Schaust Du noch oder streamst Du schon?

Micky-Lee Waga (24) aus Lüneburg: „Ich schau nur noch selten Oldschool-TV – zuviel Werbung! Meine Top-Themen sind Sport, Dokus und Musik, das Angebot im TV reicht mir da nicht. Top-Fußballspiele und alles, was mich rund um Sport interessiert, schaue ich mir auf Sky und DAZN an. Ich bin Fan von Serien aus den 90er Jahren wie ‚Prinz von Bel -Air‘. Das läuft bei mir auf Netflix.“ Foto: sst

Landkreis. Wetten, dass Sie noch ganz genau wissen, was Sie am 31. August 1997 gemacht haben? Oder am 21. Juli 1969, am 11. September 2001, 9. November 1989, am 7. Juli 1985 und am 13. Juli 2014?

Ich weiß es auch: Sie haben an diesen Tagen vor dem Fernseher gesessen. Sie haben die Berichterstattung zum Unfalltod von Lady Di verfolgt, waren fasziniert von der ersten Mondlandung, schockiert vom Einsturz des World-Trade-Centers, haben den Mauerfall mitgefeiert, mit Wimbledon-Sieger Boris Becker die Faust geballt und den WM-Erfolg der deutschen Fußballer in Rio bejubelt.

Events oder Ereignisse wie diese holten ganze Nationen vor den Bildschirm. Doch das passiert immer seltener. Zeiten, in denen 20 Millionen samstags „Wetten, dass …?“ verfolgt und montags bei der Arbeit über den schrägen Buntstiftlutscher, das knappe Kleid von Sängerin Cher oder den Bagger auf rohen Eiern diskutiert haben, sind vorüber.

Die Eltern zusammen mit den frisch gebadeten Enkeln vor dem Fernseher? Mit Paola und Kurt Felix, Rudi Carrell, Frank Elstner oder Thomas Gottschalk? Was bis in die Neunziger samstags in vielen deutschen Familien dazugehörte, ist vorbei. Das Fernsehen als Medium, das die Menschen verbindet, hat seine Faszina­tion verloren.

Jüngstes Opfer dieses Trends ist die „Lindenstraße“, deren Aus gerade verkündet wurde. Zu teuer, zu normal, zu wenig Zuschauer. Früher saßen Millionen vor der „Flimmerkiste“.

Heute gibt es über 100 Sender, die Samstagabend-Shows haben vielleicht noch 5 Millionen Zuschauer. Alles, was zählt, ist die Quote in der werberelevanten Zielgruppe.

Und es gibt das Internet: Strea­ming-Angebote wie Netflix oder Amazon Prime machen dem „normalen“ Fernsehen kräftig Konkurrenz. Viele Jüngere haben gar kein TV-Gerät mehr, schauen ganze Serien-Staffeln in einer Nacht auf Tablet oder Laptop. Meist jeder für sich und jeder zu seiner Zeit.

Sind „Breaking Bad“, „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“ die neue „Linden­straße“? Ist das Fernsehen als Gemeinschaftsmedium schon Geschichte?

Das wollte Lünepost-Reporterin Simone Steinbrenner herausfinden. Sie fragte Leser aus Stadt und Landkreis: „Schaust Du noch oder netflixt Du schon?“ Antworten lesen Sie in der LÜNEPOST vom 21. November 2018.