Ein Lüneburger Keiler bei der EM

Top-Talent: Mit 18 Jahren kann der Lüneburger Jonas Sciume schon einen Zweitliga-Aufstieg und eine EM-Nominierung vorweisen. Foto: t&w

Lüneburg/Lugano. Damit hatte kaum einer gerechnet – umso größer war die Freude bei den Lüneburger Salzstadtkeilern, dass sie nun doch aus der Regionalliga Nord in die
2. Bundesliga aufsteigen.

Das Inline-Hockey-Team des VfL hatte bereits alle Partien absolviert, die Konkurrenz stand besser da und hatte Nachholspiele. Alles sah danach aus, als würde es für die Keiler nicht reichen. „Dass ein möglicher Aufstieg von einem anderen Ergebnis abhängig war, machte uns die Planung natürlich schwierig“, sagt Team-Präsident Patrick Folkert. „Wir waren uns eigentlich sicher, wie es ausgeht – doch dann kam alles anders“, freut er sich.

Plötzlich standen die Lüneburger auf Platz 1 „und wir hatten nur noch eine Woche Zeit, für die 2. Liga zu melden“, erinnert sich Folkert, „wir haben uns dann mit dem Vorstand zusammengesetzt und gesagt: ‚hopp oder top?‘“

In dieser Saison war eigentlich der Plan der Salzstadtkeiler, in der Regionalliga vor allem die jungen Spieler gut zu integrieren. „Das ist uns zum Glück extrem gut gelungen“, findet der Präsident. Nun stellte sich die Frage: Bietet der Klub den Spielern eine neue Herausforderung in Liga 2 oder gibt man ihnen die Zeit in einem weiteren Jahr Regionalliga – und riskiert, dass der ein oder andere mit höheren Ambitionen geht. „Wir haben alle Risiken abgewogen, sodass wir nicht ins Blaue starten, und haben am Ende gesagt: 2. Bundesliga, das passt!“

Einer der jungen Spieler, von denen Patrick Folkert spricht, ist Jonas Sciume (18). Der gerade einmal 1,63 Meter kleine, flinke Stürmer hatte gleich doppelten Grund zur Freude. „Die Mannschaft, vor allem wir jüngeren Spieler, hat richtig Bock, das zu machen und in die 2. Liga zu gehen“, bestätigt der 18-Jährige mit strahlenden Augen.

Neben der neuen Herausforderung im Verein bekam er auch noch eine Einladung zur U19-Nationalmannschaft! Sciume reist am kommenden Wochenende mit dem deutschen Kader zur Europameisterschaft nach Lugano in die Schweiz.

Am Freitag, 2. November, ist er bereits nach Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) ins Trainingslager gefahren. Das lief bis zum 4. November. „Da werden schon ein paar spielerische Dinge geübt, aber es geht auch um Teambuilding mit Paintball und so“, erzählt der junge Stürmer.

Am Samstag und Sonntag, 10./11. November, steht dann das Turnier an.

„Es gab drei Lehrgänge, zu denen man jeweils eingeladen wurde“, erklärt Jonas Sciume, „nach jedem Lehrgang hätte die Absage kommen können. Doch nach dem dritten kam bei mir ganz schnell die Zusage.“ Für den 18-Jährigen war das „noch einmal eine enorme Motivation“.

Schon in den vergangenen Jahren hatten die Junioren-Nationaltrainer den Lüneburger auf dem Zettel: „Damals hat es aber noch nicht geklappt. Nun gab es einen Trainerwechsel und ich wusste gar nicht, was das für mich bedeutet“, gibt Sciume zu. Doch auch der neue Coach ist von dem Talent des Salzstadtkeilers überzeugt. „Das hat mich natürlich umso mehr gefreut.“

Keiler-Präsident Patrick Folkert traut der deutschen U19 viel zu: „Ich glaube, die waren zuletzt Serienmeister. Das liegt auch daran, dass unser Sport in Deutschland und der Schweiz mit am besten gefördert wird.“ Vor allem in Westdeutschland spiele Inline-Hockey eine große Rolle. „Daher ist es umso bedeutender, wenn es ein Spieler aus dem Norden in die Nationalmannschaft schafft – das freut uns riesig für Joni.“

Und es ist eine Auszeichnung für die Talentförderung der Salzstadtkeiler, denen es sicher gut tut, jetzt in der 2. Bundesliga antreten zu können, um junge Spieler weiterzuentwickeln.