„Wie sauber arbeitet Amazon?“ fragte die Lünepost am 22. April 2020. Die Landesregierung hatte damals auf Initiative des Amelinghausener Landtagsabgeordneten Detlev Schulz-Hendel (Grüne) den Infektionsschutz im Amazon-Logistikzentrum in Winsen genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Im Lager des Versandgiganten, der zu den wenigen großen Gewinnern in der Coronakrise zählt, war es nicht gerade sauber. Das belegten brisante Fotos, die der Lünepost aus Mitarbeiterkreisen zugespielt wurden.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später steht Amazon erneut in den Schlagzeilen – diesmal sogar bundesweit: Das ARD-Magazin „Panorama“ berichtet, dass Amazon seinen Mitarbeitern in Winsen verwehrt, sich bei der Arbeit mit FFP2-Masken zu schützen. Ausschließlich medizinische Einwegmasken dürfen in den Hallen an der A 39 getragen werden. „Hintergrund des Verbots sind offenbar zusätzlich anfallende Erholungs­zeiten“, heißt es in dem TV-Beitrag.
Denn: FFP2-Masken dürfen laut Arbeitsschutzgesetz maximal zwei Stunden am Stück getragen werden. Anschließend muss eine halbe Stunde maskenfreie Pause eingelegt werden. Zu viel für Amazon?

„Ja“, sagt Grünen-Politiker Schulz-Hendel. Er findet:„Als Gewinner der Pandemie täte der Onlinehändler gut daran, gerade den Arbeitsschutz seiner Mitarbeiter auf einem hohen Niveau zu halten. Allerdings scheint ihn dies wenig zu interessieren.“

Was sagt Amazon zum TV-Bericht? „Diese Darstellung ist bewusst irreführend“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens gegenüber der Lünepost. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat allerhöchste Priorität.“ So sorge Amazon für genügend Abstand zwischen den Arbeitsplätzen, stelle medizinische Masken und PCR-Tests für Mitarbeiter bereit, habe die Reinigung intensiviert sowie gestaffelte Schicht- und Pausenzeiten eingeführt. „Wir gehen damit weiter als die meisten Arbeitgeber”, betont Amazon in seiner Stellungnahme. Eine konkrete Antwort auf unsere Frage nach FFP2-Masken, die den Träger deutlich besser schützen, als „normale“ medizinische Masken, liefert das Unternehmen nicht.