bramstedt die Eishockey-Leidenschaft in den Hintergrund.

Ein Erlebnis, das bleibt

Das „Revival” kam Anfang 2019. Da schlug Petersen, der als Erzieher in einer vollstationären Jugendeinrichtung arbeitet, „seinen” Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren einen Ausflug zum AEC vor. Sechs Bewohner und zwei Betreuer gingen schließlich auf Tour. „Das Spiel ging haushoch verloren, aber alle fanden es toll”, erinnert sich Petersen. „Das war für alle ein Erlebnis, das sie mitnehmen. Schöne Momente, die bleiben”, weiß er auch aus beruflicher Sicht um den Wert. „Wir hätten das gern mal wiederholt, aber erst kam der Hallenschaden, dann Corona.”

Privat aber ist er wieder voll dabei – jetzt mit seinem Sohn Wolf-Erik. Die „Premiere” gab’s im November beim Spiel gegen die Harzer Falken. „Schon nach dem ersten Drittel war er total begeistert”, erinnert sich Petersen an die Reaktion des 15-Jährigen. Gleich darauf ging’s zum Auswärtsspiel beim HSV. Das passende Outfit war kein Problem: Trikots aus vergangenen AEC-Tagen gab es von einem früheren Spieler – inzwischen auch passend bedruckt. „Wir waren zwar jetzt erst bei drei Spielen, aber wir sind Feuer und Flamme, finden den Sport beide toll. Das ist sicher keine Eintagsfliege”, ist Petersen überzeugt.
Sein Ziel: Noch mehr Menschen im Umfeld mit der AEC-Leidenschaft anzustecken. „Ein Freund von mir wohnt nicht weit weg, auch einen Klassenkamerad meines Sohnes und seinen Vater wollen wir mitnehmen – und dann bald öfter mit fünf bis zehn Leuten aus Schleswig-Holstein zum AEC kommen.” Denn, so Petersen: „Die Stimmung ist top, die Kulisse für Regionalliga-Verhältnisse schon toll.” Der AEC habe es verdient, dass noch mehr Zuschauer kommen. „Das ist einfach ehrlicher Sport in entspannter, familiärer Atmosphäre”, beschreibt er den Grund für seine wiederentdeckte Begeisterung. „Man hat tolle Leute um sich rum und sieht eine Mannschaft, die noch nicht satt ist”, grenzt er den semiprofessionellen Sport in der Eishockey-Regionalliga vom Geschehen im Profifußball ab. Als langjähriger HSV-Fan und Vorsitzender eines lokalen Fanclubs des Zweitligisten hadert er zunehmend mit den Entwicklungen der vergangenen Jahre im Fußball: „Man bleibt immer Fan, aber die Intensität lässt nach.”

Sportlich sind die Bad Bramstedter mit dem Geschehen auf dem Eis aktuell zufrieden: „Trotz des kleines Kaders läuft es gut, der AEC wird auch bei Niederlagen nirgends so richtig klar abgeschossen.” Noch stehen 14 Spiele in der Hauptrunde raus, der AEC liegt als Tabellendritter auf Playoff-Kurs. Petersen hofft, dass die „Heidschnucken” noch möglichst lange dabei bleiben – und leidet schon jetzt: Eine Reha zwingt ihn aktuell zur Eishockey-Pause. „Wir rechnen schon herum, wann es endlich wieder passt” – am 28. Januar soll es zum Auswärtsspiel beim HSV soweit sein. Auf dem Weg dorthin oder zu den Heimspielen in Adendorf – Fahrzeit: eine Stunde und zehn Minuten – sind die Bad Bramstedter übrigens erkennbar: Ein Heidschnucken-Aufkleber am Auto macht sie zu mobilen Botschaftern des Regionalligisten.

Ein AEC-Routinier als Instagram-Fan

Bis es wieder in die Halle geht, bleiben die vielleicht nördlichsten Fans des AEC digital dabei. Auf der Instagram-Seite „AEC Supporters Bad Bramstedt” freuen sie sich über Kontakt zu Gleichgesinnten aus der Fanszene – und über einen prominenten Follower: Auch AEC-Spieler Denny Böttger klickte sich bei den SH-Jungs rein. „Ich habe damals sein erstes Spiel beim AEC miterlebt”, erinnert sich Petersen an die Anfänge des Dauerbrenners, der seit 1998 im blau-gelben Trikot spielt. „Er ist ein netter Bursche – und außerdem ja der einzige, der von damals noch dabei ist”, freut sich Petersen über die Loyalität des 44-Jährigen, der derzeit aufgrund einer Knie-OP länger ausfällt. „Es ist für uns eine große Ehre, dass er unsere Aktivitäten verfolgt.”