Lüneburg. Im Prozess um die nächtlichen Schüsse auf eine Gruppe junger Männer im April 2018 in Lüneburg-Kaltenmoor fiel am Mittwochmittag das Urteil: Die beiden Angeklagten Mohammed E. und Farid M. wurden von der 4. Strafkammer des Lüneburger Landgerichtes freigesprochen.

Wie berichtet, war es in der Tatnacht zum Streit unter mehreren Männern gekommen. Von dert Beifahrerseite eines schwarzen Audi aus fielen damals Schüsse. Ein Mann, Hüseyin O., wurde zweimal getroffen. Er konnte nur durch eine Not-OP gerettet werden und leidet bis heute an den Folgen.

„Das Ergebnis bleibt unbefriedigend“, sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch in seiner Urteilsbegründung. Seiner Meinung nach hatten die Falschen auf der Anklagebank gesessen. Denn während Gutachter wie Zeugen den Angeklagten E. als in Frage kommenden Schützen glaubhaft entlastet hatten und der zweite Tatverdächtige Farid M. ein nahezu wasserdichtes Alibi vorweisen konnte, würde der wahrscheinlichere Schütze weiter unbehelligt herumlaufen.

Nelson L. heißt der Mann, den Kompisch meinte. Der habe damals Streit um Drogengeschäfte gehabt. Laut Aussage seiner damaligen Freundin hätte er sich am Abend der Schüsse eine Waffe aus dem Schrank geholt, Bilder seiner Kinder eingesteckt und sich von ihr verabschiedet.

Kurz darauf hatte er am Kreisel beim St. Stephanusplatz eine Auseinandersetzung mit seinem verfeindeten Konkurrenten Diyar K. geliefert. L. zog wohl den Kürzeren und lief zum gegenüber stehenden Audi seines Bekannten Mohammed E. Am Wagen hätte er vergeblich versucht, so Richter Kompisch, sich in den Zweitürer zu zwängen. Und dann fielen von der Beifahrerseite des Wagens auch schon Schüsse. Zwei Kugeln trafen Hüseyin O., einer aus dem Dunstkreis von L.s Kontrahenten Diyar K.

Weil Zeugen mehrheitlich E. als Fahrer benannten und Farid M. auf dem Beifahrersitz gesehen haben wollten, wurden die beiden angeklagt. Fehler in den Ermittlungen, verschwundene Tonmitschnitte und unterlassene Nachermittlungen kreideten sowohl die Nebenklage als auch die Verteidiger der Staatsanwaltschaft an. Dem Gericht blieb somit nichts anderes übrigs, als der doppelte Freispruch.

Was alles schief gelaufen ist und wie sich Nelson L. über die Angeklagten lustig machte steht am kommenden Samstag ausführlich in der Lünepost.