Lüneburg. „Früher war es ganz normal, dass Kinder auf der Straße unterwegs waren und auch spielten“, sagt Niels Hapke, „doch jetzt wird der Radverkehr immer mehr an den Rand gedrängt. Gerade für Kinder sorgt das immer häufiger für gefährliche Situationen.“ Deshalb zählt er zu den Mit-Organisatoren der „Kidical Mass“ in Lüneburg.
Die Initiative fordert eine sichere Radinfrastruktur und Freiräume für Kinder und Jugendliche, will mit einer Fahrraddemo am Sonntag, 15. Mai, darauf aufmerksam machen. Start ist um 15 Uhr auf den Sülzwiesen. Nach einer Begrüßung geht es durch Lüneburg. Ziel ist der Liebesgrund, wo eine Abschlusskundgebung geplant ist. Auch ein Rahmenprogramm mit Musik und Spielen soll es geben.
„Wir planen eine fröhliche Veranstaltung, die Kindern und Erwachsenen Spaß machen soll. Gleichzeitig machen wir aber auch deutlich, welches Ziel dahinter steckt“, erläutert Hapke. „Wir müssen Kinder im Straßenverkehr besser schützen und ihnen sichere Radwege mit ausreichend Platz bieten.“

Hapke ist zweifacher Vater, kennt die Probleme: „Radwege sind zu schmal oder Buckelpisten, werden von Einmündungen gekreuzt. Man muss sehr aufpassen, damit ein Auto nicht ein Kind umfährt. Da gab es oft schon viele gefährliche Situation.“
Die „Kidical Mass“ gibt es weltweit, allein in Deutschland findet in 180 Städten eine Demo statt. Zu den Kernforderungen des Bündnisses zählt, die Schutzbedürftigkeit von Kindern in den Mittelpunkt des Straßenverkehrsrechts zu stellen sowie die selbstständige und sichere Mobilität der Kinder zu ermöglichen. Die „Kidical Mass“ lehnt sich an die „Critical“ Mass an, die schon seit vielen Jahren mit ihren Aktionen in größeren Städten aktiv ist. In Gruppen werden dann Sonderrechte im Straßenverkehr genutzt, um etwa Kreuzungen zu passieren oder Kreisverkehre zu umrunden.
„Eine fahrradgerechte Gestaltung macht eine Stadt attraktiver“, ist Hapke überzeugt. Ziel der Bewegung sei es, Menschen für eine selbstständige Art klimaneutraler Mobilität zu begeistern. „Wir wollen nichts verbieten, fordern auch kein Verbot von Autos.“
Radfahren biete zudem einen wirtschaftlichen Mehrwert. „Es gibt Studien, nach denen etwa 25 Cent volkswirtschaftlicher Nutzen pro Kilometer entstehen“, sagt Hapke und verweist auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Radfahrens sowie die Reduzierung von Lärm und Abgasen.

Vor allem aber gehe es um den Umweltaspekt: „Nur mit E-Mobilität werden die Klimaziele nicht zu erreichen sein. Auch dort steckt zu viel an Ressourcen drin.“
Hapke weiß: „Veränderung ist für alle schwierig. Jeder sucht den komfortabelsten Weg.“ Es ginge um Rahmenbedingungen, um den Weg von A nach B am klimafreundlichsten zu gestalten. Hier sieht er die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung noch zu mutlos: „Es gibt kostengünstige Möglichkeiten, etwa Pop-up-Radwege.“ Er erinnert daran, dass auch bei den Vollsperrungen von Dahlenburger und Bleckeder Landstraße das befürchtete Verkehrschaos ausgeblieben sei. „Warum probiert man da nicht mal mehr aus, zum Beispiel mit Einbahnstraßen und Radspuren?“, fragt er. „Da muss ja nicht gleich baulich was gemacht werden. Es geht ums Experimentieren: Was funktioniert?“ Er ist überzeugt: „Wenn man attraktive Radwege bietet, nutzen das die Leute auch!“