Lüneburg. Exakt 168 Tage ist es heute her, dass ein Großteil der Lüneburger Schausteller das letzte Mal Einnahmen verbuchen konnte. Alle Freiluftveranstaltungen nach der Winterpause wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Und ein Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. So steht aktuell die Austragung des Oktoberfestes auf den Sülzwiesen auf der Kippe. Harte Zeiten für viele Familienbetriebe, die sich im Schaustellerverband Lüneburg zusammengeschlossen haben. Manche mussten schon Firmenbesitz verkaufen, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Nun gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick: „Wir werden an drei Plätzen in der Stadt Mini-Märkte aufbauen, um auf der einen Seite den Lüneburgern etwas Abwechslung zu verschaffen. Und auf der anderen Seite können unsere Mitglieder zumindest einen Teil der fehlenden Einnahmen kompensieren“, erklärt Otto Ernst Schulz, Geschäftsführer des Schaustellerverbandes.

Bei der Stadt, vor allem bei Stadtrat Markus Moßmann, sei man auf großes Verständnis gestoßen und habe schnell gemeinsam Möglichkeiten entwickeln können, freut sich Schulz. Auch OB Ulrich Mägde habe dem Traditionsgewerbe geholfen, indem er den Kontakt zur Johanniskirche herstellte, auf dessen Vorplatz möglichst schon am Wochenende ein Kinderkarussell, Spielbuden, Essens- und Getränkestände stehen sollen. „Natürlich nur, wenn uns der in Pandemiefragen zuständige Landkreis die Zustimmung gibt“, sagt Schulz.

Das erfolgte am Dienstagnachmittag: „Aus Sicht des Kreises spricht nichts gegen das Vorhaben der Schausteller“, bestätigt Sprecherin Emilia Püschel auf Lünepost-Nachfrage.

Auch auf dem Platz am Sande sowie auf dem vorderen Teil des Clamartparks sollen Schaustellerbetriebe ihre Buden aufbauen. Insgesamt 16 Standplätze werden bespielt – acht im Park, zwei im Bereich der ehemaligen Einhorn-Apotheke am Sande und sechs vor St. Johannis. Geplant wird vorerst bis in die Vorweihnachtszeit – wenn der Weihnachtsmarkt dem Corona­virus auch noch zu Opfer fallen sollte, vielleicht auch noch länger.

Wie in großen Teilen der Gesellschaft, hält man auch unter den Schaustellern in der Krise zusammen. Weil die Standplätze begrenzt sind und bei Weitem nicht für alle Betriebe ausreichen, wird rotiert: „Alle zwei Wochen können Stände und Betreiber wechseln, wenn der Bedarf vorhanden ist“, erklärt Verbands­geschäftsführer Schulz.