Lüneburg. Wo werden denn nun in Zukunft die Züge längsrauschen? Die Deutsche Bahn (DB) hat zum Projekt „Alpha-E“ in dieser Woche eine neue Variante vorgestellt, wie der Bahnverkehr zwischen Hamburg und Hannover künftig gestärkt werden kann. Das Ergebnis: Es könnten zusätzliche Gleise von Radbruch nach Bienenbüttel oder Uelzen an Lüneburg vorbei gebaut werden. Das hätte aber zwangsläufig eine weitere Zerschneidung des Landkreises zur Folge.

Entsprechend entrüstet klingen die Stimmen aus den Rathäusern: Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge sieht in dem Vorhaben genauso wenig Chancen wie Gellersens Verwaltungschef Steffen Gärtner oder Amelinghausens Bürgermeisterin Claudia Kalisch. Das machten sie in der LZ deutlich. Sie fordern, die bestehende Trasse auszubauen oder mit einer neuen Strecke parallel zur Autobahn 7 zu planen.

Peter Rowohlt, Rathauschef in der Samtgemeinde Ilmenau, wirkt, als habe er schon resigniert: Schließlich seien gleich zwei von drei Varianten für seine Kommune von Nachteil. Der Ausbau der bestehenden Trasse belastet Deutsch Evern zusätzlich, die neue Planung einer Umfahrung könnte Oerzen und Barnstedt treffen. Daher sei er weiterhin für eine Strecke an der A 7.

„Keine der näher untersuchten Varianten ist in Aufwand und Nutzen vertretbar“, moniert Ulrich Mädge, „das liegt auch daran, dass ein Gesamtkonzept fehlt.“

Die DB rechne mit Kosten von drei Milliarden Euro für die Umfahrung für nur vier Minuten Zeitersparnis. „Weil es zum Beispiel nördlich und südlich von Lüneburg Engpässe gibt, die nicht Gegenstand der Untersuchungen waren“, erklärt Mädge. Für ihn bedeutet das: „Alles zurück auf Start, neue Varianten, neue Untersuchungen. Das dauert Jahre. Wir müssen aber jetzt etwas für Pendler tun. Die jetzige Situation ist nicht mehr vertretbar.“

Die Stadt selbst hat bereits 2019 ein Paket geschnürt, um den Lüneburger Bahnhof auf die steigende Zahl an Bahnreisenden und Pendlern vorzubereiten. „Es gibt eine Reihe von Stellschrauben, um den Betrieb auf der dreigleisigen Bestandsstrecke zu optimieren“, meint OB Mädge, „sei es Weichen zu ergänzen, störungsanfällige Infrastruktur zu ertüchtigen oder Bahnsteige anzupassen. Wir müssen auch die Prioritäten überdenken, damit Pendler nicht immer wieder Überholungen durch Fernzüge abwarten oder hinter Güterzügen her bummeln müssen.“

Vom Metronom kamen schon Ende 2018 Vorschläge dazu. „Land und Bund müssen das nötige Geld zur Verfügung stellen“, fordert Ulrich Mädge. Denn: „Das dritte Gleis von Stelle nach Lüneburg ist so und nicht anders gebaut worden in der Annahme, die Y-Trasse werde folgen und unter anderem Güterverkehr aufnehmen. Die Strecke muss an die Realität angepasst werden.“

Lüneburgs Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols betont: „Wir müssen als Region Lüneburg mit einer Stimme sprechen und dürfen uns nicht spalten lassen!“