Flüchtling wird Lehrling in Lüneburg

Praktizierte Integration: Im Betrieb Lüneburger Sanitär-Betrieb Fred Zander lernt Azimi Ajmal (r.) seit drei Wochen den Beruf des Anlagenmechanikers. Geschäftsführer Joachim Böhme lobt den neuen Azubi: „Er ist verantwortungsbewusst und besitzt handwerkliches Geschick“. Foto: sst

Lüneburg/Adendorf. Verzweifelt sucht das deutsche Handwerk Nachwuchs. Kaum einer will noch Maurer, Maler, Klempner werden (LP berichtete). Eine große Chance für Flüchtlinge. Einer von ihnen ist Azimi Ajmal.

Er hat am 1. August eine Lehre als Anlagenmechaniker beim Sanitär-Unternehmen Fred Zander in Lüneburg (Feldstraße 13) begonnen.

Dabei hatte der 27-Jährige aus Afghanistan eigentlich ganz was anderes vor: Nach dem Abitur in Kabul wollte er Medizin studieren. „Doch meine Eltern hatten zu wenig Geld, um mir das Studium zu finanzieren“, erzählt Azimi Ajmal.

So wurde er Dolmetscher bei der US-Armee in Afghanistan. „Doch schon bald kamen die ersten Anrufe bei uns zu Hause. Die Taliban drohten, dass sie mich töten, wenn ich weiter für die Amerikaner arbeite.“

So fasste Azimi den Entschluss, zusammen mit seiner Frau sowie den beiden Söhnen Edris und Mohammed zu fliehen. „Meine Eltern haben uns ihr letztes Geld gegeben.“ Damit wurden Fluchthelfer bezahlt. „Die Schlepper haben uns auf einem Motorrad auf der ersten Etappe 150 Kilometer durch die Wüste gefahren. Wir saßen zu fünft auf dem Motorrad. Es war furchtbar!“, erinnert er sich.

Die Flucht ging per Lkw und Flugzeug weiter über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien und München nach Adendorf.

Wie er zu seiner Lehrstelle kam, steht in der LÜNEPOST vom 30. August 2017.