Lüneburg. „Wie geht der Besucher der Innenstadt vor? Was erwartet er?“ Diese Fragen haben sich Thomas Grupe, Bereichsleiter Märkte beim Medienhaus Lüneburg, und Norbert Hill, Geschäftsführer von Internetanbieter Luenecom, gestellt. Und sie haben Antworten gefunden: „Das Kaufverhalten hat sich genauso wie die Mediennutzung geändert. Der Kunde hat heutzutage für sein Einkaufserlebnis andere Ansprüche und Erwartungen als früher.“

Diese Erwartungen wollen Grupe und Hill erfüllen. Mit ihrer in Gründung befindlichen NewCo GmbH planen sie, die Lüneburger Innenstadt flächendeckend mit freiem W-Lan zu versorgen. Unterstützung kommt aus dem Rathaus, wo das Thema schon seit Jahren auf der Agenda steht.

Die neuen Pläne wurden am Mittwoch in der Online-Sitzung des Lüneburger Wirtschauftsausschusses vorgestellt. Hoch über den Dächern der Stadt, im 10. Stock des Technologiezentrums, erklärte Grupe das Projekt vor den Kameras des Online-Streams: Über drei Kanäle – das städtische Netz, das schnelle Internet eines lokalen Partners und über eigene Hotspots – sollen Lüneburger und Besucher schon bald gratis surfen können. Das Netz sei „5G ready“, also bereit für die aktuell schnellste Verbindung, betonte Grupe. Zudem wolle man auch die (manchmal etwas langsameren) Hotspots der örtlichen Geschäfte und Restaurants einbinden und so die Reichweite vergrößern.

Einmal eingeloggt, kann der Nutzer in der ganzen Innenstadt ins Internet. Umsonst, dauerhaft und durchgehend. „Einmal drin, immer drin“, sagte Grupe. Im August sollen die ersten Arbeiten beginnen, schon im kommenden Jahr soll es bis zu 90 Hotspots geben. Diese werden u. a. an den Straßenlaternen installiert, damit sie das historische Lüneburger Stadtbild nicht stören. „Das ist mit dem Denkmalschutz geklärt“, betonte der Geschäftsführer der neuen GmbH. In weiteren Schritten könnte bis Ende 2022 auch der Landkreis versorgt werden.

Datenschutzbedenken der Ausschussmitglieder Frank Soldan (FDP) und Michel Pauly (Linke) konnte Norbert Hill ausräumen: Der Nutzer müsse nur mit einem Klick die obligatorische Störerhaftung akzeptieren, schon könne er loslegen.

Knapp 700.000 Euro kostet die Installation des Netzes. Eine Anschub­finanzierung in Höhe von 200.000 Euro wird wohl von der Stadt kommen. Entsprechende Signale gaben die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses sowie Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Sie übergaben das Thema dem Verwaltungsausschuss.

Und was haben die Initiatoren des freien Netzes von ihrer Investition? „Wir können darüber die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle spielen“, sagte Thomas Grupe. So könne z. B. Werbung entsprechend des Nutzerverhaltens und seines Standortes geschaltet werden. Auch sei es möglich, Speisekarten des gerade besuchten Restaurants oder Rabattaktionen der Boutique an der nächsten Ecke aufs Handy zu bringen. Auch lokales Online-Shopping sei möglich. Zudem, das soll jedoch erst in fernerer Zukunft erfolgen, werde auch „Big Data“ ein Thema. So könne man etwas Besucherströme anhand von Bewegungsdaten ermitteln. „Natürlich anonym und datenschutzkonform“, betonten beide.

Und was bringt das Netz dem Nutzer? Er kommt in Lüneburg, und später auch im Landkreis, flächendeckend und gratis ins Internet. Außerdem kann er in Partnernetzen, u. a. im Schleswig-Holstein-Netz oder im Osnabrücker Internet, surfen.