Göhrde-Morde nach 28 Jahren aufgeklärt!

Lüneburg. 28 Jahre ist es her, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Paare in einem Waldstück in der Göhrde brutal ermordet wurden. Die Fälle machten Schlagzeilen in ganz Deutschland, doch der Mörder wurde nicht gefunden – bis jetzt.

Die Polizeidirektion Lüneburg teilte Mittwochnacht mit: „Im Rahmen der erneuten Aufarbeitung durch die Ermittlungsgruppe Göhrde konnte in einem der Fahrzeuge der Opfer der sogenannten Göhrde-Morde eine DNA-Spur gesichert werden. Diese DNA konnte dem bereits verstorbenen Tatverdächtigen, Kurt-Werner W., zugeordnet werden.“

In Gang kamen die erneuten Untersuchungen u. a. dadurch, dass im September die sterblichen Überreste der ebenfalls vor 28 Jahren getöteten Brietlingerin Birgit Meier gefunden wurden. Und zwar auf Betreiben des Bruders der Verstorbenen: Wolfgang Sielaff, ehemaliger Chef des Landeskriminalamtes in Hamburg, hatte nach seiner Pensionierung privat eine schlagkräftige Truppe aus Experten zusammengestellt, um endlich das Schicksal seiner Schwester aufzuklären. Seinem Team gelang es schließlich, ihre Überreste im ehemaligen Wohnhaus des Friedhofsgärtners Kurt-Werner W. in Vrestorf bei Adendorf aufzuspüren: Sie lagen einbetoniert unter der Garage, ein Plastiksack war über ihren Schädel gestülpt. Kurt-Werner W. war als Täter indentifiziert, zur Rechenschaft konnte er nicht mehr gezogen werden, da er sich 1993 erhängt hatte.

Einen Zusammenhang mit den zeitlich nahe beieinanderliegenden Morden an den beiden Paaren in der Göhrde hatte die Polizei schon früher festgestellt: In W.s Haus wurden u. a. Videoaufzeichnungen zur Berichterstattung sowohl zum Mord an Birgit Meier also auch zu den Göhrde-Morden gefunden. Seine DNA-Spur im Auto eines der Opfer schaffte jetzt fast Gewissheit, dass er der Täter ist.

Damit wäre die Aufgabe der Polizei eigentlich erfüllt, denn gegen Tote kann nicht ermittelt werden. Doch, wie die Polizei mitteilt, bestehe „aufgrund der Gesamtschau aller Umstände eine Wahrscheinlichkeit, dass W. bei einigen Taten nicht (immer) alleine gehandelt haben könnte“. Im Klartext: Die Polizei sucht nach einem Komplizen. Der Täter, den sie im Auge hat, kommt wohl aus Boizenburg.

Warum die Spuren der vier Mordfälle nicht schon früher ausgewertet wurden, ist nicht ganz klar. „Im Laufe der Ermittlung hat es Fehler gegeben“, räumte Lüneburgs Polizeipräsident Robert Kruse gegenüber dem NDR ein. Die ein oder andere Spur hätte anders bewertet werden können.

Die Polizei hat den Verdacht, dass der Vrestorfer weitere Taten begangen haben könnte. Deshalb wird die Polizeidirektion eine Clearing-Stelle einrichten, die etwaige Zusammenhänge überregionaler Fälle mit den hiesigen Taten aufdecken kann. Sowie neue Ermittlungsergebnisse vorliegen, will sie darüber berichten.