Lüneburg. „Gemeinsam fordern wir einen zusätzlichen Wahlkreis zur Landtagswahl 2022 in unserer Region. Nur so lassen sich die Lebenswirklichkeiten der Menschen in und um Lüneburg abbilden. Es ist nicht vertretbar, die Samtgemeinden Ilmenau und Amelinghausen dem Wahlkreis Soltau zuzuordnen.“

Mit dieser gemeinsamen Erklärung und mit einem „Wir gehören zusammen“-Plakat platzierten sich alle hiesigen Landtagsabgeordneten, die betroffenen Samtgemeindebürgermeister und der Landrat am Montag für ein Gruppenfoto auf dem Lüneburger Platz Am Sande. Das Motiv war nicht zufällig gewählt, denn hier, mitten im Zentrum Lüneburgs, pulsiert das Leben. Von hier aus fahren KVG-Busse in alle Ecken des Landkreises, bringen die Schüler nach Hause oder die Patienten zum Arzt.

Dass Bürger aus den Samtgemeinden Amelinghausen und Ilmenau ihren (politischen) Blick mit den kommenden Landtagswahlen nicht mehr nach Lüneburg, sondern gen Soltau richten sollen, geht SPD-, CDU- und Grünen-Politikern gehörig gegen den Strich. Sie protestieren parteiübergreifend gegen die vom Land geplanten Änderungen der Wahlkreise.

Das Problem: Laut Landeswahlrecht darf die Zahl der Wahlberechtigten in einem Wahlkreis von der durchschnittlichen Zahl der Berechtigten aller Kreise um maximal 25 Prozent abweichen – mit mehr als 27 Prozent liegt der Wahlkreis Lüneburg jedoch darüber. Daher sollen die beiden Samtgemeinden dem Wahlkreis Soltau zugeordnet werden. „Das geht an der Lebensrealität der Menschen vorbei“, klagt nicht nur Landrat Jens Böther.

Schon Mitte März hatte der Lüneburger Kreistag eine Resolution an Landeswahlleiterin Ulrike Sachs und Langtagspräsidentin Gabriele Andretta geschickt. Sie bekommen nun auch die neue Forderung der Lüneburger Spitzenpolitiker nach einem zusätzlichen Wahlkreis.

„Was haben wir in Amelinghausen mit Soltau zu tun?“, fragt Detlev Schulz-Hendel, Landtagsabgeordneter der Grünen, „von uns aus fährt ja nicht einmal ein Bus nach Soltau!“

Landtagskollegin Andrea Schröder-Ehlers (SPD) weiß: „Da müssen jetzt dicke Bretter gebohrt werden.“ Auf den Schultern der Lüneburgerin und auf denen des CDU-Abgeordneten Uwe Dorendorf aus Dannenberg ruhen nun die Hoffnungen. Sie sollen den Lüneburger Vorstoß in ihren Fraktionen bewerben und dabei auch betonen, dass die Idee nur eine Übergangslösung wäre. „Es ist schon jetzt erkennbar, dass aufgrund der demografischen Entwicklung in Niedersachsen spätestens 2027 Wahlkreise wegfallen werden“, heißt es in der vorgelegten Erklärung weiter. „Die Schaffung eines zusätzlichen Wahlkreises in der Lüneburger Region kann daher mittelfristig wieder ausgeglichen werden.“

Mehr Stories aus der Region gibt’s in der aktuellen Lünepost