Lüneburg. Unter den Mitarbeitern des letzten echten Kaufhauses in Lüneburg geht die Angst um. Schon wieder. Denn Galeria Kaufhof Karstadt meldete Insolvenz an und beantragte die Aufnahme in ein Schutzschirmverfahren. So wie bereits im Jahr 2020, als 40 Filialen geschlossen und 4000 Mitarbeitern gekündigt wurde. Auch diesmal ist von mindestens 40 Filialen der aktuell 131 Häuser mit 17.000 Mitarbeitern in 97 Städten die Rede. Die Fragen der LP zur Lüneburger Filiale – z. B., ob er Stellenabbau oder gar die Schließung befürchtet und wie er die Situation den Mitarbeitern kommuniziert – beantwortete der Lüneburger Galeria-Chef Kai-Uwe Riedel mit: „Dazu sage ich nichts. Kein Wort. Wenden Sie sich an die Pressestelle in Essen.“ Doch die war leider bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Schon vor zwei Jahren mussten die Mitarbeiter mit der Bedrohung ihres Arbeitsplatzes leben. Jetzt wieder. Auch wenn die Angst, dass ihre Filiale geschlossen wird, nicht so groß sein dürfte – das Lüneburger Kaufhaus soll nach LP-Informationen im internen Ranking unter den Top 50 von 131 liegen. Einzelne Arbeitsplätze könnten aber durchaus wegrationalisiert werden. Außerdem wird gemunkelt, dass der Mietvertrag des hiesigen Gebäudes zum Knackpunkt werden könnte.

Dienstagmorgen erhielten alle Mitarbeiter eine E-Mail von Galeria-Konzernchef Miguel Müllenbach. Im Schreiben, das der LP vorliegt, erklärt er, wie es zur aktuellen Lage kam: Lockdowns, Inflation und „unvorstellbar hohe Energiekosten“ sowie das zurückhaltende Kaufverhalten hätten die notwendigen Mittel zur anstehenden Modernisierung der Filialen aufgezehrt. Die Schließung einiger Standorte sowie das Schutzschirmverfahren sollen helfen, die übrigen Kaufhäuser zukunftsfähig zu machen sowie die „Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen neuen externen Schocks erhöhen.“

„Uns ist klar, dass wir alle über Wochen hinweg mit negativer Presse, persönlichen Ängsten, Unsicherheiten in der Familie konfrontiert sind“, schreibt Müllenbach und stellt den Unterschied zum ersten Schutzschirmverfahren heraus: Diesmal würden die Geschäfte weiterbetrieben. Er bittet seine Mitarbeiter, „weiter fest zusammenzuarbeiten“ und verspricht Transparenz: „Wir werden euch über alles, was spruchreif ist, so schnell wie möglich informieren.“