Legende „Litti“ im LP-Interview

Lässt es inzwischen ruhiger angehen: Fußball-Weltmeister Pierre Littbarski entspannt in der Lounge des Rote-Rosen-Hotels „Drei Könige“. Foto: be

Lüneburg. Die Meldung musste man zweimal lesen: Pierre Littbarski tritt bei der TV-Telenovela „Rote Rosen“ auf. Moment, der „Litti“, der Fußball-Weltmeister von 1990? Der mit den O-Beinen und der frechen Berliner Kodderschnauze? Genau der! Der 61-Jährige hat eine Gastrolle bei den Rosen übernommen, für die er diese Woche in den Lüneburger Studios vor der Kamera stand. Lünepost-Redakteurin Meike Richter hatte früher ein Litti-Poster in ihrem Kinderzimmer hängen. Nun hatte sie Gelegenheit, mit dem beliebten Kicker ein Interview zu führen – über seine Rolle, seine TV-Pläne und die Krise seines aktuellen Arbeitgebers VfL Wolfsburg.

Lünepost: Herr Littbarski, wen spielen Sie denn in der Lüneburg-Telenovela „Rote Rosen“?
Pierre Littbarski: „Ich habe die Rolle von Pierre Littbarski übernommen (lacht). Ich spiele mich selbst und bin ein Freund von Stefano Leo Greco (gespielt von Daniel Hartwig, Anm. d. Red.), der wiederum ein ehemaliger Fußballspieler ist, aber nicht so viel darüber preisgeben möchte. Und ich versuche nun, seine Vergangenheit zu bereinigen.“

Lünepost: Wie kamen Sie zu der Rolle?
Littbarski: „Wie die Jungfrau zum Baby. Markus Ibrom, einer der Rote-Rosen-Produzenten, hatte mich bei ‚The Masked Singer‘ gesehen. Da hatte ich mir ja schon einiges zugetraut und da hat er sich gesagt: ‚Dann frage ich mal Littbarski.‘ Er ist wohl selber Fußball- und Köln-Fan. Und dann hat er mich ein bisschen eingewickelt und dann konnte ich nicht mehr ‚Nein‘ sagen (lacht). Aber ich wollte auch mal was machen, was ich noch nie gemacht habe.“

Lünepost: Kannten Sie die Serie vorher schon?
Littbarski: „Nein, ich kannte ‚Rote Rosen‘ nicht. Während der Sendezeit bin ich immer auf dem Trainingsplatz oder arbeite. Aber nach dem Angebot habe ich reingeguckt und geschaut, wer schon alles dabei war und wie die Story ist.“

Lünepost: Das hat Sie dann überzeugt?
Littbarski: „Die Serie gibt‘s ja schon seit 15 Jahren und ich bin ein Fan von Beständigkeit. So über Jahre abzuliefern, wie es die Rosen tun, das finde ich faszinierend. Und die Zuschauerzahl, die spricht ja für sich!“
Lünepost: Sie kannten Schauspieler Daniel Hartwig ja schon vorher. Er ist der Sohn ihres alten Mitspielers Jimmy Hartwig.
Littbarski: „Ja, ich kenne ihn von früher. Als er ganz klein war, habe ich ihn getroffen, weil ich in Köln mit seinem Vater zusammengespielt habe. Wir haben die eine oder andere Erinnerung ausgetauscht, auch über seinen Vater. Es ist natürlich hilfreich, wenn man hier den ein oder anderen kennt. Aber die waren alle sehr freundlich und haben mir Hilfestellung gegeben.“

Lünepost: Mussten Sie denn viel Text lernen?
Littbarski: „Das hielt sich in Grenzen. Und weil ich ja mich selbst spiele, kann ich auch so ein wenig reden, wie mir der Mund gewachsen ist. Das musste natürlich vom Sinn her passen. Es ging aber in der Rolle nicht nur um Fußball.“

Lünepost: Sie steckten im Hammerhai-Kostüm bei ‚The Masked Singer‘ und man sieht Sie immer wieder in Quizshows. Ist das jetzt eine kleine, zweite Karriere im TV?
Littbarski: „Ach, ich hab‘ schon immer alles Mögliche gemacht, finde das immer spannend. Wenn ich z. B. zum ‚Buchstabenbattle‘ gehe, weil ich die Ruth Moschner kenne, das ist für mich etwas Angenehmes, das ist überhaupt kein Stress für mich. Das macht meinen Tag fröhlicher.“

Lünepost: Es ist ja auch ein kleiner Adrenalinkick.
Littbarski: „Ich nehme mich aber nicht zu ernst. Klar, will ich gewinnen, aber sobald du dich zu ernst oder zu wichtig nimmst, ist das glaube ich nicht hilfreich. Dann bist du zu angespannt.“

Lünepost: Ist das eine Erkenntnis aus Ihrem langen und erfolgreichen Fußballerleben?
Littbarski: „Das kam so allmählich. Wenn man mit 18 Profi wird, da war schon viel Nervosität und Anspannung dabei. Aber mit der Zeit legt sich das. Viele kriegen das nicht hin, weil die sich viel zu viele Gedanken darüber machen, wenn es schlecht läuft. Ich war immer der Typ, der gesagt hat: Wenn es gut läuft, dann ist es besonders schön.“
Lünepost: Sind Sie denn noch fußballerisch aktiv? Sie leben ja in Wolfsburg und sind Markenbotschafter beim VfL Wolfsburg.
Littbarski: „Naja, das heißt im Sport immer ‚Alte Herren‘. Wir haben beim VfL Wolfsburg eine Alte-HerrenMannschaft. Da spielen natürlich die alten Wolfsburger und aus der Umgebung zusammen – und da kicke ich immer noch ein bisschen mit.“

Lünepost: Apropos Wolfsburg: Unter dem neuen Trainer Florian Kohfeldt hagelte es gerade sechs Niederlagen in Folge? Was ist da los beim VfL?
Littbarski: „Es ist ganz einfach: Wir verteidigen schlecht und schießen keine Tore, das ist los (lacht). Wir hatten einen Trainerwechsel und die Mannschaft hat noch nicht das umgesetzt, was der neue Trainer gerne möchte. Das wird kein schönes Weihnachtsfest für uns. Da kommt wahrscheinlich die Rute.“
Lünepost: Aber Sie sind noch optimistisch?
Littbarski: „Man muss unterscheiden zwischen ‚Du setzt das nicht um‘ und ‚Du kannst das nicht umsetzen‘. Und wenn man es nicht umsetzen kann, dann reicht die Qualität nicht aus. Das ist hier nicht der Fall: Wir haben viel Qualität, wir haben auch viele Nationalspieler. Aber diese Phase habe ich als Spieler auch schon durchgemacht. Manchmal spielst du und weißt nicht, wieso du verlierst. Das ist im Moment unser großes Problem. Wir sind ganz froh, wenn die Winterpause kommt. Dann können wir durchatmen und überlegen. Der Trainer ist ja auch erst seit ein paar Wochen da.“

Lünepost: Zurück zu „Rote Rosen“ – könnten Sie sich nach Ihrer ersten Dreherfahrung vorstellen, nochmal vor der Kamera zu stehen?
Littbarski: „Ich bin ja eher für: Schuster bleib bei Deinen Leisten. Ich bewundere die Schauspieler. Es geht es ja nicht nur darum, die Texte zu lernen, sondern auch Emotionen reinzubringen – und da gucke ich dem einen oder anderen über die Schulter. Das ist schon toll, was da geleistet wird!
Bewundernswert finde ich Brigitte Antonius, die ja eine wahnsinnige Erfahrung hat. Das ist schon interessant, wenn man einem Profi zuschauen kann. Das ist was vollkommen anderes als Sport. Schauspiel muss ja erlernt werden. Es ist eine große Herausforderung, das war mir vorher nicht so klar. Wir fühlen uns zwar immer unterhalten, aber wir sehen nicht die Arbeit, die dahintersteckt.“

Lünepost: Die Kollegen, mit denen sie beim Dreh Fußball spielten, haben das gut gemeistert?
Littbarski: „Ja, auf jeden Fall, das hat der Daniel ganz gut hinbekommen (lacht).“

Lünepost: Letzte Frage: Hatten Sie denn schon Gelegenheit, Lüneburg kennenzulernen?
Littbarski: „Nein, leider gar nicht. Ich fahre immer zwischen Wolfsburg und Lüneburg hin und her. Das Studio und der Bahnhof sind meine Hauptorte, ich glaube, ich muss nochmal in Ruhe herkommen. Für Tipps bin ich sehr aufgeschlossen.“

Lünepost: Oh, da gibt es eine Menge. Zum Beispiel einen Gang durch die Weihnachtsstadt. Die Johanniskirche und der Wasserturm sind gerade schön illuminiert und nicht weit entfernt vom Bahnhof.
Littbarski: „Danke für die Tipps! Mal gucken, ob ich das noch in Angriff nehmen kann.“

Lünepost: Vielen Dank für das nette Gespräch.