Nationalteam in Bardowick

Gut gelaunt ins WM-Jahr: Faustball-Bundestrainerin Silke Eber (r.) klatscht ab mit Angreiferin Stephanie Dannecker, mit der sie schon zweimal die Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Foto: DFBL/Stöldt

Bardowick. Dass sich gleich mehrere mehrfache Welt- und Europameisterinnen und zahlreiche Bundesliga-Sportlerinnen in der Region auf ihr sportliches Highlight des Jahres vorbereiten, kommt nicht alle Tage vor. Am Wochenende, 13. bis 15. April, ist es der Fall, dann sind gleich 14 Spitzen-Faustballerinnen auf der Anlage des TSV Bardowick zu Gast.

Bundestrainerin Silke Eber hat zum ersten Vorbereitungslehrgang auf die im Juli stattfindende Frauen-Weltmeisterschaft in Österreich geladen. Die Lünepost sprach mit der Trainerin des amtierenden Welt- und Europameisters.

Lünepost: Frau Eber, wie ist es dazu gekommen, dass die Nationalmannschaft beim TSV Bardowick einen Lehrgang absolviert?
Silke Eber: „Es ist immer gar nicht so einfach, Ausrichter für Nationalmannschaftslehrgänge zu finden. Außerdem ist der Zeitpunkt im April noch recht früh, viele Sportplätze sind noch nicht so gut in Schuss, da stehen Ausrichtervereine nicht unbedingt Schlange. Der Kontakt zum TSV Bardowick ist über meine Spielerin Michaela Grzywatz entstanden. Die Verantwortlichen haben uns dann recht bald signalisiert, den Lehrgang auch ausrichten zu wollen.“

Lünepost: Was für ein Programm haben Sie sich für den Lehrgang vorgenommen? Und können Interessierte zuschauen?
Silke Eber: „Es stehen insgesamt fünf Einheiten auf dem Programm. Wir freuen uns immer über zahlreiche Zuschauer! Wir trainieren am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils vormittags und haben zudem Trainingseinheiten am Freitag- und Samstagnachmittag. Außerdem ist Samstag ab 17.30 Uhr ein öffentliches Kindertraining in Bardowick geplant.“

Lünepost: Mit Michaela Grzywatz ist eine Spielerin aus dem Bardowicker Bundesligakader im vorläufigen Aufgebot – wie stehen ihre Chancen, nach der erfolgreichen EM im Vorjahr auch bei der WM im Sommer in Österreich dabeizusein?
Silke Eber: „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer, eine Aussage zum möglichen WM-Kader zu treffen. Wir verfügen gerade im Defensivbereich über einen sehr ausgeglichenen Kader. Michaela hat sich gleich in ihrem ersten Nationalmannschaftsjahr in den Endkader gespielt und durfte dann auch bei der Europameisterschaft in Calw dabei sein. Sie hat zweifelsohne auch in diesem Jahr die Chance, sich in das WM-Team zu spielen.“

Lünepost: Ist es eigentlich ungewöhnlich, dass eine Spielerin, die als Angreiferin in ihrem Ligateam aufläuft, bei der Nationalmannschaft in der Abwehr um ein WM-Ticket kämpft?
Silke Eber: „Wir hatten solche Konstellationen auch in der Vergangenheit immer mal wieder. Das ist nicht unbedingt optimal, weil ja auch das Vereinstraining hauptsächlich auf diesen ‚anderen‘ Positionen stattfindet. Nichtsdestotrotz: Meistens handelt es sich bei diesen Spielerinnen um Allrounderinnen, die viele spielerische Fähigkeiten besitzen. Solche Spielerinnen braucht jedes Team.“

Lünepost: Ihr Team hat im Juli das Highlight Weltmeisterschaft vor sich. Als Sieger der letzten beiden WM-Turniere ist es der große Favorit. Wäre denn alles andere als Gold eine Enttäuschung?
Silke Eber: „Wir haben in den vergangenen vier Jahren auf einem irre hohen Level gespielt, haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, haben unser letztes Länderspiel 2013 verloren. Das Team hat bei allen Events seine Leistung gebracht und das hat uns Trainer auch sehr stolz gemacht. Dass dann WM- oder EM-Titel dabei herauskamen, ist natürlich umso schöner. Wichtig ist aber, dass wir auf dem Punkt genau unsere Leistung bringen werden. Das muss unser Ziel auch für die WM in Österreich sein. Wenn uns das gelingt, dann können wir sicherlich auch um den Titel mitspielen. Da gibt es aber noch ein paar andere Nationen, die auch die Qualität haben, den Titel zu holen. Für eine Titelverteidigung muss alles optimal laufen!“

Lünepost: Der WM-Gastgeber Österreich und der Faustball-Weltverband IFA bewerben das Turnier als größte Frauen-WM aller Zeiten. 14 teilnehmende Nationen sind Melderekord, der Kartenvorverkauf boomt, Spiele der Männer wurden zuletzt sogar von Hunderttausenden live im Fernsehen bei Sport1 verfolgt. Erwacht der Faustballsport gerade aus einer Art Dornröschenschlaf?
Silke Eber: „Das wäre sicherlich zu wünschen! Es ist schön, dass wir eine WM mit 14 Nationen erleben dürfen, das ist zweifelsohne eine Aufwertung des Events und auch des gesamten Faustballsports. In Sachen Aufmerksamkeit haben wir aber noch großen Nachholbedarf. Die Nationalspielerinnen betreiben einen sehr hohen Aufwand und da würde ich mir schon wünschen, wenn die Anerkennung noch größer wäre. Wir sind aber auf einem guten Weg. Ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen in Österreich eine tolle WM auf die Beine stellen werden, hochprofessionell und perfekt organisiert. Es ist schön mitzuverfolgen, welcher Marketing­aufwand da jetzt schon betrieben wird. Das steigert unsere Vorfreude aufs Event und das hilft natürlich auch unserem Sport.“