Landkreis/Bienenbüttel. Ein Beitrag des Magazins Spiegel-TV sorgt seit knapp zwei Wochen für Unruhe in Bienenbüttel und im östlichen Landkreis Lüneburg. Es geht um völkische Siedler in der Region und um stramm rechtsgesinnte Familien, die sich in den kleinen, abgelegenen Dörfern angesiedelt haben sollen. Das Thema ist nicht neu. Durch den mittlerweile über eine Million Mal bei Youtube geklickten Beitrag ist es wieder in den Fokus gerückt worden.

Die Reportage zeigt, wie krude Nazi-Ideologien fast selbstverständlich mitten in der Gesellschaft ausgelebt werden. Da ist die Familie F. aus Bienenbüttel. Sie ist schon lange als extrem rechts bekannt, spätestens seit der verstorbene Vater einst eine Traueranzeige für den NS-Verbrecher Rudolf Heß in die Zeitung setzen ließ.Seine Söhne Wolfhard, Wolfgang und Gerhard F. scheinen eine ähnliche Denke zu haben. Wolfhard soll laut Spiegel-TV Lagerleiter des Bündnisses „Sturmvogel“ gewesen sein, einer Jugendbewegung nach Vorbild der Hitlerjugend. Bruder Gerhard leitet die Leichtathletik-Sparte des TSV Bienenbüttel. Er soll in der Mitgliederliste der streng-rechten „Artgemeinschaft“ stehen, Seite an Seite mit dem verurteilten Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der dritte Bruder Wolfgang betreibt in Vindorf im Landkreis Lüneburg eine Akkordeon-Werkstatt. Gegen ihn läuft ein Verfahren bei der Lüneburger Staatsanwaltschaft, er soll sich laut einer Sprecherin einer bewaffneten Gruppierung an­geschlossen haben. Waffen und Munition wurden bei einer Razzia sichergestellt.

Waffen wurden sichergestellt

Zurück nach Bienenbüttel. Im Ortsteil Hohnstorf lebt Familie M. Sie soll eng befreundet sein mit den F.s. Spiegel-TV zeigt bewegte Bilder der Töchter Irmhild und Hildburg M. aus einem Jugendlager der „Heimatfrauen Deutsche Jugend“. Vater Hellmut S. wird laut der Reportage vom Staatsschutz als „Straftäter rechtsmotiviert“ geführt. Bei einer Durchsuchung in Bienenbüttel wurde bei ihm eine Sig-Sauer-Pistole sichergestellt. Das dokumentiert eine eingeblendete „Verschlussakte“.

Die Gemeinde Bienenbüttel und der Landkreis Uelzen kommen im Bericht nicht gut weg. Landrat Heiko Blume soll den Reportern ebensowenig für ein Interview zur Verfügung gestanden haben wie Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke. Dieser habe auf Anfragen nicht reagiert, heißt es. Doch Franke behauptet etwas anderes: „Die Berichterstattung ist in Bezug auf eine Reaktion der Gemeinde Bienenbüttel nicht vollständig wiedergegeben“, teilt er auf der Website der Gemeinde mit. „Eine erste schriftliche Anfrage von Spiegel-TV haben wir zeitnah und abschließend beantwortet.“ Dabei sei es aber lediglich um eine sogenannte „Wolfsangel“, ein verbotenes Zeichen der Hitlerjugend, gegangen. Dass die im Beitrag genannten Familien seit Generationen im Bereich der Gemeinde Bienenbüttel leben, sei bekannt. „Weitere Zuzüge von sogenannten völkischen Siedlern, geschweige denn eine ‚Invasion‘, wie es Spiegel-TV betitelte, seien nicht bekannt“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Man stünde mit der Polizei im Austausch. „Stand jetzt sind keine politischen Straftaten von und durch den genannten Personenkreis in der Einheitsgemeinde bekannt.“

Bienenbüttels Bürgermeister nimmt Stellung

Franke weiter: „Ich möchte derartige Gesinnungen keineswegs verharmlosen und finde es grundsätzlich gut, dass darüber berichtet wird. Aber ich bitte darum, dies auf einer sachlich-objektiven Ebene zu tun und nicht eine ganze Gemeinde zu verunglimpfen. Das haben unsere Bürger nicht verdient. Hier im Ort leben so viele tolle Menschen, die sich freiwillig und über politische, religiöse oder andere ‚Barrieren‘ hinweg engagieren. Ich bin mir ganz sicher, dass wir in unserer Einheitsgemeinde alle gemeinsam stark genug sind, jedweder Form von Extremismus entgegenzutreten.“bec