Lüneburg. Als Lars Werkmeister im Sommer 2019 als Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH (LMG) antrat, verbreitete der damals 36-Jährige Aufbruchsstimmung unter den Händlern, Schaustellern, Gastro­nomen und in der Verwaltung. Nun müssen diese „Stadtgestalter“, wie Werkmeister sie gerne nennt, den Abgang des Marketing-Chefs verkraften. Dienstag verkündete er seinen Rückzug nach nur zwei Jahren.

Es sind private Gründe, die ihn wieder in die Heimat ziehen. Familienmensch Werkmeister ist gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Seine Frau, eine Lehrerin, lebt weiterhin im Münsterland und kann dort auch nicht weg. Vergeblich hatten die Werkmeisters von Beginn an versucht, eine Tausch-Stelle für sie im Norden zu bekommen. Doch das ist zwischen zwei Bundesländern nahezu unmöglich. „Wir haben da wirklich alles versucht und ich hätte auch wirklich gerne weitergemacht. Aber das Risiko, ohne Versetzung nach Lüneburg zu ziehen, ist einfach zu groß“, sagt der 38-Jährige.

Bis zuletzt hatte der Aufsichtsrat der Marketing um die Vorsitzende Gabriele Lukoschek versucht, ihm goldene Brücken für den Verbleib zu bauen: „Gemeinsam haben wir verschiedene Arbeitszeitmodelle diskutiert, aber leider keine für beide Seiten tragfähige Lösung gefunden“, bedauert die Stadtkämmerin. Denn für den Job an der Spitze der LMG seien hoher Zeiteinsatz und die Präsenz vor Ort einfach unabdingbar. Dieses mit den Anforderungen einer jungen Familie und zwei Wohnsitzen zu verknüpfen, war schlicht nicht möglich. Sie betont: „Lars Werkmeister hat in den zwei Jahren seiner Tätigkeit verlorenes Vertrauen in die Marketing­gesellschaft zurückgewonnen und einen ambitionierten Prozess der Neuausrichtung gestartet. Dabei wurde er von Gesellschaftern und großen Teilen der Stadtgesellschaft sehr gut unterstützt. Er hatte zu jedem Zeitpunkt das volle Vertrauen des Aufsichts­rates.“

Ganz ähnlich sieht es Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger City-Managements: „Ich bedaure das sehr. Gemeinsam haben wir tolle Sachen geplant – leider konnten wir aufgrund der Pandemie davon nur sehr wenig umsetzen.“ Die Kündigung trifft Lüneburg zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Corona und seine wirtschaftlichen Folgen haben die Innenstadt schwer getroffen. Gerade erst wurde unter dem Dach der Marketing der Innenstadtmanager Christoph Steiner installiert, der als Netzwerker und „Kümmerer“ das Ausbluten der Einkaufsstraßen verhindern soll (LP berichtete).

Dabei nicht mithelfen zu können, fällt Lars Werkmeister schwer: „Lüneburg ist mir sehr ans Herz gewachsen, die Arbeit mit dem Team macht mir viel Spaß. Wir haben in den letzten beiden Jahren trotz der Coronakrise ein gutes Fundament gelegt, um die LMG zukunftsfähig aufzustellen. Ich hoffe, dass dieser Weg auch ohne mich erfolgreich weitergeht. In jedem Fall werde ich mich bis zum letzten Arbeitstag und mit vollem Einsatz der Aufgabe widmen, um Lüneburg in dieser schweren Zeit zu unterstützen.“
Und dann? Aufsichtsratsvorsitzende Lukoschek kündigte an, dass man in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem Geschäftsführer ein Ausstiegsszenario erarbeiten werde: „Wir sind im Gespräch mit zwei Beratungsfirmen, um schnellstmöglich eine Interimslösung für die Zeit voraussichtlich bis zum Jahresende zu finden. Die Person sollte idealerweise per sofort einsteigen, um Herrn Werkmeister zu entlasten und eine geordnete Übergabe hinzubekommen.“ Die Zeit drängt: „In der jetzigen Situation, die für alle, die in der Innenstadt ihr Geld verdienen, mehr als kritisch ist, dürfen wir keine Zeit verlieren und müssen alle Kräfte bündeln.“

Gedankenspiele wer die Lüneburg Marketing GMBH künftig übernehmen könnte, lesen Sie in der Lünepost vom Wochenende, 3./4. April.