Starke Europameister aus Lüneburg

Trainer Marco Schneider (r.) mit seinem Kämpfer Stephan Hazizowic, der sich voriges Wochenende in Reutlingen den EM-Titel und ein Ticket nach Japan holte. Foto: Combat-Center

Lüneburg/Reutlingen. Der amerikanische Kampfsport Mixed Martial Arts (MMA) ist derzeit total angesagt. Das japanische Pendant Shooto ist hierzulande weniger Menschen ein Begriff. In Asien ist es allerdings ein großer Markt: Shooto-Profis verdienen umgerechnet 20.000 bis 500.000 Euro – pro Kampf! Und der dauert nur dreimal fünf Minuten. Mit Lucas Werner (20) und Stephan Hazizowic (29) haben jetzt zwei Lüneburger die Chance auf eine internationale Shooto-Profikarriere.

Mit insgesamt vier Kämpfern ging Marco Schneider, Trainer der „Lutarillas“ vom Lüneburger Combat-Center, vorige Woche bei der Shooto-Amateur-EM in Reutlingen an den Start. Bitter endete das Turnier für Maximilian Kasch. Bei ihm brach im Halbfinale eine alte Verletzung wieder auf und er musste abbrechen.

Bei seinen drei Teamkollegen lief es vor den rund 600 Zuschauern, unter denen sich auch eine japanische Delegation inklusive des Präsidenten der Shooto-Federation befand, deutlich besser: Max Ulmann holte Bronze, Stephan Hazizowic und Lucas Werner wurden in ihren Klassen Europameister.

„Lucas erhielt sogar noch eine Sondertrophäe für den schnellsten Kampf des Abends“, ist Trainer Schneider stolz. Denn der 20-Jährige brauchte im Finale nur 14 Sekunden, bis er seinen Gegner in der ersten Runde bezwungen hatte.

Sieg in 14 Sekunden: Der Lüneburger Lucas Werner (l.) setzte sich im Rekordtempo durch und machte die Experten auf sich aufmerksam. Foto: Cambat-Center

Der Coach verrät, was diesen Sieg außerdem besonders macht: „Lucas hat gleich zwei Handicaps – er ist schwerhörig und sieht ohne seine Brille kaum etwas.“ Doch weder Brille noch Hörgeräte sind im Ring erlaubt. „Trotzdem schafft er es, so auf meine Anweisungen zu achten, dass er im Ring erfolgreich ist“, lobt Marco Schneider den angehenden Erzieher, „an ihm sieht man, dass man auch ohne ideale körperliche Voraussetzungen in diesem Sport weit kommen kann.“

Wie weit es die frischgebackenen Europameister schaffen, wird sich zeigen, wenn sie im September in Japan bei den All-Japan-Championships im Shooto antreten. Dafür haben sie sich mit ihren Titeln qualifiziert. Dort winken den Kämpfern Profi-Verträge und Sponsorengelder.

„Der finanzielle Aspekt ist nicht unwichtig“, weiß Marco Schneider, der mit seiner Truppe in diesem Sommer auch bei der EM in Rom hätte dabei sein können. „Allerdings waren die Anreisekosten zu hoch“, sagt der Coach. Für den Trip nach Japan hoffen die „Lutarillas“ nun auf Sponsoren, um sich den großen Traum vom Profi-Vertrag erfüllen zu können.

Gute Chancen haben Lucas Werner und Stephan Hazizowic auf jeden Fall. „Vor allem Lucas hat schon in Reutlingen die japanische Delegation mit seiner Technik und seinen Siegen auf sich aufmerksam gemacht“, weiß Schneider. Denn auch im Shooto gilt: Interessant ist, was sich gut vermarkten lässt. Und wer mit spektakulären Kicks und großem Kampfgeist auffällt, hat da schon einmal richtig gute Karten …