Volleyball-Coach Stefan Hübner spricht über seine Olympia-Erlebnisse.

Lüneburg. An diesem Sonntag sollte eigentlich das große Abschlussfest der Olympischen Spiele in Tokio steigen. Wegen der Corona-Pandemie ist das weltweit größte Sportereignis jedoch ins kommende Jahr verschoben worden. Ob es dann stattfinden kann, ist nach wie vor unklar.

Die LÜNEPOST möchte den olympischen Geist jedoch leben lassen. Athleten aus der Region, die schon einmal dabei sein durften, erzählen in der LP von „ihrem“ Olympia. Heute: der Ex-Volleyball-Nationalspieler und aktuelle SVG-Coach Stefan Hübner (Foto: in jungen Jahren).

Voller Vorfreude ist der 45-Jährige in dieser Woche in die Saisonvorbereitung mit den „Lüne-Hünen“ der SVG Lüneburg gestartet. Doch diese Freude ist nicht mit dem zu vergleichen, was Stefan Hübner 2008 erlebte: „Als wir in der Quali zu den Olympischen Spielen steckten, war Peking noch so wahnsinnig weit weg“, erinnert er sich. 36 Jahre lang hatte es keine deutsche Herren-Volleyballmannschaft mehr zu Olympia geschafft. „Wir haben uns alle gefragt, ob das wirklich klappen kann. Aber wir haben nie aufgegeben“, betont Hübner.

In der Quali habe die gesamte Mannschaft vor allem an mentaler Energie viel investiert. Sehr lange und akribisch hatte das Team gearbeitet. „Und wir hatten mit Stelian Moculescu einen sehr guten Trainer, ohne den der spätere Erfolg nicht möglich gewesen wäre“, erzählt Stefan Hübner. Denn die deutschen Volleyballer packten den Sprung zu Olympia tatsächlich. „Das war einer der intensivsten Momente in meiner Karriere“, verrät Hübner, „und trotzdem konnten wir gar nicht richtig feiern, weil wir so leer waren.“

Die Zeit bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Chinas Hauptstadt verbrachte zwar manch ein Spieler mit der Angst, sich nicht doch noch zu verletzen. Was alle Spieler jedoch teilten, „war das Dauergrinsen“. Die Spannung sei dann gestiegen, als die Teilnehmer ihre Olympia-Ausrüstung abholten.

In China angekommen, „war es bei all dem, was dort auf einen einprasselt, schwer, sich zu fokussieren“, sagt Stefan Hübner. Für den damals 33-jährigen Volleyballer sei es das Größte gewesen, dabei sein und alle Eindrücke aufsaugen zu können. „Es passiert so viel um einen herum“, meint Hübner, „ich brauchte auch nicht mit jedem bekannten Gesicht ein Foto zu machen – dafür habe ich alles für mich abgespeichert.“

Zu den zahlreichen Eindrücken kam ein ganz ungewohnter Ablauf: „Bei einer WM ist alles perfekt organisiert: Du wohnst im Hotel, wirst zur Halle um die Ecke gefahren und wieder zurück. Bei Olympia war viel mehr Trubel und da konnte es auch schon mal anderthalb Stunden bis zum Training dauern“, berichtet Stefan Hübner.

Die größte Herausforderung für eine Mannschaft bei Olympia: Jeder Einzelne muss voll auf den nächsten Wettkampf fokussiert sein. „Und wir sind gnadenlos gescheitert“, erzählt Stefan Hübner heute mit einem Schmunzeln. Nur ein Sieg in der Vorrunde bedeutete das schnelle Aus in Peking. „Und das, obwohl wir mit Hockeyspielerin Fanny Rinne sogar von einer Olympiasiegerin Tipps bekommen hatten …“

Vier Jahre später kehrte Hübner noch einmal zu Olympia zurück. Bei den Spielen 2012 in London war er Assistent des Volleyball-Bundestrainers Vital Heynen. Bei Hübners zweitem Anlauf schaffte es das deutsche Team immerhin durch die Vorrunde und bis in die K.o.-Phase. Im Achtelfinale gegen Bulgarien war dann aber doch Schluss.

„Bei uns zu Hause kommen wir sogar auf vier Olympia-Starts“, verrät der SVG-Coach. Seine Frau Angelina, die ebenfalls Volleyball auf Profi­niveau spielte, war 2000 in Sydney (Viertelfinale) und 2004 in Athen (Vorrunde) dabei.

Auch wenn das Haus der Hübners nicht komplett mit Olympia-Fotos dekoriert ist, merkt man, dass für beide die Spiele noch sehr präsent sind: „Es war natürlich schon beeindruckend, in der Mensa die amerikanischen Basketballer u. a. mit Kobe Bryant zu treffen“, erinnert sich der Wahl-Lüneburger, „oder Dirk Nowitzki.“ Der deutsche Basketball-Superstar sei des Öfteren bei den Volleyballern im Deutschen Haus hängengeblieben: „Einmal kam er auf mich zu und fragte mich, wie wir das eigentlich beim Sprung machen“, erzählt Hübner, der dem 2,13 Meter großen Koloss das Volleyball-Training aber lieber nicht empfahl: „Mach‘ das besser nicht!“, habe er Nowitzki geantwortet …