Schausteller zittern um ihre Existenz

Voller Sorge in Berlin: Schausteller-Chef Benno Fabricius, Mitglied der SPD, schilderte die dramatische Lage seiner Zunft dem Lüneburger CDU-Abgeordneten Eckhard Pols. Foto: fabricius/nh

Lüneburg/Berlin. „Das Karussell muss sich weiterdrehen!“ – Unter diesem Motto demonstrierten am Donnerstag in Berlin Schausteller aus ganz Deutschland. Laut hupend rollten sie mit ihren Lastwagen durch die Hauptstadt bis zum Brandenburger Tor.

Unter den 1600 Demonstranten aus allen 92 deutschen Schaustellerverbänden war auch der komplette Vorstand des Lüneburger Verbandes. Er hatte seine historische Festfahne mitgebracht.

Gemeinsam forderten die Vertreter der mehr als 5000 Schaustellerfamilien in Deutschland, dass auch für ihr Gewerbe Lockerungsmaßnahmen getroffen werden.
Bisher sind wegen der Corona-Einschränkungen alle Großveranstaltungen bis zum 31. Oktober verboten. Für die Schausteller ist das quasi ein Berufsverbot und viele Familienbetriebe sind massiv in ihrer Existenz bedroht. „Wir fordern daher eine Freigabe von Familienfesten“, sagte Benno Fabricius, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Lüneburg (Foto l., mit Eckhard Pols), nach seiner Rückkehr.

Nicht nur er fragt sich: „Warum dürfen Freizeitparks längst wieder geöffnet sein – wir aber nicht? Und wo ist der Unterschied zwischen einer Fußgängerzone und dem Rundlauf auf den Sülzwiesen?“ Fabricius und seine Kollegen aus Lüneburg hoffen, dass nach ihrem imposanten Protestzug durch die Hauptstadt endlich Bewegung in die Sache kommt. Schließlich seien 44 Bundestagsmitglieder bei der Abschlusskundgebung auf der Bühne am Brandenburger Tor gewesen. Unter ihnen war auch Lüneburgs CDU-Abgeordneter Eckhard Pols. Er lud den Vorstand der Lüneburger Schausteller im Anschluss an die Demo noch in sein Abgeordnetenbüro ein, um sich deren Sorgen und Nöte genauer anzuhören.

Die Hoffnung von Benno Fabricius und seinen Kollegen: „Dass wir zum Oktoberfest wieder ein familienfreundliches Volksfest anbieten können – natürlich ohne das große Festzelt und unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsvorschriften.“ So gebe es mittlerweile Apps, mit denen man sich beim Volksfestbesuch ein- und auschecken könne. Damit seien im Fall der Fälle Infektionsketten nachzuvollziehen. Auch Desinfektion der Fahrgeschäfte sei selbstverständlich: „Das machen wir schon jetzt bei den Karussells in der Innenstadt“, erklärt der Schausteller-Chef.

Nach ihrer Demo-Teilnahme in der Hauptstadt bekommen die Lüneburger an diesem Samstag Gegenbesuch aus Berlin: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle will auf dem Platz Am Sande ein aktuelles Bild der Lage machen.

Und auch von der Stadt kommt Unterstützung: Sie erlässt Schaustellerbetrieben in diesem Jahr die Hälfte der Standgebühren.