Problem Scharnhorststraße: „Ich habe Angst zu stürzen“

Gefährlich: An vielen Stellen platzt der Asphalt auf dem Gehweg in der Lüneburger Scharnhorststraße auf. Darüber ärgern sich die Anwohner wie Irmgard Baumann (l.) und Hilke Voigt. Foto: sta

Lüneburg. „Ich wohne hier seit 30 Jahren und bin immer in der Scharnhorststraße zum Friseur gegangen“, sagt die Lüneburgerin Irmgard Baumann (78), „aber das mache ich inzwischen nicht mehr.“ Und das liege nicht an der Arbeit des Friseurs: „Nein, überhaupt nicht. Ich habe Angst vor dem Weg dorthin!“

Trotzdem muss die rüstige Rentnerin ihn noch hin und wieder auf sich nehmen: „Mein Bus fährt aus der Scharnhorststraße ab und kommt dort wieder an.“ Auf dem Weg zur Haltestelle bzw. von dort nach Hause wechselt die 78-Jährige lieber mehrfach die Straßenseite, als den direkten Weg von nur rund 100 Metern entlang der Scharnhorststraße zu nehmen.

„Ich bin bereits einmal hingefallen und habe seitdem Metall in der Schulter. Ich habe auch eine neue Hüfte und Angst, wieder zu stürzen.“

Tatsächlich ist der Zustand des Gehweges desolat. Auf der Seite, die am Uni-Campus liegt, besteht er teils nur aus Sand. Baumwurzeln und Steine liegen dort frei. Gegenüber zieren tiefe Risse und Löcher den Asphalt.

Dabei fällt auf: Die Bushaltestellen wurden neu gepflastert, es wurden sogar die teils sehr hohen Kantsteine abgesenkt und mit Rillen für Sehbehinderte ausgestattet. Der löchrige Asphalt drumherum wurde dabei nicht angefasst. Wie Sehbehinderte die „Stolperfallen“ auf dem Gehweg bewältigen sollen – ein Rätsel.

„Die Studenten, die hier wohnen, mag das nicht interessieren“, meint Anwohnerin Hilke Voigt (75), „aber für uns Ältere ist es ein großes Ärgernis.“ Seit Jahren würden sie und ihre Mitstreiter von der Stadt hingehalten: „Wir haben dort gefragt, wann sich etwas an der Situation tut – der genannte Termin wurde schon drei Jahre lang immer wieder verschoben.“
Tut sich noch etwas in diesem Jahr?

Die LÜNEPOST hakte bei der Stadt nach. Ann-Cathrin Behnck aus der Pressestelle erklärt: „Es sind tatsächlich Erneuerungen in der Scharnhorststraße geplant. Die Asphalt-Wege sollen eine wassergebundene Schotterdecke bekommen.“ Damit seien die Wege entsiegelt. „Das ist dann auch gut für die Bäume, die dort stehen.“

Und wann sollen die Arbeiten beginnen? „Spätestens im Frühjahr“, sagt Ann-Cathrin Behnck, „wenn die Witterung es zulässt, könnte es sogar noch in diesem Jahr losgehen.“

Außerdem führe die Stadt bereits Gespräche mit Anwohnern und wolle das auch fortsetzen.

„Früher war es hier so ein schönes Viertel“, erinnert sich Irmgard Baumann, „jetzt ist es in einem furchtbaren Zustand.“ Und Hilke Voigt hat bereits mit dem Kontaktbeamten der Polizei gesprochen: „Er hat mir einen Umzug nahegelegt“, ist die 75-Jährige empört, dabei habe sie doch erst 2012 ihre seniorengerechte Wohnung bezogen.

Eine Bekannte der beiden Frauen tue aber gerade genau das: „Sie zieht aus, sie fühlt sich hier nicht mehr wohl …“