Wer hat in Kaltenmoor geschossen?

Versteckt und in Handschellen: Mohamed E. sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft. Doch ist er wirklich der Haupttäter? Foto: phs

Lüneburg. Steckt Mohamed E. aus Adendorf als treibende Kraft hinter den Schüssen auf eine Gruppe junger Männer in Lüneburg-Kaltenmoor? Oder ist er nur ein Bauernopfer im Streit zwischen Drogendealern und einflussreichen Familienclans? Hat etwa sein Cousin Farrid M. aus Hamburg mehrfach mit einer Handwaffe aus dem Beifahrerfenster gefeuert? War noch ein Dritter beteiligt?

Das sind nur einige der Fragen, die die 4. Strafkammer des Lüneburger Landgerichts unter Vorsitz von Richter Franz Kompisch seit Donnerstag, 27. September, zu klären versucht.

Nach Befragung der ersten Zeugen ist klar: Es wird kein einfacher Prozess. Jeder beschuldigt einen anderen, mit Drogen-Deals will niemand etwas zu tun gehabt haben – und wenn es heikel wird, heißt es immer wieder: „Daran kann ich mich nicht erinnern.“

Fakten lieferten zum Prozessauftakt immerhin die bestellten Sachverständigen. So wie der Experte vom Landeskriminalamt in Hannover, der nach Untersuchung der Schmauchspuren aus dem Auto der Täter eine klare Tendenz erkennen ließ: Der Großteil der mindestens elf Schüsse sei mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Beifahrersitz aus abgegeben worden, sagte der LKA-Mann.

Das würde Mohamed E. entlasten, der laut mehrerer Zeugen am Steuer des Audi gesessen hat.

Und es würde sein Umfeld bestätigen, das beteuert, er habe nicht geschossen. Auch Farrid M. lieferte dem Gericht entlastende Fakten: Zur Tatzeit will er in Hamburg vom Zoll kontrolliert worden sein. Zudem erkannten ihn nicht alle bisher gehörten Zeugen als Beifahrer.

Mehr vom Prozess um versuchten Mord an sieben Männern steht in der LÜNEPOST vom 29./30. September 2018.