SPD schießt gegen Meyer

Bekommt Gegenwind: Im Endspurt ums Lüneburger Rathaus geht die SPD auf Kandidat Heiko Meyer los. Foto: be

Lüneburg. Auf den letzten Metern nimmt der Kampf ums Lüneburger Rathaus nun doch noch unschöne Züge an. Eine Woche vor der Stichwahl zwischen den OB-Kandidaten Claudia Kalisch (Grüne) und Heiko Meyer (parteilos) sorgt die mit ihrer Bewerberin Pia Steinrücke überraschend deutlich gescheiterte SPD für Zündstoff.

„Die SPD Lüneburg spricht für die anstehende Oberbürgermeister-Stichwahl keine Wahlempfehlung aus“, überschreibt die Partei ihre Pressemitteilung. Was harmlos anfängt, wird jedoch schnell zu einer bitteren Abrechnung. Denn gleich im ersten Satz der Meldung sagen die SPD-Ortsvorsitzenden Hiltrud Lotze und Carl Johann Niederste Frielinghaus: „Gleichwohl wollen wir vor der Stichwahl noch einmal klarstellen: Heiko Meyer war nie Mitglied der SPD, noch wurde oder wird er von uns unterstützt, wie immer wieder behauptet wird.“ Richtig sei lediglich, dass Meyer „eine zeitlang parteiloses Mitglied unserer Fraktion war und dann wegen unterschiedlicher politischer Auffassungen die Fraktion verlassen hat.“ Die SPD-Spitze weiter: „Wir hielten ihn schon damals nicht für geeignet, unsere schöne Hansestadt Lüneburg als Oberbürgermeister zu führen und zu repräsentieren. Die letzten Monate des Wahlkampfs haben uns in dieser Haltung bestätigt, u. a. wegen der Intransparenz seiner Wahlkampf­finanzierung“, heißt es in der E-Mail weiter.

Auf LP-Nachfrage wollte sich Meyer zum SPD-Statement nicht äußern – wohl aber zur Kritik an der Finanzierung: „Mein Wahlkampf-Budget liegt zwischen 25.000 und 35.000 Euro“, sagt der Zweitplatzierte der Wahl vom vorigen Sonntag, „ich liege auf dem Niveau der anderen.“ Er betont: „Es steckt definitiv kein Großsponsor dahinter.“ Bei allen Maßnahmen im Wahlkampf hätten Familie und Freunde ihn unterstützt. „Und ich gehe andere Wege, akzeptiere keine Preise wie die Parteizentralen“, spielt der Unternehmer auf sein Verhandlungsgeschick an.

Unterdessen haben sich auch andere Parteien im Stadtrat positioniert: Die Linke empfiehlt die Kalisch-Wahl, die FDP spricht sich für einen OB Meyer aus. Bei der CDU überlegt man noch, ob man kurzfristig eine Wahlempfehlung abgeben wird. Stadtverbands-Chef Alexander Schwake: „Das sind beides nicht unsere Wunschkandidaten. Viel wichtiger als eine Empfehlung ist uns, dass im künftigen Rat eine freundliche und zukunftsorientierte Stimmung vorherrschen wird.“ Nimmt man die (Nicht-)Empfehlung der SPD zum Maßstab, dann könnte Schwakes Hoffnung ein frommer Wunsch bleiben …