Was wird aus dem
Alt Garger „Plan 1“?

Hier wurde 31 Jahre in der Kult-Dorfdisco Yuppidu gefeiert, in den vergangen fünf Jahren gab‘s dort Konzertveranstaltungen, ein Fahrradhostel und ein Bistro. Eigentümer Boris Campanale möchte jetzt verkaufen – was aus den geschichtsträchtigen Gebäuden wird, ist noch unklar.

Alt Garge. Torfrock trat hier auf, Extrabreit spielte und viele Bands, häufig aus den USA, gaben ihr Bestes – die Rede ist vom Alt Garger Kulturzentrum Plan 1. Zuvor feierten dort Generationen junger Menschen aus Lüneburg und Umgebung 31 Jahre lang in Jimmy Greens legendärer Kult-Dorfdisco Yuppidu. Noch davor war es das Alt Garger Kurhotel. Und jetzt?

Jetzt steht das von Eigentümer Boris Campanale mit viel Liebe zum Detail und noch mehr Geld sanierte Ensemble zum Verkauf. 450.000 Euro möchte der Immobilienfachmann dafür haben, „gut 150.000 Euro weniger, als wir reingesteckt haben“, seufzt er. Doch wie kam es dazu?

Im Jahr 2010 übernahm Campanale das Gebäude-Ensemble und sanierte es baubiologisch. So erhielt es erstmals eine Heizung, der 400 qm große Saal wurde hergerichtet, die Nebengebäude wurden neu aufgebaut. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Nicole Schmidt und einem weiteren Paar betrieb er schließlich ein Fahrradhostel, ein Bistro und gründete die Veranstaltungsgesellschaft Plan 1.

Alles lief zufriedenstellend, bis der Ärger 2012 begann.

„Da stellte sich heraus, dass das Paar, mit dem wir alles gemeinsam betrieben, hoch verschuldet war.“ Die Zusammenarbeit wurde beendet, fortan betrieben Campanale und Schmidt das Ganze alleine. „Wir stellten fest, dass das zu viel für uns war.“

Das Paar sah sich vor lauter Arbeit kaum, zumal Campanale als selbständiger Immobilienfachmann tagsüber viel in Lüneburg und Hamburg war. „Auch unsere Kinder kamen zu kurz“, erinnert er sich, „wir konnten auch nicht mehr gemeinsam in den Urlaub fahren“.

So beschlossen sie 2013, das Projekt aufzugeben.

Schnell fanden sich zwei Interessenten, die bereit waren, Kulturzentrum und Hostel weiterzuführen. „Aber wir entschieden uns für den Falschen“, weiß Campanale heute.

Vereinbart war, dass die Interessenten den Betrieb ein halbes Jahr mietfrei weiterführen, weitere sechs Monate Miete zahlen und schließlich das Ganze kaufen sollten. „Gerne mitgenommen haben sie das mietfreie halbe Jahr“, fasst Campanale die Misere zusammen. „Danach kamen nicht einmal die Nebenkosten rein. Lieferanten, Personal, nichts wurde bezahlt.“

Die Mietschulden summierten sich laut Campanale auf 14.000 Euro.

„Und drei Notar-Termine platzten!“ Dabei liefen Hostel und Veranstaltungen recht gut, obwohl die Betreiber keinerlei Werbung machten. „Sie haben sicher gut Geld verdient, da sie ja nur Einnahmen und keine Ausgaben hatten“, so der Eigentümer.

Im Oktober war Schluss, seitdem steht das Ganze erneut zum Verkauf.

„Es gibt immer wieder Interessenten, aber in trockenen Tüchern ist noch nichts“, bedauert Campanale. Gerüchte, dass sich die Pestalozzi-Stiftung für das Anwesen interessiert, bestätigt er. „Sie würden ein Projekt mit Jugendlichen machen wollen.“ Christian Violka von der Pestalozzi-Stiftung Hamburg meint dazu allerdings: „Ich kann Ihnen mitteilen, dass wir nicht an der von Ihnen aufgezeigten Immobilie daran sind bzw. waren.“

Das Gebäude, das sich ohne große Umbauten in vier abgeschlossene Wohnungen unterteilen ließe, wäre laut Campanale auch „ideal zum Beispiel für eine Alters-WG, man könnte dann gemeinsam ein Kulturcafé oder etwas Ähnliches betreiben.“

Campanale würde auch wieder vermieten, wenn jemand das Projekt wie bisher weiterbetreiben möchte. „Ich müsste aber das Gefühl haben, dass derjenige sein Geschäft versteht, damit die Miete auch reinkommt“, ist er vorsichtig geworden.