„Ein-Euro-Jobs sind reine Schikane!“

Landkreis. Helfen sie beim Wiedereinstieg ins Berufsleben oder machen sie Menschen zu billigen Arbeitskräften? Den Sinn von Ein-Euro-Jobs bezweifeln hiesige Politiker der Partei Die Linke.

Die „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“ (AGH), wie Ein-Euro-Jobs im Beamtendeutsch offiziell heißen, sind ursprünglich geschaffen worden, um z. B. Langzeitarbeitslosen eine Tagesstruktur zu vermitteln, sie wieder näher an den Arbeitsmarkt heranzubringen und die soziale Integration zu fördern.

Doch: „Ein-Euro-Jobs sind bis heute ein häufiges Instrument, um kommunale Aufgaben von Erwerbslosen für einen Euro pro Stunden erledigen zu lassen“, kritisiert Inge Hannemann, Mitglied im Kreisvorstand der Lüneburger Linken und bundesweit bekannte „Hartz-IV-Rebellin“.

Die Kreistagsfraktion der Linken hat daher zum Thema eine Anfrage an Landrat Manfred Nahrstedt gerichtet.

Demnach hat sich die Anzahl der Ein-Euro-Jobs innerhalb der vergangenen zwei Jahre von 365 auf 200 reduziert. „Das entspricht dem bundesweiten Trend“, weiß Hannemann, die selbst acht Jahre lang in einem Jobcenter arbeitete, „und liegt daran, dass man festgestellt hat, dass die Ein-Euro-Jobs schlichtweg nicht wie erhofft in ein Arbeitsverhältnis führen.“

Laut Hannemann gehe man von einer vom Jobcenter geschätzten Quote von unter zehn Prozent aus.

Sie kritisiert, dass aktuell noch jeder siebte Ein-Euro-Job in einer Kommune übernommen wird und geht davon aus, dass hier „Erwerbsfähige vollwertige Arbeiten ausführen und mit einem Euro pro Stunde abgespeist werden“. Das sei „Ausbeutung, verdrängt vollbezahlte Stellen und führt auf Dauer nicht in gute Arbeit“.

Dabei wolle sie nicht die Schuld den Gemeinden zuschieben: „Sie sind oft finanziell schlecht ausgestattet und dankbar für diese günstigen Möglichkeiten. Kommunen müssten finanziell bessergestellt werden, damit sie für die betreffenden Arbeiten feste Arbeitsverhältnisse schaffen können“, so Hannemann.

Was Jobcenter und ein Bürgermeister dazu sagen, steht in der LÜNEPOST vom
16. Mai 2018.