Wenn Hunde zubeißen

Vater der Sorgenkinder: Jan Pless, Vorsitzender des Tierschutzvereins Lüneburg, trainiert im Tierheim an der Bockelmannstraße Hunde mit verschiedensten Problemen. Foto: akm

Hannover/Lüneburg. Diese Tragödie schockiert: Ein Staffordshire-Terrier hat offensichtlich eine Frau (52) und ihren Sohn (27) getötet. Die Tochter hatte in der Nacht zu Mittwoch,
4. April, versucht, ihre Mutter und ihren Bruder telefonisch zu erreichen – vergeblich. Sie fuhr zur Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Hannover. Schon durchs Fenster sah sie den Bruder blutüberströmt am Boden liegen. Die Frau alarmierte die Polizei. Die Beamten und die Feuerwehr fingen den Hund mit der Schlinge ein, fanden die schrecklich zugerichteten Leichen der Mutter und des Sohnes.

Wie konnte es zu dem Blutbad kommen?

Nach Polizei-Ermittlungen wurde der Staffordshire-Terrier Chico in einem Stahlzwinger im Zimmer des Sohnes gehalten. Nachbarn berichten, der schwerkranke Mann sei nur nachts mit dem Hund rausgegangen. Und Chico sei sehr aggressiv gewesen, habe draußen immer einen Maulkorb getragen.

Die LÜNEPOST sprach mit einem Experten über den Vorfall. Jan Pless ist 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Lüneburg. Der ausgebildete Tiertrainer kümmert sich im Tierheim an der Bockelmannstraße besonders um die „Sorgenhunde“, die aus verschiedenen Gründen schwer vermittelbar, mitunter auch bissig sind. Pless lebt mit diesen Tieren und seinen eigenen Hunden unter einem Dach.

Das Unglück von Hannover gibt auch Pless Rätsel auf:

„Wir können nur spekulieren, was da geschehen ist. Wir wissen nicht, wie mit dem Hund umgegangen worden ist, ob es vorher Probleme gab. Ging es ums Fressen? Haben sich die Besitzer gestritten, wollte der Hund eventuell jemanden beschützen? Hat der Hund einen Ticker? Wir werden das alles womöglich nie erfahren.“ Deshalb sei eine Einschätzung sehr schwierig.

Mehr zum Thema steht in der LP vom 7./8. April 2018.