Herrenessen mit traurigem Schotten

Gast­geber mit Gastredner: Kaufleute Präsident Michael Zeinert (l.) hatte David McAllister zum Herrenessen eingeladen. Als Sohn eines Schotten hat der EU-Abgeordnete eine ganz besondere Beziehung zu Großbritannien und zum Brexit. Foto: Lippels

Lüneburg. Es war wieder einmal ein sehr gelungener Abend: 256 Gäste waren am Freitag, 26. Oktober, der Einladung des Vereins Lüneburger Kaufleute zum traditionellen Herrenessen gefolgt. „Das ist Rekord“, freute sich Kaufleute-Präsident Michael Zeinert in seiner Eröffnungsrede.

Es war wieder einmal alles vertreten, was Rang und Namen in Lüneburg und Umgebung hat:

Aus dem Rathaus kamen Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Bürgermeister Eduard Kolle und die Erste Stadträtin Gabriele Lukoschek, aus dem Kloster Äbtissin Freifrau Reinhild von der Götz, aus dem Kreishaus die stellvertretende Landrätin Tanja Bauschke, aus dem Landtag Uwe Dorendorf und Andrea Schröder-Ehlers, aus dem Bundestag Eckhard Pols – und aus dem Europaparlament David McAllister.

Die Kaufleute hatten den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten als Festredner geladen. Als Europaabgeordneter und gebürtiger Schotte berichtete er über den aktuellen Stand der Brexit-Verhandlungen. Dass dem CDU-Mann völlig gegen den Strich geht, wie seine Landsleute der EU den Rücken kehren, war jedem seiner Sätze zu entnehmen.

„Der Brexit ist ein historischer Fehler mit schwerwiegenden Konsequenzen nicht nur für das Vereinigte Königreich“, sagte der sichtlich betroffene McAllister nicht nur einmal.

Nun gehe es darum, die Entflechtung des Königreichs aus der EU zu organisieren: „Wir haben um diese Scheidung nicht gebeten, aber nun geht es darum, diese Scheidung ordentlich über die Bühne zu bringen, damit wir auch künftig vernünftig miteinander arbeiten können.“

Dass der Ausstieg von Seiten der Briten eher lax angegangen wird, sei allerdings eine Katastrophe: „Allerspätestens Mitte Dezember muss ein Abkommen unter Dach und Fach sein“, forderte er. Falls nicht, drohe das Chaos – sogar das Wiederaufflammen des blutigen Nordirland-Konflikts sei nicht auszuschließen. Schließlich entsteht nach dem Austritt zwischen der Republik Irland und Nordirland eine neue EU-Außengrenze.

Dass die „Brexiteers“ den Briten vor der Abstimmung damals erzählt haben, man zahle nichts für den Austritt, behielte alle Vorteile der EU und würde mit den Ersparungen das Gesundheitssystem stärken, sei reiner Quatsch gewesen.

„Wer uns verlässt, kann nicht so gut gestellt sein wie ein Mitglied“, sagte McAllister. Die Briten werde der Ausstieg nach EU-Lesart 60 Milliarden Euro kosten.

Auch in Zukunft strebe man eine enge Zusammenarbeit mit Großbritannien an: „Nur wenn wir weiterhin entschlossen und vereint zusammenarbeiten, sind wir in der Lage, den Herausforderungen in einer unsicheren, von Krisen geprägten Zeit zu begegnen“, sagte McAllister und leitete dann nach langem Applaus über zum, wie er sagte: „Highlight des Abends“.

Sauerbraten vom Tafelspitz mit Rotkohl und Klößen tischte das Seminaris-Team von Serviceleiter Joachim Prigge auf. Den Gästen schmeckte das Menü beim 44. Herrenessen – und bei Bier, Jägermeister und Tonpfeife wurde es für viele noch eine lange Nacht.